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Anrufen in Post-Filialen unmöglich

Hotline ließ Kundin mit verlorenem Schlüssel im Regen stehen
 Anrufen in Post-Filialen unmöglich
Foto: dpa
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NÜRNBERG - Kein Anschluss unter dieser Nummer: Einzelne Postfilialen sind auch in «Notfällen» für die Kunden telefonisch nicht erreichbar.

Seit ihrer Teilprivatisierung haben sich die Filialen der früheren Bundespost zu wahren Dienstleitungszentren gemausert. Wo man früher nur hinging, um Briefmarken zu kaufen oder Pakete abzugeben, kann man heute ein Girokonto eröffnen, Bausparverträge abschließen, Schreibwaren und Geschenkartikel erwerben - oft auch schicke Handys samt Vertrag. Nur eins kann man in einer Filiale der Deutschen Post heutzutage nicht mehr: anrufen.

Bundesweit einheitliches «Kundentelefon»

Das musste auch Eva Maria Hilt verblüfft feststellen, die an einem Freitag bei einer Einkaufstour ihren Autoschlüssel verloren hatte. Nach viel vergeblichem Suchen und einigem Kopfzerbrechen kam die 61-Jährige schließlich doch darauf, wo ihr der Schlüsselbund abhanden gekommen sein musste: An einem Schalter in der Postfiliale Äußere Bayreuther Straße, wo sie ihn kurz auf dem Tresen abgelegt hatte.

Da ihr die Idee zu spät kam, konnte die Rentnerin dort allerdings erst am Montagmorgen anrufen - genauer gesagt, es versuchen. Denn statt der Rufnummer der Postfiliale fand sie im Telefonbuch lediglich ein bundesweit einheitliches «Kundentelefon» des Gelben Riesen. Als sie dort anrief, um sich zu ihrer Postfiliale durchstellen zu lassen, blieb Eva Maria Hilt die Spucke weg: Man dürfe sie weder dorthin verbinden noch ihr die Durchwahl der Filiale geben, teilte ihr eine Post-Mitarbeiterin lapidar mit.

«Das geht eben nicht»

Selbst auf einen Rückruf durch die Filiale ließ sich die Stimme am Telefon nicht ein. Auf ihre Frage warum, habe sie nur zu hören bekommen: «Das geht eben nicht», berichtet die 61-Jährige. Ihre verzweifelten Erklärungsversuche, dass es sich um einen «Notfall» handle und sie so schnell wie möglich mit einem Mitarbeiter vor Ort sprechen müsse, prallten an der ungerührten Dame in der Telefonzentrale wirkungslos ab. «Ich wollte doch nur, dass jemand nach meinem Schlüssel sieht und ihn vom Tresen nimmt, bevor ihn irgendwer einstecken kann», ärgert sich Eva Maria Hilt.

Doch am Ende blieb ihr nichts anderes übrig, als entnervt aufzulegen und selbst in die Äußere Bayreuther Straße zu fahren. Immerhin: Die Mitarbeiter dort hatten ihren Schlüssel längst entdeckt und sichergestellt. Trotzdem bleibt Eva Maria Hilt unzufrieden: «Es kann doch nicht sein, dass eine Filiale nicht erreichbar ist.» Doch Pressesprecher Erwin Nier bestätigt auf Nachfrage der Nürnberger Nachrichten, dass das sehr wohl so ist: Kunden können einzelne Filialen der Deutschen Post tatsächlich nicht anrufen - weder direkt noch über die Hotline.

Im Normalfall an die jeweilige Filiale weitergeleitet

Das bedeutet laut Nier aber natürlich nicht, dass der Kunde Pech hat, wenn er in einer Postfiliale mal seinen Stift, seine Brille oder seinen Schlüssel vergisst. Die Mitarbeiter in der Zentrale nehmen alle Anliegen der Kunden telefonisch auf und leiten sie im Normalfall an die jeweilige Filiale zur Bearbeitung. Sehr häufig würden zum Beispiel Kunden anrufen, die die verkehrte Adresse auf ein Päckchen schreiben oder etwas anderes falsch gemacht haben und nachsehen lassen, ob die Sendung noch in der Filiale liegt.

Warum das bei Eva Maria Hilt nicht geklappt hat, kann der Pressesprecher zwar nicht erklären, räumt aber ohne Umschweife ein, dass die Mitarbeiterin am Telefon in ihrem Fall «unprofessionell» gehandelt habe: «Für dieses Fehlverhalten», sagt Erwin Nier, «bitten wir die Kundin um Entschuldigung.»

Volkan Altunordu
13.8.2009
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