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Die alljährliche Frühsommer-Hektik im örtlichen Kunstbetrieb ist überstanden. Wer sich jetzt nicht sofort in den Ferienstrudel stürzen muss, hat Gelegenheit, in aller Ruhe ein paar schöne Ausstellungen anzuschauen.
Ein ehemaliger Schüler von Joseph Beuys und ein fränkisches Schlitzohr ist der Zeichner Robert Hartmann, der in der Galerie Röver eine Auswahl seiner humoristisch-erotischen Arbeiten zeigt. Hartmann verrät, was wohl die wenigsten Zeitgenossen spontan vermutet hätten: Franken ist nicht zuletzt in Liebesdingen ein Land höchster kultureller Verfeinerung.
Der Künstler enthüllt raffinierte Praktiken mit Bezeichnung wie «Fürther Flöte», «Nürnberger Selbsterregung», «Bamberger Reiter» oder «Schweinfurter Griff». In einer vorgeblich naiven, bewusst ungelenken Manier kritzelt und krakelt er Bildlein, welche die autochthone Bevölkerung Frankens endlich einmal wirklich «frank und frei» und lebenslustig darstellen. Eben genauso, wie sie ist.
Brigitta Heyduck, seit vier Jahrzehnten eine der tragenden Säulen der regionalen Kunst, ist derzeit in einer Doppelschau zu sehen. Ein Ausstellungsteil ist die Abschiedsvorstellung von Heinz Meiers «Galerie mit der blauen Tür», ein zweiter Teil bildet die Erstpräsentation der Galerie Lutz, welche weitgehend das Konzept der «Galerie mit der blauen Tür» fortsetzen will. In den bisherigen Ausstellungsräumen gibt sich Heyduck bodenständig. An den Wänden hängen Gemälde von Landschaften am Alten Kanal, in dessen Nähe die Künstlerin seit vielen Jahren lebt und arbeitet. In den neuen Räumen der Galerie Lutz wird die Weltreisende Heyduck mit Impressionen aus China, Marokko oder Südfrankreich vorgestellt.
In beiden Fällen überzeugt erneut die stil- und geschmackssichere Machart ihrer Malerei. Obwohl die Motive stets aus der Natur stammen, ist die Darstellungsweise alles andere als naturalistisch. Berge, Wüsten, stille Wasser oder provencalische Lavendelfelder sind keine Abbilder, sondern farbstarke, klar aufgebaute Abstraktionen.
Unter den Freunden des Tango ist der in Berlin lebende Argentinier Sergio Gobi ein echter Star. Er hat verschiedene Bands, für die er Texte schreibt und mit denen er als Sänger und Gitarrist auftritt. Dass er zugleich ein fabelhafter Maler und Grafiker ist, zeigt nun eine Ausstellung in der Galerie Arauco. Wie der Liedtexter, so scheut auch der Maler Gobi den «hohen Ton». Er will die Welt ganz ungeschminkt, nüchtern und sachlich porträtieren.
Fantasievoll ist allerdings die formale Seite seiner Kunst. So etwa bei seinen quasi kartografischen Darstellungen von Städten. Das sind dann dichte Texturen aus verschiedenen individuellen Zeichen, die wie Luftaufnahmen aus großer Höhe oder eben wie Stadtpläne wirken. Dazu kommt ein insgesamt gedämpftes, aber umso feiner abgestuftes Kolorit, das allen hiesigen Lateinamerika-Klischees widerspricht. Ganz uneitel (und ebenfalls ein bisschen altkolorierten Landkarten ähnelnd) sind Gobis Selbstporträts. Eine Entdeckung, unbedingt sehenswert!
Ferner sei noch vermeldet, dass die Kreisgalerie nicht baufällig ist, weshalb in nächster Zeit auch keine größeren Sanierungsarbeiten anstehen. Die zurzeit in den Galerieraum eingezogene Stütz-Konstruktion ist eine Installation des Künstlers Kai Richter mit dem Titel «Stop Gravity». Was frei übersetzt: «Schluss mit der Schwerkraft» heißen könnte. BERND ZACHOW
Galerie Röver, Großweidenmühlstraße 19: Bis 6. September, Sa./So. 14-18 Uhr.
Galerie mit der blauen Tür, Friedrichstraße 34/Galerie Lutz, Meuschelstraße 51: Bis 16. August, Di.-Do. 15-18.30 Uhr, Sa. 11-15 Uhr. Finissage, 16. August, 11-16 Uhr.
Arauco, Trödelmarkt 13: Bis 12. September, Mo.-Mi. 11-13 Uhr, 14-18 Uhr, Do./Fr. 11-13 Uhr, 14-19 Uhr, Sa. 11-16 Uhr.
KreisGalerie, Kartäusergasse 14: Bis 29. August, Mi.-Fr. 14-18 Uhr, Sa. 11-15 Uhr. |