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Und noch eine Konferenz

Chancen für Klimagipfel in Kopenhagen sinken
 Und noch eine Konferenz
Es bleibt nicht mehr viel Zeit bis zum Weltklimagipfel im Dezember in Kopenhagen. Dort soll ein wegweisender Nachfolger für das Abkommen von Kyoto, die erste völkerrechtlich verbindliche Klimaschutzmaßnahme, gefunden werden. Einen inoffiziellen Namen hat das ehrgeizige Projekt schon: Kopenhagen-Protokoll. Was ihm fehlt, ist der Inhalt.

Nun sitzen also in Bonn bis zum 12. Juni wieder rund 3000 Experten aus über 190 Staaten zusammen, um Weichen für Kopenhagen zu stellen. Weil die vorangegangenen Vorbereitungstreffen - zuletzt in Paris - mehr oder weniger glatte Fehlschläge waren, wartet auf die Delegierten eine besonders schwere Aufgabe.

Unbestritten ist, dass die Hauptlast der Verantwortung auf den Industriestaaten liegt, die für rund drei Viertel der Treibhausgase in der Atmosphäre verantwortlich sind. China hat, obwohl die Pro-Kopf-Emissionen deutlich geringer sind als die der US-Bürger, die Vereinigten Staaten beim absoluten Ausstoß an CO2 sogar schon überholt. Den größten Schaden davon haben - auch das ist unbestritten - die armen Länder Afrikas und Asiens und die Inselstaaten. Sie drohen vom ansteigenden Meeresspiegel verschlungen oder wegen katastrophaler Dürren unbewohnbar zu werden.

Fremdwort «Solidarität«

Doch Solidarität - die Reichen helfen bei der Bewältigung der von ihnen angerichteten Schäden den Armen - ist im Klimaschutz ein Fremdwort. Zwar wurde vor fast zwei Jahren bei einem Gipfel auf Bali beschlossen, einen Fonds einzurichten, in den die großen CO2-Emittenten zugunsten der besonders betroffenen Opfer des Klimawandels einzahlen, doch Geld ist bisher noch nicht geflossen.

Was gut funktioniert, ist das gegenseitige Auf- und Abrechnen. China und Indien wollen sich erst dann auf Klimaschutz-Ziele festlegen, wenn die Industriestaaten in Vorleistung gegangen sind. Die USA warten wiederum darauf, dass China und Japan sich bewegen. Die EU will den CO2-Ausstoß bis 2020 um 20 bis 30 Prozent gegenüber 1990 reduzieren, die USA lassen sich schon dafür feiern, dass sie die Bush-Blockade auflösen und bereit sind, die Treibhausgase auf den Stand von 1990 zurückzufahren. Australien hält sich ganz heraus, führt Energiesparlampen ein und lässt ansonsten die Industrie umweltvergiftend gewähren.

Aber es gibt viele Sünder. Die Bundesregierung sieht sich zwar als Lehrmeister, knickt aber gerne vor der Industrie ein. Die Bilanz der EU sähe katastrophal aus, gäbe es da nicht Deutschland und die Beitrittsstaaten, die dank des Zusammenbruchs der Industrie in der DDR und in anderen Ostblockländern ihre CO2-Emissionen gewaltig senken konnten.

Es gibt Lichtblicke

Selbst Berufsoptimisten wie Bundesumweltminister Sigmar Gabriel geben diesmal zu, dass es schwer werden wird, in Bonn auf einen Nenner zu kommen, und sei es der kleinste. Zuversicht kommt von einer ganz anderen Seite: Es gebe «Lichtblicke«, sagt etwa der renommierte Klimaforscher Wolfgang Seiler, aber die finde man nicht auf den großen Konferenzen, sondern an der Basis, in Kommunen und Regionen, die selbst das Heft in die Hand nehmen und aktiven Klimaschutz betreiben. Das Beispiel Tübingen hat diese Zeitung jüngst vorgestellt. Erlangen ist beispielhaft bei der Nutzung der Sonnenenergie auf allen Schuldächern, Fürth hat einen Spitzenplatz in der Solar-Bundesliga, Schwabach hat frühzeitig die finanziellen und klimatischen Vorteile des Energie-Contracting entdeckt. Lokale Initiativen bringen Energiespar-Tipps in jedes Haus.

Das alles sind unverzichtbare Beiträge zum Klimaschutz. Lokales Handeln entbindet die «große Politik« aber nicht von ihrer globalen Verantwortung für die Zukunft des Planeten.

Herbert Fuehr
3.6.2009
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