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«Weniger Köpfe, mehr Leistung» |
| GfK-Tagung: Mit Innovationen kann Deutschland aufholen |
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NÜRNBERG - Es geht bergab mit der deutschen Bevölkerung: Verglichen mit 1960 gab es 2008 nur halb so viele Geburten. Wie kann Deutschland trotz Überalterung der Bewohner wettbewerbsfähig bleiben? Indem wir durch Bildung und Innovationen «aus weniger Köpfen mehr herausholen», lautete eine Botschaft auf der Jahrestagung der GfK im Messezentrum. Auf der Europa-Karte des Wissenschaftlers grassiert das Fleckfieber. Je mehr Patente eine Region anmeldet, desto dunkler die Farbe. Deutschland gehört zu den Erfolgreichen, zumindest in dieser Hinsicht.
Höhere Produktivität gleicht aus
Das Land könne durch mehr Patente und höhere Produktivität die demografischen Nachteile wettmachen, sagt Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung vor rund 550 Zuhörern. Deutschlands miese Noten indes bei der Geburtenrate fielen ohne Zuwanderung noch schlechter aus. Dagegen haben die Franzosen mit ihrer Familienpolitik der vergangenen Jahrzehnte offenbar vieles richtig gemacht. «Selbst Frankreichs Regionen mit der geringsten Geburtenrate stehen immer noch besser da als die kinderreichsten Regionen in Deutschland», sagt Klingholz.
Bei der Einwohnerzahl werde Frankreich Deutschland im Jahr 2050 wohl überholt haben - wenn auch mit ebenfalls überalterten Strukturen. «Dass die Franzosen dann auch länger im Alter arbeiten werden, wissen sie noch nicht, aber sie werden es schon noch lernen», witzelt der Wissenschaftler.
Länger fit und erwerbsfähig zu bleiben, ist nämlich einer der Erfolgsfaktoren der Volkswirtschaften in Europa, wie das skandinavische Beispiel zeige. Dank einer hohen Erwerbsquote Älterer entstehe stets mehr Arbeit. Auch in dem zweiten Erfolgsfaktor sieht der Berliner Institutsdirektor unter anderem die Nordländer vorn: Je höher die Erwerbsquote der gut qualifizierten Frauen, desto besser die Wettbewerbsposition. Klingholzens Formel lautet: «Jung, schlau, Frau». Diese Komponente fehle besonders Ostdeutschland. Gut ausgebildete Frauen wandern gen Westen aus, so dass den Ostdeutschen über 30 Prozent der jungen Frauen abhanden gekommen sind. Klingholz: «Das ist der größte Mangel. Übrig bleiben schlecht qualifizierte Männer ohne Nachwuchs.» Eberhard Stegner, Geschäftsführer von GfK-Geomarketing, prognostiziert dem Osten zugleich eine schwache Einkommensentwicklung, so dass die Kaufkraft nicht wie in Westdeutschland steigen werde.
In Bildung investieren
Wenngleich also insgesamt die Migranten mit ihrer größeren Kinderzahl in Deutschland lange Jahre das Schrumpfen der Bevölkerung verhindern, sei diese Gruppe problematisch im Hinblick auf ihre überwiegend schlechte Bildung. «Wir müssen die Kinder qualifizieren», sagt Klingholz.
Angela Giese |
| 27.6.2009 |
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