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Gegenwind hat sein Gutes

Initiative «Mütter gegen Atomkraft» will aus Schwarz-Gelb neue Kraft gewinnen
 Gegenwind hat sein Gutes
Foto: Hippel
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Geschockt sei sie vom Wahlsieg für Schwarz-Gelb, sagt Barbara Geier-Häckh von der Nürnberger Initiative «Mütter gegen Atomkraft». Denn mit der neuen Koalition in Berlin rückt der Atomausstieg wohl in weite Ferne. Doch der politische Gegenwind habe auch sein Gutes, meint die 56-Jährige: Er mache die Anti-Atomkraftbewegung nur stärker.

Frau Geier-Häckh, CDU und FDP sind gewählt worden, obwohl sie angekündigt haben, dass sie die Laufzeiten der Atomkraftwerke über 2021 hinaus verlängern wollen. Sind sie enttäuscht von den Wählern?

Barbara Geier-Häckh: Nein. Denn eine aktuelle Umfrage hat gezeigt, dass 57 Prozent der Bevölkerung gegen eine Verlängerung der Laufzeiten ist. Bei den CDU- und FDP-Wählern sind es immerhin 40 Prozent. Bei der Bundestagswahl scheinen für die Menschen nur leider andere Themen wichtiger gewesen zu sein. Die versprochenen Steuererleichterungen etwa.

Vielen scheint ein gefüllter Geldbeutel also wichtiger zu sein als die Energiewende. Sehen Sie nach dem politischen Wandel schwarz für Ihren Kampf gegen Atom- und für Öko-Strom?

Geier-Häckh: Sicher nicht. Mir macht es Mut, dass kurz vor der Wahl 50 000 Menschen in Berlin für den raschen Atomausstieg demonstriert haben. Ich denke, die Zahl der Kernkraftgegner nimmt zu. Auch wir von «Mütter gegen Atomkraft» haben seit der Wahl eine Aktive mehr, die mit der Energiepolitik von Schwarz-Gelb unzufrieden ist.

Sieben Frauen gehören in Nürnberg zu «Mütter gegen Atomkraft» - was können Sie ausrichten gegen die große Politik und die Energiekonzerne?

Geier-Häckh: Wir informieren in Kulturläden und an Infoständen, wie jeder einzelne seinen Atomausstieg praktizieren kann - nämlich mit einem Wechsel zu einem Ökostrom-Anbieter. Das ist ganz leicht und macht im besten Fall Atomstrom irgendwann unverkäuflich. Außerdem engagieren wir uns für die «ständige Vertretung» der deutschen Atomkraftgegner in Berlin, die Druck macht auf CDU und FDP.Und in Nürnberg fordern wir schon lange eine Solar- oder Passivhaussiedlung, erfolglos.

Was sind Ihre Befürchtungen für die Zukunft?

Geier-Häckh: Es ist ja bislang kaum durchschaubar, was CDU und FDP wirklich wollen. Aber es alarmiert mich, dass Atommeiler am Netz bleiben sollen, die schon in der letzten Legislaturperiode abgeschaltet gehört hätten, weil sich die Störfälle häufen. Ich verstehe auch nicht, warum Schwarz-Gelb an dieser Dinosaurier-Technologie festhalten will. Schließlich sind es die erneuerbaren Energien, die bislang 280 000 neue Jobs gebracht haben und durch zügigen Ausbau den Atomstrom ersetzen können.

Was motiviert Sie persönlich, seit 23 Jahren, seit dem Reaktorunfall in Tschernobyl, gegen Atomkraft zu kämpfen?

Geier-Häckh: Allein der Gedanke daran, wie unverantwortlich es ist, AKWs zu betreiben, ohne zu wissen, wohin der Müll soll, treibt mich an. Der Wassereinbruch im Atommüll-Salzstock Asse II ist eine Katastrophe. Umso schlimmer ist es, dass Schwarz-Gelb daran festhält, Endlager in Salzstöcken einzurichten. Es ist das Wissen um all diese Missstände, das mich antreibt, in der Anti-Atom-Arbeit nicht nachzulassen Interview: Ute Möller

www.muettergegenatomkraft.de
14.10.2009
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