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07.09.2009
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Spektakel in Taipeh

Vier Gehörlosen-Sportler aus der Region sind dabei
 Spektakel in Taipeh
Foto: Wacker
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Sie sind ein Mitglied der olympischen Familie, bieten sportliche Höchstleistungen - und sind dem breiten Publikum doch weitgehend unbekannt. In Taiwans Hauptstadt Taipeh sind am Samstag die Deaflympics eröffnet worden, die Olympischen Spiele der Gehörlosen. Auch vier Sportler aus der Metropolregion waren bei der spektakulären Zeremonie dabei und kämpfen bis zum 15. September um Medaillen.

TAIPEH - Es war ein bewegender Moment für Fußballerin Julia Müller aus Forchheim-Burk, als sie mit der deutschen Mannschaft in das brodelnde Stadion einlief. «Die Feier war wirklich toll», schwärmt sie und ist sich einig mit Schwimmer Björn Koch vom Gehörlosen-Sportclub Fürth sowie den Handballern Nils Enders-Brenner und Marcus Dölp, die für Fürth beziehungsweise Nürnberg auf Torjagd gehen.

Die Deaflympics – abgeleitet vom englischen Wort «deaf» für taub - sind für die Millionenstadt Taipeh nicht nur das größte internationale Sportereignis aller Zeiten, sie finden auch erstmals in Asien statt. Einen entsprechenden Aufwand treiben die Gastgeber. Während die Nürnberger mit den anderen Sportlern auf den Einzug ins ausverkaufte Stadion warteten, lief drinnen ein Spektakel ab, wie es die Deaflympics in ihrer über 80-jährigen Geschichte noch nicht erlebt hatten. Über zwei Stunden lang wirbelten Tausende Tänzer, Trommler und Artisten durch die immer wieder von Feuerwerk erleuchtete Arena, die wegen ihrer Ähnlichkeit zum Olympiastadion von Peking «kleines Vogelnest» genannt wird.

Klatschen statt Rufen

Als die rund 4000 Sportler aus mehr als 80 Ländern ins Stadion einzogen, winkten viele Zuschauer mit den Händen, statt zu klatschen - die übliche Form des Applauses bei Gehörlosen. Im deutschen Team ist etwa jeder dritte Teilnehmer wie Julia Müller «profund gehörlos», könnte also selbst mit Hörgerät keine Geräusche wahrnehmen. Andere haben noch ein ganz schwaches Hörvermögen. Damit alle unter den gleichen Bedingungen antreten, müssen während der Wettkämpfe die Hörgeräte abgenommen werden. Untereinander können die Sportler aus aller Welt sich ohnehin bestens per Gebärdensprache verständigen. Für Außenstehende ist es ein verblüffender Anblick, wenn Europäer, Asiaten und Afrikaner sich per Gestik und Mimik mühelos kommunizieren.

Obwohl Gehörlose körperlich nicht beeinträchtigt sind, können sie normalerweise nicht die Leistung hörender Spitzensportler erreichen. Das liege zum einen am beeinträchtigten Gleichgewichtssinn, erklärt Sabine Grajewski, die als Sportdirektorin des Deutschen Gehörlosensportverbands in Taipeh ist und mit der Organisation eines so großen Teams alle Hände voll zu tun hat. «Außerdem können Fußball- oder Handballspieler sich nichts zurufen, wenn etwa ein Gegner von hinten kommt. Und Tennisspieler hören nicht, wie der Ball geschlagen wird.» Beim Schwimmen und in der Leichtathletik gibt es Lichtsignale statt einer Startpistole.

Für gehörlose Sportler haben die Deaflympics den gleichen Stellenwert wie die Olympischen Spiele für Hörende. Die Handballer, bei den letzten Spielen 2005 in Melbourne Dritter, hoffen wieder auf eine Medaille. «Dafür müssen wir aber starke Teams wie Serbien oder Kroatien schlagen», sagt Marcus Dölp (22). Er und Nils Enders-Brenner (17) kamen nach der Eröffnungsfeier offenbar gut aus dem Bett: Am Sonntag früh besiegten die deutschen Handballer die Gastgeber aus Taiwan mit 28:25. Die Fußballerinnen mit Julia Müller unterlagen dagegen den USA mit 0:4.Der mehrfache Weltmeister Björn Koch (21) startet am Dienstag auf seiner Paradestrecke 100 Meter Delphin in die Wettbewerbe von Taipeh. Vor vier Jahren hatten die Deutschen insgesamt 38 Medaillen gewonnen. KLAUS BARDENHAGEN
7.9.2009
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