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Schüler und Studenten streiken für mehr Chancen

3500 junge Menschen gehen in Nürnberg auf die Straße
 Schüler und Studenten streiken für mehr Chancen
Foto: Michael Matejka
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NÜRNBERG - "Geist ist geil": Mit diesem Slogan auf Plakaten und Bannern traten gestern Schüler und Studenen auch in der Nürnberger Innenstadt zum bundesweiten Schulstreik an. Gut 3500 «Bildungsmüde« nahmen daran teil. Sie demonstrierten für eine Bildungssystem, das nicht nur Chancengleichheit für alle gewährleistet, sondern auch jedem Einzelnen mehr Freiheiten bietet.

Es klingt bizarr: Schüler und Studenten schwänzen die Schule, damit sie in Zukunft wieder gerne dort hingehen, weil sie etwas lernen. Viele der Demonstranten glauben das Bildungssystem in einem so schlechten Zustand, dass sie auf die Straße gingen. Aus dem ganzen Großraum Nürnberg waren sie am Vormittag angereist, um mit Trillerpfeifen und Schlachtrufen ihre Meinung kund zu tun.

«Studiengebühren müssen abgeschafft werden«

Ihrer Meinung nach hat das deutsche Bildungssystem nichts mit Chancengleichheit zu tun. Mitorganisator Sebastian Nähr vom «Bündnis Schulstreik« kritisiert hier vor allem, dass der Grad der Bildung eines Schülers immer noch zum großen Teil vom Einkommen der Eltern abhängt: «Bildung muss kostenlos sein. Studiengebühren müssen abgeschafft oder am besten erst gar nicht eingeführt werden. Auch in der Schule dürfen Bücher und Lernmaterial nichts kosten.« Außerdem sei das G8 noch immer nicht ausgereift und Lehrer vielerorts Mangelware.

Zudem wünschten sich die Demonstranten mehr Demokratie im Klassenzimmer. Zum einen dürften die Schüler und Studenten kaum oder gar nicht mitbestimmen, was in der Schul- und Hochschulpolitik passiert, zum anderen werde viel zu früh aussortiert. Das dreigliedrige Schulsystem war den Demonstranten ein Dorn im Auge.

Angst vor der Zukunft

Die 16-jährige Hauptschülerin Anastasia Gymnizeck aus Fürth hat düstere Prognosen für ihre Zukunft: «Ich bin zwar ziemlich gut in der Schule, aber bei meiner Ausbildungssuche laden mich viele Chefs erst gar nicht ein, weil ich nur an der Hauptschule bin.« Eine «Schule für alle« wurde dann auch lautstark skandiert. Ein weiterer Kritikpunkt war die «chronische Unterfinanzierung« von Schulen und Hochschulen. Chrissi Janka (15) aus Ansbach kennt zum Geldmangel extreme Fälle: «Eine meiner Freundinnen hat in Containern Unterricht, weil das Schulgebäude zu klein ist.«

Begleitet wurde die Demonstration von zahlreichen Zwischenfällen: Einige Minderjährige, die eigentlich in der Schule hätten sitzen sollen, wurden von der Polizei aufgegriffen. Ein Sondereinsatzkommando und Hundestaffeln der Polizei bewachten die Veranstaltung.

Sieben Festnahmen

Insgesamt verzeichnete die Polizei sieben Festnahmen. Ein Polizeibeamter wurde während des Aufzuges mit dem Fuß getreten und hierbei leicht verletzt. Bei seiner Festnahme leistete der tatverdächtige 15-Jährige Widerstand. Des weiteren wurde ein Jugendlicher wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung, ein 18-Jähriger wegen Beleidigung und zwei weitere 16- und 17-Jährige wegen Verstößen nach dem Versammlungsgesetz angezeigt.

In der Lindenaststraße überstiegen zwei 14 und 16 Jahre alte Jugendliche die Sandsteinmauer und gelangten dadurch zunächst auf das Schulgelände und dann in das Hans-Sachs-Gymnasium. Beide schmierten Parolen in einem Klassenzimmer. Gegen sie wurden ein Verfahren wegen Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch eingeleitet.

Rektor droht mit Verweisen

Ein Nachspiel in der Schule wird der Streiktag wohl für viele der Schüler haben. Schließlich fand trotz Streik offiziell Unterricht statt. Gymnasiast Andreas Daller (17) aus Nürnberg erwartet morgen Schelte vom Direktor: «Uns wurde über eine Durchsage mit Verweisen gedroht, wenn wir heute unentschuldigt fehlen.«

Petra Schlierf/hoe
18.6.2009
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