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Brigitte Jupitz: Zu viel Werbung in der Altstadt

Der kritische Geist in der Bauordnungsbehörde geht in Ruhestand
 Brigitte Jupitz: Zu viel Werbung in der Altstadt
Brigitte Jupitz
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NÜRNBERG - «Das ganze Glump», über das man in der Fußgängerzone stolpert, regt sie endlos auf. Jetzt geht Brigitte Jupitz, Abteilungsleiterin und kritischer Geist in der Bauordnungsbehörde, in Ruhestand.

Sie trägt gerne Rot. Auf den Lippen und am Leib; auf ihre Gesinnung lässt das keinen Rückschluss zu. «Ich bin in keiner Partei, ich darf das sagen», betont die 65-Jährige lustvoll und oft. Zum Beispiel, wenn sie neidisch nach Regensburg schaut, wo die Kommune allen Werbeschrott im Zentrum verboten hat. «Die sind eben stolz auf ihre Altstadt. Aber die Nürnberger haben kein Selbstbewusstsein, die trauen sich sowas nicht.»

Forderung: Bürgerverein für die Altstadt

Kein Slalom um Warenständer, die im Weg stehen, keine scheußlichen Werbeschilder und Aufdrucke auf Sonnenschirmen - traumhaft. Die Touristen, sagt die Architektin, die auch für die Außenwerbung zuständig war, kämen schließlich nicht wegen der Reklame in eine Stadt.

Diese Empörung soll Konsequenzen haben: Ein Bürgerverein für die Altstadt müsse her. Jupitz will sich hier engagieren, nur Klavierspielen, Aquarellmalen und ein Ehrenamt in der Architektenkammer, das ist der resoluten Frau mit dem grauen Schopf nicht genug. Seit 1989 lebt sie mit ihrem Mann Manfred, der auch Architekt ist, im Kreuzgassenviertel, kennt die baulichen Schätze des Wiederaufbaus («heruntergekommen, aber gut»), die es vor Verunstaltung zu schützen gilt.

Jahrelange Arbeit in großen Architekturbüros

Damit hat sie Erfahrung. Als großen Erfolg nennt sie die Rettung der Parkwohnanlage West, deren Reize die Wbg unter dicken Isolierplatten verschwinden lassen wollte. Jupitz: «Wenn die Dämmstoffindustrie erst einmal zuschlägt...» Doch ihr liebstes Kind ist das kommunale Dienstleistungszentrum Bau, das 1996 unter ihrer Leitung entstand, Bauherrn intensiv berät und bundesweit einmalig ist.

Jahrelang hat sie als junge Architektin in großen Architekturbüros gearbeitet, an der Oberpostdirektion, an der Nachbarschaft Paula in Langwasser und an vielen Wettbewerben mitgeplant. 1979 wechselte sie zur Stadt, wurde ’87 zum Schrecken manches männlichen Kollegen Abteilungsleiterin. Brigitte Jupitz kam trotzdem klar, obwohl ihr «das Intrigieren und das Politische nicht liegt. Ich mag schöne Sachentscheidungen.»

Steigender Egoismus bei den Bauherren

Warum so viele Bauten missraten, erklärt sie mit zunehmendem Egoismus. Jeder Bauherr schreie nur «Ich, ich, ich!» und wolle sich optisch von den anderen abheben, egal, wie’s am Ende aussieht. Noch ein Wort: Den Pellerhof («Nur eine viergeschossige Brandwand») zu restaurieren, hält sie für überflüssig. Wie gesagt, sie darf das sagen, sie ist in keiner Partei.

nn
9.5.2009
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