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Überleben tief unter der Erde |
| Bunker in der Krebsgasse erinnern an Zeit des atomaren Wettrüstens |
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NÜRNBERG - Aus Anlass des 20. Jahrestags des Mauerfalls, mit dem 1989 der «Kalte Krieg» und das Wettrüsten ein Ende fanden, führt der Förderverein Nürnberger Felsengänge durch den ältesten Atombunker der Stadt. Noch bis Montag, 9. November, kann man die Anlage in der Krebsgasse von 11 bis 20 Uhr für fünf Euro im Halb-Stunden-Takt erkunden.
Abtauchen in eine andere Welt: Während sich in der angrenzenden Breiten Gasse die Einkaufenden in Massen drängen, geht man einsam die Stufen zum «Krebsbunker» hinab. Ein beklemmender Gang durch Schleusen, gepanzerte Türen, verwinkelte Gänge und riesige Schlaf- oder Aufenthaltssäle in zehn Metern Tiefe. Auf zwei Etagen sollten im «Ernstfall» bis zu 2000 Menschen Schutz finden - allerdings höchstens 14 Tage lang. Danach hätten sich die Eingeschlossenen wieder zurück ans Tageslicht in eine möglicherweise stark verstrahlte Umgebung begeben müssen.
Seit drei Jahren hat der Bund als Eigentümer die Zahlungen für die Zivilschutz-Anlagen eingestellt. «Seither vergammelt alles, das ärgert mich so, denn es wurden zig Millionen an Steuergeldern in die unterirdischen Bunker gesteckt», erklärt Walter Herppich, Vorsitzender des Vereins und langjähriger Leiter des Zivilschutzes in Nürnberg. Mit dem Stock deutet der 85-Jährige auf die eng gestellten Liegen, die man zu Sitzen umklappen konnte. Acht Stunden sollten die Menschen hier ruhen, 16 Stunden sitzen - für Spaziergänge ist hier kein Platz. Pro Insassen haben die Planer lediglich einen halben Quadratmeter veranschlagt. Jeweils 50 Personen sollten sich eine Kloschüssel und ein Waschbecken teilen.
Frische Luft durch kühlende Sandfilter
Anschluss ans städtische Energie- und Wassernetz ist gegeben. Für den Fall, dass Nürnbergs Infrastruktur nach einer Bombardierung zerstört gewesen wäre, hat der Krebsbunker außerdem Zugang zu zwei Brunnen - 109 Meter und 25 Meter tief in der Erde. Rund 12.500 Liter Diesel waren in einem Tank eingelagert, um die Notstromaggregate am Laufen zu halten. Sandfilter hätten die durch Brände aufgeheizte Luft abkühlen und reinigen sollen, anschließend wäre die Atemluft durch Aktivkohlefilter nochmals gesäubert worden.
Die Behälter mit Aktivkohle stehen verschlossen und unbenutzt in der Anlage. Hätte man sie installiert, wäre ihre Wirkung längst verpufft. «Die Verantwortlichen gingen von einer etwa dreitägigen Warnphase aus, ehe es zu einem Atomschlag gekommen wäre», erzählt Herppich, «in dieser Zeit hätte man die nötigen Arbeiten erledigen sollen, um die Anlagen funktionsfähig zu machen.»
Zwei Riesentöpfe für 2400 Menschen
In einer Notküche stehen zwei Herde, auf denen man Töpfe mit jeweils 40 Litern Suppe erhitzen könnte. Zwei weitere Doppelkochplatten für Babynahrung stehen zur Verfügung. Jeder Schutzsuchende würde eine Tasse, Löffel, Essnapf, Handtuch, Seife und einen Tragebeutel erhalten - die Vorräte sind teils noch vorhanden. Auch an Babyschnuller und Leichensäcke hat man gedacht. Die Organisatoren versuchten, für alle Eventualitäten eine Lösung zu bieten. Heute sind die Schutzräume ohne Nutzen - Überbleibsel einer Zeit, in welcher der Atomkrieg als ganz reale Gefahr in den Köpfen verankert war.
Hartmut Voigt |
| 29.10.2009 |
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