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1.Mai: Autonome fordern Ende des Kapitalismus

Demonstration für die «soziale Revolution« - Rund 2500 Teilnehmer
 1.Mai: Autonome fordern Ende des Kapitalismus
Foto: Günter Distler
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NÜRNBERG - Die Rechten kamen diesmal nicht. Also haben sich die Autonomen bei ihrer traditionellen Demonstration am ersten Mai jenem widmen können, was sie sonst noch abschaffen wollen: «Kapitalismus, Arbeitslosigkeit, unsoziale Politik der Stadt Nürnberg«.

Fuck the police - ein Transparent mit so einer Aufschrift lässt die Polizei natürlich nicht durchgehen. Ein 21-jähriger Mann wird festgenommen - der erste Aufreger, noch bevor der Demonstrationszug mit 2500 Menschen (die Veranstalter sprechen von 3000) in der Gostenhofer Hauptstraße startet. Entsprechend die Lautsprecherdurchsagen der Autonomen: Die Polizei solle den Mann «rausrücken«, jede Provokation unterlassen und sich auf das Regeln des Verkehrs beschränken. Die Stimme am Mikrofon hat einen drohenden Ton, fordert die meist jungen Demonstranten auf, «laut und kämpferisch« zu sein.

Auch viele «Normalos« auf der Straße

Es wird dennoch eine friedliche Demonstration werden, die aber auch deutlich macht, wo der Frust bei vielen sitzt. Denn da marschieren nicht nur zornige Linksextreme mit, deren ideologisches Dogma auch Gewalt akzeptiert. Nicht nur Schwarzgekleidete, die rot-schwarze Che-Guevara-Fahnen schwenken, nicht nur Punks in Nietenjacken und Springerstiefeln. Es sind auch viele «Normalos« auf der Straße, Familien mit Kindern.

Das wundert nicht. Was die Autonomen kritisieren, wurmt in diesen Krisenzeiten so manchen: dass etwa Firmengewinne privatisiert werden, sich aber gerade jene Banken und Unternehmen, die sich selbst in ihre Notlage gebracht haben, vom Staat helfen lassen wollen. Die radikale Lösung der Autonomen: «Banken und Konzerne enteignen und vergesellschaften - Kapitalismus abschaffen«.

Zwischenkundgebung nahe dem «Tønsberg«-Laden

Unter dem Motto «Unsere Revolution statt eurer Krise« geht es über Plärrer und Frauentorgraben zur Färberstraße - Zwischenkundgebung nahe «Tønsberg«, dem bei Rechten beliebten Kleidungsgeschäft. Natürlich fordern die Autonomen, wie alle Nürnberger Demokraten, dass der Laden schließt. Aber zugleich kritisieren sie, dass «Stadt, Justiz und Polizei den Rechten den roten Teppich ausrollen«. Kritisieren, dass der Laden immer noch öffnen darf, die Polizei ihn vor Angriffen schützt («Leibwache der Nazis«). Die Einsicht, dass eine Demokratie nur als solche zu bezeichnen ist, wenn sie ihre Gegner nach den eigenen Grundsätzen behandelt, scheint es nicht zu geben.

Flaschen gegen McDonald’s

Das Credo mancher Autonomen: Was einem nicht passt, muss notfalls mit Gewalt abgeschafft werden. Also werfen Schwarzgekleidete Bierflaschen auf eine McDonald’s-Filiale (global tätiger Konzern). Zertrümmern Punks Wahlplakate von SPD und CSU (angebliche Verhinderer kollektiven Wohlstands) - ein 31-jähriger Erlanger wird festgenommen. Die Polizei hält sich jedoch weiter im Hintergrund. Allein ihre Anwesenheit ist für manche Provokation genug.

Die Aufgabe der Beamten: Ordnung aufrecht halten. Genau jene Ordnung, die die Autonomen zerstören wollen. Also ist die Polizei Hauptgegner, dient als Projektionsfläche, symbolisiert sie doch alle Beharrungskräfte, die die Umsetzung des eigenen Ideals blockieren. «Wir wollen die soziale Revolution«, grölt ein junger Mann. Was heißt: Eine Gesellschaft, in der jeder Arbeit hat. In der Hartz-IV-Empfänger für öffentliche Verkehrsmittel ein «Sozialticket« bekommen. In der niemand frieren muss, weil er den Strom nicht zahlen kann.

Nur Einzelne liefern sich Scharmützel mit der Polizei

Linker Rap dröhnt aus den Boxen. Bei der Zwischenkundgebung am Plärrer explodieren wieder Knallkörper, fliegen wieder Flaschen, diesmal gegen das Gebäude der N-Ergie. Einzelne Demonstranten liefern sich kleine Scharmützel mit der Polizei.

Zu Ausschreitungen kommt es jedoch nicht, nur wenige werden vorübergehend festgenommen - anders als 2008, als auch noch die NPD aufmarschierte: Da gab es 50 Festnahmen; 29 Verletzte, darunter 19 Polizisten.

Der Zug schlängelt sich in die Kanalstraße, zu einem Lidl-Markt. Der Skandal wird angeprangert, Mitarbeiter auszuspionieren. Über die Kernstraße weiter zur Müllnerstraße, wo das traditionelle Straßenfest gefeiert wird. Einige «Internationale Solidarität«-Rufe noch, dann ist alles vorbei. Nur Minuten nach dem letzten Demonstranten: die Straßenreinigung, mit dröhnender Kehrmaschine. Schon sind Flaschen, Müll und Soziale Revolution-Flugblätter aufgekehrt.

Andreas Dalberg
4.5.2009
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