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Jüdisches Filmfestival: Vielfältiger Blick auf Israel

Das Jüdische Filmfestival Berlin macht erstmals in Nürnberg Station
 Jüdisches Filmfestival: Vielfältiger Blick auf Israel
Yishai Orian
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Vor 15 Jahren brachte Nicola Galliner in Berlin das Jüdische Filmfestival auf den Weg. Die Veranstaltung genießt inzwischen großes Renommee und geht jetzt erstmals auf Tour. Nach dem Auftakt in Bern ist das Filmhaus in Nürnberg die erste Station in Deutschland.

Sechs Filme stehen vom 5. bis 8. Juli auf dem Programm. Bis auf Michael Verhoevens «Menschliches Versagen«, der zur Eröffnung am Sonntag um 11 Uhr gezeigt wird (im Beisein des Regisseurs und der Festivalleiterin), stammen alle Filme von jungen israelischen Regisseuren. Sie erzählen vom jüdischen Alltag in Israel («The Beetle«, «Yolki Palki«), von einem Ehepaar in Paris, dessen Leben nach einem Israel-Trip aus den Fugen gerät («Hello Goodbye«, mit Gérard Depardieu und Fanny Ardant), thematisieren den Holocaust (in «God on Trial« steht Gott vor Gericht) und schildern die Annäherung zweier junger Frauen über Glaubensgrenzen hinweg («Arranged«).

Frau Galliner, was war Ihre Intention, als Sie vor 15 Jahren das Jewish Film Festival in Berlin gründeten?

Nicola Galliner: Die gleiche wie heute, da hat sich nicht viel geändert. Wir wollen Filme mit jüdischer Thematik aus aller Welt nach Deutschland bringen und die Vielfalt des jüdischen Lebens zeigen, das Israel hinter den Nachrichten. Fast alle Filme, die wir präsentieren, stammen von jungen Regisseuren und sind Deutschland-Premieren.

Es gibt inzwischen eine ganze Reihe von israelischen Filmen, die auch im Westen Erfolg haben. Meist geht es darin um den Nahostkonflikt oder das fortwährende Trauma des Holocaust.

Galliner: Viele von unseren Filmen haben natürlich auch diese Thematik, aber die Regisseure schaffen immer neue Blickwinkel. Israel ist ein filmverrücktes Land mit einer hyperaktiven Filmszene. Da werden Filme am laufenden Band produziert. Von dieser Vielfalt wollen wir etwas rüberbringen.

Was sind die Hauptthemen der jungen Filmemacher?

Galliner: Ihr eigenes Leben und die alltäglichen Probleme. In «Yolki Palki« etwa geht es um die immense Einwanderung der russischsprechenden Juden in den letzten Jahren. Dahinter stecken wahnsinnig aufregende Lebensgeschichten von Menschen, die ihr Leben völlig ändern mussten. Aber irgendwie werden sie alle integriert. Es ist nicht einfach, aber es funktioniert.

Gibt es eine spezifische israelische Filmsprache.

Galliner: Ich finde nicht. Aber der Dokumentarfilm «The Beetle« über einen jungen Israeli, der seinen geliebten schrottreifen Käfer nach Jordanien fährt, um ihn dort billig reparieren zu lassen, den finde ich doch sehr israelisch. Schon die Art, wie das junge Paar miteinander umgeht, das ist ganz anders als hier (lacht). Das ist ein ganz rührender Film. Der Mann ist absolut besessen von seinem Auto, er verpasst sogar die Geburt des Babies. Das ist aber auch etwas Universelles. Solche Autofreaks gibt es überall auf Welt. Das Außergewöhnliche bei dieser Geschichte ist jedoch, dass es ein Israeli ist, der an dem deutschen Volkswagen einen Narren gefressen hat.

Ist das Festival für die Regisseure auch ein Sprungbrett?

Galliner: Das ist immer noch schwierig. Aber vor einigen Jahren hatten wir Ari Folman zu Gast, der dann mit «Waltz with Bashir« riesigen Erfolg hatte. Bei uns zeigte er «Made in Israel« mit Jürgen Holtz in der Hauptrolle.

Sie fahren zweimal im Jahr nach Israel, um die Filme auszuwählen. Wie haben Sie die Stimmung beim letzten Mal empfunden. Die Wirtschaftskrise ist ja auch dort zu spüren?

Galliner: Sicher, das Leben ist nicht einfach. Aber die Leute haben immer Hoffnung. Wirtschaftliche Sorgen hatte das Land schon immer, aber bedrückender für die Menschen ist der Konflikt mit den Palästinensern, weil er das Leben tagtäglich ganz konkret bedroht.

Es ist das erste Mal, dass das Festival auf Tour geht. Was hat Sie dazu gebracht?

Galliner: Wir haben im Lauf der 15 Jahre immer mehr Anfragen aus anderen Städten bekommen, aber wir konnten uns das nie leisten. Jetzt haben wir einen Mitveranstalter gefunden – das Bündnis für Demokratie und Toleranz –, das die Tour, die auch nach Saarbrücken, Leipzig und Hamburg führt, finanziell mitträgt. Wir haben dafür auch alle Filme deutsch untertitelt, um sie einem größeren Publikum zugänglich zu machen. In Berlin zeigen wir sie nur mit englischen Untertiteln oder im englischen Original. Die deutschen Untertitel sind auch in Israel gemacht worden. Die haben da absolut professionelle Arbeit geleistet. Jeder, der das gesehen hat, staunt, wenn ich sage, die deutschen Untertitel kommen aus Tel Aviv (lacht).

Interview: Regina Urban
4.7.2009
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