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Feudales Vergnügen mit Händel im Stadttheater Fürth |
| «Acis und Galathea« als lustvolle Flucht in Scheinwelten |
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FÜRTH - Das Händeljahr bereitet dem Fürther Theaterpublikum zum Ausklang noch ein ganz feudales Vergnügen. In die Welt des Kabaretts versetzt, wird die Oper «Acis und Galatea« aus dem Jahre 1718 von der 28-jährigen Starnbergerin Nilufar K. Münzing kräftig entstaubt. Die Eigenproduktion des Stadttheaters setzt schon am Beginn der neuen Spielzeit ein Ausrufezeichen.
Die wahre Liebe hat es schwer in einer Gesellschaft, die dem Lustprinzip verpflichtet ist. Das war vor 2000 Jahren nicht viel anders als heute. Deshalb wirkt die Fabel aus Ovids «Metamorphosen« geradezu modern. Dass Händel ausgerechnet den Stoff eines antiken Dichters, der wegen seiner Kritik am Kaiser ans damalige Ende der Welt verbannt wurde, zum dekadenten Maskenspiel für seine aristokratischen Brotherren verarbeitet, gehört zur feinen Ironie der Materie.
Die greift auch Münzing auf, wenn sie dem Publikum heute einen Spiegel vorhalten lässt. Das ganz im Rot-Ton gehaltene Bühnenbild von Christiane Becker korrespondiert mit dem roten Plüschambiente des Fürther Zuschauerraumes. Das Publikum wird raffiniert hineingezogen in die Handlung: Noch während es Platz nimmt, beginnt das Spiel. Barkeeper Acis macht «The Plains« klar für die Gäste. Die Kabarett-Truppe mit seiner Angebeteten, Galatea, tröpfelt herein. Smalltalk – diesseits und jenseits des Orchestergrabens.
Erst als der drahtige Dirigent Kevin John Edusei mit erhobener Schlaghand (wie Kurt Masur ohne Stab) aufs Podest springt und übergangslos die Sinfonia losrasen lässt, wird es ernst. Diva Galatea, in Wirklichkeit eine Meernymphe, wird vom Killer Polyphem (Halbgott der Antike) begehrt. Acis (einfacher Hirte) fordert Polyphem heraus und wird von diesem umgehend ins Jenseits befördert.
Galatea folgt ihrem Geliebten freiwillig in die heile Welt hinter der grausamen Realität. Homogen und flexibel harmoniert das zehnköpfige Orchester mit den neun Sängern. Dabei werden vor allem die feinen Zwischentöne gepflegt, die bei Händel oft untergehen. Große Momente sind es, wenn Stimmen und Instrumente miteinander zu verschmelzen scheinen: ein Verdienst der hellwachen und einfühlsamen Dirigentenleistung.
Unaufdringliche Natürlichkeit
Der norwegische Tenor Fredrik Akselberg verleiht Acis unaufdringliche Natürlichkeit. Dem korrespondiert die von Barbara Emilia Schedel unaffektiert verkörperte Galatea. Für Glanz sorgte Bassist Ulf Bunde als Polyphem – dem Theaterpublikum noch vom Operndoppelabend der letzten Saison: «Die sieben Todsünden« / «Der Kaiser von Atlantis«, in guter Erinnerung. Dämonisch geht Tenor Martin M. Fösel in der unglücklichen Vermittlerrolle des Kabarettbetreibers Damon auf.
Nirgends trägt die Fürther Inszenierung zu dick auf. Das ganz im Ovidschen Sinn verwandlungsfreudige Spiel auf mehreren Ebenen der Drehbühne lässt keinen Leerlauf zu und hält bis zuletzt die Spannung aufrecht. Und der Premierentermin hätte nicht besser gewählt werden können. Denn kaum hat der große Vergnügungspark der Kirchweih die Innenstadt geräumt, setzen «Acis und Galatea« der Vergnügungssucht, der Flucht in Scheinwelten in Fürth ein intelligentes Denkmal. Stürmischer Beifall.
Weitere Vorstellungen: Dienstag, 20. Oktober, 15 Uhr, sowie 11. bis 15. Dezember jeweils 19.30 Uhr. Einführungsgespräche gibt es eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn im oberen Foyer (Karten-Telefon: 0911/ 9742400)
Volker Dittmar |
| 19.10.2009 |
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