 |
| Bitte Bild anklicken! |
|
NÜRNBERG - Was «echte Kerle» sind, das glaubt man zu wissen. Seit Grönemeyers Hit «Männer» kennt man auch die Softie-Seite zur Genüge. Doch wovon das starke Geschlecht heimlich so träumt, was die erste Erektion auslöst und wie man als Dicker mit Humor durchs Leben kommt, das exerzieren nur die «Prachtkerle» vor: In Gestalt der beiden Franken Arnd Rühlmann und Jürgen Heimüller im «Loft».
In ihren Liedern und Chansons lassen es Arnd Rühlmann (Gesang) und Jürgen Heimüller (Piano, Gitarre, Gesang) so richtig krachen. Bei ihrem Auftritt demonstrieren sie ganz nebenbei, wie toll eine Freundschaft zwischen Homo und Hetero funktionieren kann – und was für gute Musik dabei rauskommt, wenn es sich um zwei Künstler handelt.
Stücke von Georg Kreisler, Farin Urlaub, Friedhelm Kändler und Bette Midler haben sie im Gepäck, nicht zu vergessen Herrn Grönemeyer, den Unvermeidlichen. Die Stimmung schwankt ständig zwischen rührend, absurd, böse, pathetisch, zart und deftig. Auch makaber darf es mal werden, wenn die wunderschönen blauen Augen der großen Liebe im Einmachglas schwimmen.
Melancholische und freche Chansons
Die beiden Franken klingen, als hätten sie je eine Wohnung in Berlin und eine in Paris. Melancholisch und frech wie eh und je haben sie die große Chanson-Tradition behutsam modernisiert. Irgendwie ist ja immer ein bisschen Fin de Siècle. Und so kommt bei ihnen neben dem Gespür für die richtige Stimmung und den coolen Stil auch viel musikalische Virtuosität ins Spiel. Teils klassisch, teils experimentell arrangiert, singt Rühlmann schwere Kost, dann wieder Federleichtes, das wie nebenbei eingespielt wirkt.
Seine Stimme ist schräg und dennoch gerade heraus, genau wie sein Humor. Die Witze über den Adipositas-Pass sitzen so perfekt, dass man am Ende glaubt, er sei übergewichtig, obwohl er gar nicht so viele Kilos auf den Rippen hat. Wenn es zum Schluss statt «Kinder an die Macht» «Dicke» heißt, jubelt das Publikum. Heimüller hält sich eher im Hintergrund, greift stets im rechten Moment entspannend ein, wie um den Frontmann vor dem Abheben zu bewahren. Ein netter Abend, der nach einer Wiederholung ruft.
Anne Peters |