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Betrüger zocken arglose Oktoberfest-Besucher ab |
| Wiesn-Wirte kämpfen gegen den dubiosen Handel mit Reservierungen |
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MÜNCHEN - Riskanter Internet-Schwarzhandel mit begehrten Oktoberfest-Zeltsitzplätzen: Solvente Wiesn-Fans setzen Tausende Euro aufs Spiel, um einen umkämpften Tisch zu bekommen. Nicht selten interessieren sich Staatsanwalt und Polizei für die dubiosen Geschäfte.
Im Hippodrom klickten die Handschellen. Eine Kripo-Beamtin in Zivil und mehrere Mitglieder einer prominenten Münchner Familie fungierten auf der Wiesn 2008 als Lockvögel. Die Mitarbeiterin einer zweifelhaften Vermittlungsagentur hatte zuvor für zwei Tische 8000 Euro kassiert - ohne selbst eine Reservierung für Zeltplätze zu haben. Der Münchner Rechtsanwalt Richard Seifert, Justitiar der Wiesn-Wirte-Vereinigung, legt die kriminellen Praktiken offen: Die Vermittler versuchen in solchen Situationen, Bedienungen mit hohen Summen zu bestechen, damit sie im reservierungsfreien Teil der Zelte schnell Tische zuweisen.
Viele Zelte längst ausgebucht
Gut eine Woche vor dem Start des Oktoberfestes sind viele Wiesn-Zelte längst komplett ausgebucht. Das Armbrustschützenzelt beispielsweise enttäuscht Anrufer mit dieser Bandansage. Auch Senior-Chef Peter Schottenhamel vom gleichnamigen Wiesn-Zelt bedauert, dass die Tische bereits seit sechs Wochen vergeben sind. Ab November werden dort zwei von zehn Plätzen an Nicht-Stammgäste im Windhundverfahren verteilt. Wer zu spät kommt, der muss sich auf den grauen bis schwarzen Markt begeben. 117 Angebote hielt das Internet-Auktionshaus eBay am gestrigen Donnerstag unter dem Stichwort «Oktoberfest Reservierung« bereit.
Kopie des Verzehrbons
Anonym findet sich dort zum Beispiel eine Sechs-Personen-Reservierung einschließlich Drei-Gang-Menü («Zartes vom Spanferkel«) für Samstag, 3. Oktober, zum Sofortkauf-Preis von 880 Euro. Die merkwürdigen Abwicklungsdetails: «Nach Zahlungseingang« werden die Einlassbändchen mit «Verzehrgutscheinskopie« zugeschickt, einschließlich Handy-Nummer, über die ein Treffpunkt vor dem Zelt vereinbart werden soll.
Eindeutige Geschäftsbedingungen
Peter Schottenhamel verweist auf seine unmissverständlichen Geschäftsbedingungen: Reservierungen dürfen ohne seine Erlaubnis nicht weitergegeben, im Internet versteigert oder über Agenturen vermarktet werden. «Neun von zehn Übeltätern finden wir, man tauscht sich auch mit Kollegen aus«, so Wiesn-Wirt Schottenhamel. Die Konsequenz: Die Reservierung verfällt und der Käufer des Verzehrgutscheins bekommt sein Geld zurück - aber natürlich nicht den Fantasie-Auktionspreis für die vermeintliche Platzoption.
Schwarzmarktpreis: 1200 Euro
Im Schottenhamel beispielsweise ist eine reguläre, eigentlich kostenlose Reservierung nur mit dem Kauf eines Bons für ein halbes Hähnchen und zwei Maß Bier verbunden. Nominalwert: 26,50 Euro pro Kopf. Der Chef weiß von Schwarzmarktpreisen von 1200 Euro für einen Tisch.
Die rechtliche Handhabe gegen Schwarzhändler ist beschränkt: Verstöße gegen Geschäftsbedingungen könnten nur konsequent verfolgt werden, wenn Tickets personalisiert und die Ausweise der Besitzer kontrolliert würden. Aber Wirte-Anwalt Seifert winkt ab: «Ganz abgesehen von dem riesigen Aufwand würde das den Volksfestcharakter zerstören.«
Ärger mit der Stadt
Immense Nachfrage, ein begrenztes Angebot von 50000 bis 60000 Plätzen pro Wiesn-Tag: Warum nicht einfach saftige Preiserhöhungen? Peter Schottenhamel ist sich sicher, dass keiner seiner Kollegen ernsthaft daran denkt. Die Stadt München könne den Wiesn-Wirten zwar die Preise nicht vorschreiben, aber die Zulassung zu dem Volksfest werde von der Kommune jährlich neu vergeben. Schottenhamel: «Bei überhöhten Preisen gäbe es Ärger mit der Stadt.«
Wolf-Dietrich Nahr |
| 11.9.2009 |
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