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Iris Berben dreht Mankell-Krimi

Dreharbeiten für Aids-Thriller "Kennedys Hirn" in Mosambik
 Iris Berben dreht Mankell-Krimi
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MAPUTO – Nach einem düsteren Krimi sieht die Szene nicht aus. Kinder toben am Wegesrand. Der Dorfpolizist hat Mühe, die Kleinen im Zaum zu halten. Seit Stunden herrscht hier an der Landstraße 25 Kilometer westlich von Maputo helle Aufregung. Nicht, dass die Menschen in Mosambik Ausschau hielten nach der Frau unter
dem Panama-Hut und dem Mann im Baumwollsakko, die daheim fast jeder erkennt. Iris Berben und Heino Ferch verschwinden beinahe in der Menge der Komparsen, die in der Verfilmung von Henning Mankells Roman «Kennedys Hirn» mitspielen. Anfang 2010 soll der ARD-Zweiteiler ins Fernsehen kommen.

Die Lichter, die Kameras, die Kulisse eines Feldlazaretts – in Boane herrscht an diesem Nachmittag Ausnahmezustand. Seit Stunden stehen Berben und Ferch im Staub, suchen immer wieder Schutz im klimatisierten Wohnwagen. Das schweißtreibende Schauspiel unter
Afrikas sengender Sonne nehmen sie professionell gelassen hin. Doch die Entspannung täuscht. Die Dreharbeiten liegen nicht im Plan. Mosambiks
Zöllner haben wenige Stunden zuvor die Lastwagen mit der technischen Ausrüstung hinter der Grenze zu Südafrika gestoppt. Irgendwelche Papiere fehlen, Stempel müssen her, Beamte aus dem Schlaf geholt
werden. Das Misstrauen gegen die Fremden sitzt tief.

Fehlende Requisiten und drohendes Gewitter

Lange war das Land eine sozialistische Enklave im Süden Afrikas. Ein Drehtermin in einem Waisenhaus muss verschoben werden, weil Requisiten nicht rechtzeitig angekommen sind. Außerdem droht ein Gewitter. Regisseur Urs Egger («Die Rückkehr des Tanzlehrers») blickt auf die Vorhersage. Der freundliche Schweizer bleibt ruhig.

Doch die Zeit rennt Ronald Mühlfellner davon. Der Bavaria-Produzent weiß, dass er sich auf ein kleines Abenteuer eingelassen hat, als er sich vor einem Jahr entschloss, den Mankell-Bestseller über illegale Aids-Versuche an den Original-Schauplätzen zu verfilmen
- mehr als 300 Drehorte in 51 Tagen. «Man kann das nicht woanders machen, schon gar nicht im Studio», sagt der Österreicher. «Diese Farben, diese Stimmung geben dem Film erst die Glaubwürdigkeit».

Letzte Station

Mosambik ist nach Südschweden, München und Kapstadt die letzte Station für das rund 40-köpfige Filmteam. Die einstige portugiesische Kolonie gehört zu den ärmsten Ländern der Welt, vielleicht ein halbes Dutzend Filme wurden hier bisher gedreht, darunter vor einigen Jahren der Hollywood-Streifen «Blood Diamond»
mit Leonardo DiCaprio. Es gibt kaum Technik vor Ort. Vom Verpflegungswagen bis zur rollenden Toilette – fast alles muss aus Südafrika eingeführt worden. Im 1600 Kilometer entfernten Kapstadt hat sich längst eine boomende Filmwirtschaft etabliert.

Für Iris Berben ist Mosambik nicht die erste Afrika-Erfahrung. Sie hatte schon «Africa mon amour» in Kenia gedreht. «In Mosambik habe ich die Spuren des Sozialismus unterschätzt, auch die Verbindung zur
einstigen Kolonialmacht Portugal», sagt Berben. «Fast naiv dachte ich, es ist so wie in Kenia.» Zwar schimmert in Maputo an den Fassaden der Wohnhäuser aus den dreißiger und vierziger Jahren, in den Parks und den Nobelvillen noch die alte Pracht durch. Doch das
Land ist gezeichnet von dem Jahrzehnte langen Unabhängigkeitskampf und dem Bürgerkrieg.

Liebe für Mosambik

Henning Mankell hat schon lange sein Herz für Maputo entdeckt. Sechs Monate im Jahr lebt der Schwede in der Stadt. Seine Liebe für Mosambik geht auf die Zeit des Bürgerkriegs zurück, als seine Frau hier als Ärztin arbeitete. Damals lernte er das «Teatro Avenida»
kennen. Seitdem ist er der prominenteste Unterstützer des Hauses im Herzen der Hauptstadt. Hier wechselt das Programm zwischen Klassikern und zeitgenössische Stücken von Ibsens «Nora» bis zum Musical «Linie
1».

Den Schweden hat Mosambik auch in seinem Werk nicht losgelassen. In «Kennedys Hirn» hat er die traumatische Erfahrung des Landes mit der Aids-Epidemie in eine dichte Kriminalgeschichte verwoben. Als die schwedische Archäologin Louise Cantor von Grabungen in Griechenland nach Stockholm zurückkehrt, entdeckt sie ihren Sohn tot in seiner
Wohnung. Sie begibt sich auf Spurensuche. Der Weg führt sie durch die halbe Welt – bis nach Mosambik. Dort entdeckt sie Unfassbares: Unter dem Deckmantel der Forschung werden in einem Asyl für Aidskranke mit
grauenhaften Methoden medizinische Untersuchungen getrieben.

"Menschen als Rohstoff"

Mankells Geschichte hat Iris Berben nicht losgelassen. Nach einem Gespräch mit dem Schriftsteller sagte sie dem Projekt zu. «Mankell
ist jemand, der sehr genau recherchiert. Wir sollten uns nicht in Sicherheit wiegen, dass all dies nicht schon gemacht wird». Afrika werde von vielen ausschließlich als Rohstofflieferanten gesehen,
«auch mit Menschen als Rohstoff».

Christian Holloway sieht sich allerdings nicht als Zyniker. Der Arzt in Mankells Geschichte leitet die Humanexperimente und denkt, er sei ein Menschenfreund. «Mich reizte die Geschichte. Ob es ein Guter oder ein Böser ist, ist letztlich egal», sagt Ferch zu seiner Rolle. «Ich fand die Figur so wichtig, dass ich damit überhaupt keine Schwierigkeiten hatte, eine Nebenrolle zu spielen.»

Jeder Vierte ist HIV-infiziert

Rund 16 Prozent der Bevölkerung Mosambiks sind HIV-infiziert, in der Fünf-Millionen-Stadt Maputo ist es jeder vierte. Die Friedhöfe würden mit dem Beerdigen nicht mehr nachkommen, berichtet ein mosambikanischer Journalist. Malaria, gibt ein deutscher Entwicklungshelfer zu bedenken, raffe hier viel mehr Menschen dahin.

Und dann gibt es einen Lichtblick. Die Grenzer haben die Lastwagen mit den Requisiten freigegeben. Und in dem kleinen Haus im Slumgürtel von Maputo laufen die Dreharbeiten wie am Schnürchen. Iris Berben steht im Schatten des Mangobaumes, es herrscht wieder entspannte
Stimmung am Set. Hinter dem Gartenzaun tummeln sich die Kinder. Sie haben an diesem Tag ihr sonnigstes Lächeln aufgesetzt.






Esteban Engel (dpa)
7.5.2009 11:09 MEZ
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