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Frieden bei Honsel |
| Belegschaft übt Lohnverzicht - Kein Stellenabbau |
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NÜRNBERG - Sieg unter Vorbehalt: Der mit über 400 Mio. € verschuldete Autozulieferer Honsel verzichtet auf betriebsbedingte Kündigungen: Das sieht eine Vereinbarung zwischen IG Metall, Betriebsrat und Firmenleitung vor.
«Dies ist ein wegweisender Kompromiss, auch weit über Honsel hinaus», sagte Nürnbergs IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler. In einer Eckpunkte-Vereinbarung mit einer Laufzeit von drei Jahren konnten Entlassungen und die geplante Schließung des Werks 2 abgewendet werden. Voraussetzung sei, dass Banken und Gesellschafter ihren Verpflichtungen nachkommen und frisches Kapital in das Unternehmen stecken. Ursprünglich hatte Honsel angekündigt, 186 der 660 Stellen im Nürnberger Werk zu streichen.
Mitarbeiter zu weitgehenden Einschnitten bereit
Die Firmenleitung verpflichtete sich, ab 1. Mai die Tariferhöhung von 2,1 Prozent weiterzugeben. Diese hatte Honsel laut IG Metall zunächst für drei Jahre aussetzen wollen. Außerdem sollten über Gehaltskürzungen in Höhe von zwölf Prozent fünf Mio. € eingespart werden. Weil das Werk nur zu 55 Prozent ausgelastet ist, erklärten sich die Mitarbeiter zu weitgehenden Einschnitten bereit: Trotz Tariferhöhung erhalten sie 4,5 Prozent weniger Lohn. Zudem verkürzt sich die Arbeitszeit von 35 auf 29 Stunden - mit Engelteinbußen. Die Kurzarbeit soll auf bis zu 24 Monate ausgedehnt werden. Das Unternehmen müsse jedoch quartalsmäßig prüfen, ob mit besserer Auftragslage die Arbeitszeit verlängert werden könne, betonte Wechsler.
Die Vereinbarung bietet Arbeitnehmern ab 59 Jahren zudem die Möglichkeit, freiwillig und schrittweise, mit Abschlägen, in Rente zu gehen. Trotz Wirtschaftskrise sollen weiterhin jährlich zwölf Auszubildende eingestellt und nach ihrer Lehre für ein Jahr befristet übernommen werden. Bis Mitte 2012 soll es nach Gewerkschaftsangaben demnach 36 Neueinstellungen geben.
Bei Einstellungen behält sich der Betriebsrat eine Prüfung vor. «Damit gibt es keine prekären Arbeitsverhältnisse, keine Zeitarbeit ohne unsere Zustimmung», sagte Betriebsratschef Roland Krollikowsky. Halte sich die Firmenleitung nicht an die Vereinbarungen, gebe es für IG Metall und Betriebsrat ein Sonderkündigungsrecht des Vertrags. «Der Standort Nürnberg hat damit eine hervorragende Perspektive, sicher auch über drei Jahre hinaus», sagte Krollikowsky. Das Werk soll zudem zum deutschlandweiten Kompetenzzentrum für Druckguss-Strukturteile werden.
Jobverluste an anderen Orten?
Der Vertrag gelte nur unter vorheriger schriftlicher Vereinbarung mit den Gläubigerbanken und dem US-Finanzinvestor Ripplewood. Diese hätten sich auf eine neue Kapitalstruktur geeinigt: Sie gewährten Honsel einen Schuldenerlass und erhalten im Gegenzug eine Minderheitsbeteiligung. Ein «ehrgeiziges Kostensenkungsprogramm» sieht Einsparungen bis zu 180 Mio. € im Konzern vor, sagte Sprecherin Maria Lahaye-Geusen der NN. Dazu gehören Einsparungen bei den Personalkosten: Ein Stellenabbau an den anderen Standorten sei nicht ausgeschlossen. «Aber wir versuchen betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden», so Lahaye-Geusen. Da Anteilseigner und Gläubigerbanken Bereitschaft signalisierten, gebe es noch Handlungsspielraum.
Bis zum 22. Mai haben die Gesellschafter noch Zeit, den Restrukturierungsplan zu prüfen. Sollten sie ihre Zusagen nicht einhalten, muss Honsel laut IG Metall Insolvenz anmelden.
Eig. Ber/sor |
| 1.5.2009 |
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