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Dalai Lama – umzingelt von Kommerz

Bei den Auftritten des Tibeters geht es nicht nur um Spiritualität
 Dalai Lama – umzingelt von Kommerz
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FRANKFURT/MAIN - In kaum einem Land wird der Dalai Lama noch mehr verehrt als in Deutschland. Unter den Bundes- und Landespolitikern hat das geistliche Oberhaupt der Tibeter zahlreiche Freunde. Doch manche wundern sich über die kommerziellen Auswüchse, die seine Veranstaltungen begleiten.

Es ist eine Veranstaltung zwischen buddhistischer Spiritualität und Kommerz: Gestern begann in Frankfurt eine viertägige Vortragsreihe des Dalai Lama, des geistlichen Oberhaupts der Tibeter. Schon am ersten Tag wollten 7000 Menschen – nach Veranstalterangaben – hören, was der 74 Jahre alte Friedensnobel- preisträger zu sagen hatte. Gegen Bezahlung – die Karten für die Commerzbank-Arena, wo Eintracht Frankfurt normalerweise Erstliga-Fußball spielt, kosteten zwischen 29 und 230 Euro.

Rund 35.000 Karten haben die Veranstalter nach eigener Aussage bereits im Vorverkauf abgesetzt. Das bunte Völkchen aller Altersklassen zwängte sich auf dem Weg vom Haupteingang zum Stadion durch weiße pagodenförmige Zelte, die links und rechts aufgereiht sind. Zu haben ist dort alles, was das buddhistische Herz begehren mag: Räucherstäbchen, Bücher mit Texten Seiner Heiligkeit, Kleidung und Messingschalen genauso wie hölzerne Buddha-Statuen.

Frühlingsrollen aus Vietnam

An den Essständen werden Curry-Reis und Frühlingsrollen angeboten, deren Herkunft als vietnamesisch bezeichnet wird. Gleichwohl gibt es dies auch in fast jedem deutschen China-Lokal. Wegen der chinesischen Besetzung Tibets wäre diese Bezeichnung aber wohl nicht politisch korrekt.

Der Basar mit den rund 80 Buden hat schon zuvor Kritiker auf den Plan gerufen, die von einer «Kommerzialisierung des Buddhismus« sprachen. Die Gesamtkosten der viertägigen Veranstaltung sollen 1,6 Millionen Euro betragen.

Zu der für die Zelte fälligen Standmiete mochte sich ein Händler für asiatische Dekorgegenstände nicht äußern: «Das weiß ich jetzt nicht«. Eine andere Anbieterin asiatischer Kunst wird da konkreter; 1500 Euro müsse sie für die vier Tage zahlen. Zwar weist sie daraufhin, dass es da Unterschiede gebe. Trotzdem kämen bei diesem Betrag und 80 Ständen 120000 Euro zusammen.

Der Veranstalter macht dazu keine Angaben. Es ist aber zu vermuten, dass buddhistische Organisationen, die dort ebenfalls vertreten sind, billiger davonkommen.

«Durchaus im Rahmen«

In der Mittagspause drängen sich die Besucher um die Angebote. Viele sind von weither gekommen und haben außer dem Eintrittsgeld auch noch Unterkunftskosten zu tragen. Eine 59-Jährige berichtet, dass sie seit 20 Jahren praktizierende Buddhistin sei. Sie hat 125 Euro für ihre Eintrittskarte bezahlt und hält den Betrag für «durchaus im Rahmen«.

Eine Niederländerin beschäftigt sich erst seit einem Jahr mit dem Buddhismus, dem in Deutschland nach Schätzungen rund 250000 Menschen anhängen. Sie zeigt sich besonders beeindruckt von dem leicht leiernden Gesang der Mönche.

Diese sitzen links und rechts des auf der Bühne aufgebauten Throns, auf dem der Dalai Lama Platz genommen hat. Im Schneidersitz verkündet er den Menschen in der Halle, dass es in fast allen Religionen darum gehe, einen friedvollen und ausgeglicheneren Geist zu finden. Und er ruft seine Anhänger dazu auf, alle Religionen zu respektieren, auch wenn sie früher mal eine andere gehabt hätten.

Dabei lacht der 74-Jährige in seinen traditionellen rot-orangen Gewändern immer wieder in sich hinein. Wer die Ansprache des Dalai Lama auf Englisch nicht versteht, kann sich draußen einen Kopfhörer für Übersetzungen in fünf Sprachen – darunter vietnamesisch – kaufen. Kostenpunkt: «10 Euro – keine Rückgabe«.

dpa
31.7.2009
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