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Telekom glaubt nicht an Hacker-Angriff

Steht ausgefallener Server in Nürnberg? - Kein Anspruch auf Zahlungen
 Telekom glaubt nicht an Hacker-Angriff
Foto: dpa
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NÜRNBERG - Menschen standen unabgeholt an Bahnhöfen, warteten vergeblich auf verabredete Anrufe, konnten keine SMS und übers Laptop keine Datensätze mehr verschicken. Die bisher größte technische Panne bei Deutschlands Mobilfunk-Marktführer T-Mobile sorgte am Dienstag für viel Unmut bei einem Großteil der 40 Millionen Firmenkunden.

Besonders zornig waren Menschen wie Michael Ehlers, die einen Großteil ihrer Geschäftstätigkeit über moderne Telekommunikationstechnik abwickeln. Der Bamberger, dessen privates Institut strategisches Marketing für Betriebe sowie Manager- und Politikerberatung anbietet, stützt sich auf ein «virtuelles Büro«, das über ein Callcenter in Paderborn organisiert wird. «Das Geschäft war für einen halben Tag kaputt«, schimpft er. Ehlers fehlt jedes Verständnis für die Panne, die von T-Mobile mit dem Ausfall zentraler Server begründet wurde. «Ein solches Unternehmen sollte drei oder vier Ersatzserver im Hintergrund laufen haben.«

Suche nach der Ursache

Bei der Deutschen Telekom mag man dem verärgerten Kunden da gar nicht widersprechen. Bevor über solche Nachbesserungen in der Anlagentechnik entschieden werde, meint Pressesprecherin Cordelia Hiller, «müssen wir aber erst den genauen Ausfallgrund erforschen«. Feststeht bisher nur, dass die Störung im sogenannten Home-Location-Register (HLR) auftrat, jenem Bereich, der für die Ortung der einzelnen Handy-Nummern verantwortlich ist. Telekom- Experten glauben nicht, dass die Störung durch eine Hacker-Attacke verursacht wurde.

Dass zumindest einer der ausgefallenen HLR-Server in Nürnberg steht, wollte die Münchner Telekom-Sprecherin nicht bestätigen. Die Standorte der zentralen Anlagen seien «sicherheitsrelevante Informationen«, die nicht weitergereicht würden. Bei der Behebung der Panne seien, so Hiller, aber auch in Nürnberg zahlreiche Mitarbeiter aktiv gewesen.

25 Prozent der Sprachverbindungen und des Datenverkehrs funktionierten nach Angaben der Telekom auch während der Störungsphase. «Das war nicht nur von der Nummer abhängig, sondern auch davon, welches Gerät benutzt und welcher Dienst in Anspruch genommen wurde.«

Zahlungen ausgeschlossen

Selbst Verbraucherschützer schlossen gestern aus, dass Privatpersonen wegen des vorübergehenden Netzausfalls Schadenersatz von T-Mobile einfordern können. Das Unternehmen schloss solche Zahlungen mit Verweis auf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen bereits aus. Demnach muss das Unternehmen nur haften, wenn Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit Schäden verursachen.

Allerdings gab sich auch die Firmenzentrale in Bonn nach dem Netzausfall zerknirscht. «Wir bedauern den Vorfall und entschuldigen uns bei unseren Kunden für die entstandenen Unannehmlichkeiten«, sagte der Sprecher der T-Mobile-Geschäftsführung, Georg Pölzl. Und am Nachmittag kündigte das Unternehmen dann auch eine Wiedergutmachungsaktion an. Die 40 Millionen Kunden dürfen am kommenden Sonntag im Inland kostenlos eine unbegrenzte Zahl von Standard-SMS verschicken.

Fachliches Interesse hat die Netzstörung nicht nur bei Telekommunikations-Experten ausgelöst, sondern auch bei kritischen Beobachtern unserer Medien-Gesellschaft. Prof. Alfred Gebert, Wirtschaftspsychologe aus Münster, wunderte sich im Gespräch mit unserer Redaktion darüber, «welche Ängste spürbar werden«, wenn die Menschen einige Stunden auf ihr Handy verzichten müssen.

Auch wenn alles prima funktioniert, bringen Mobiltelefone und die permanente schnelle Erreichbarkeit - etwa per E-Mail - nach Überzeugung Geberts zusätzlichen Stress in unser Leben. Das haben auch Leistungsuntersuchungen des Wissenschaftlers in Firmen ergeben. Mehr Unterbrechungen in der Arbeit, mehr Hektik und mehr Ungeduld. «Früher«, sagt Gebert, «hat man einen Brief verschickt und durfte frühestens nach drei Tagen mit Antwort rechnen. Keiner hat sich Sorgen gemacht, wenn sie nicht gleich kam. Heute werden wir nervös, wenn eine E-Mail nicht sofort beantwortet wird.«

Hans-Peter Kastenhuber
23.4.2009
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