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Gesellschafter auf Zeit mit im Boot |
| BayBG bietet Mittelstand befristete Minderheitsbeteiligungen |
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NÜRNBERG - Investitionen sind für viele Firmen ein Kraftakt - erst recht in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, in denen sich Banken mit Krediten für innovative und damit per se risikobehaftete Projekte zurückhalten. Eine Alternative, um an Kapital kommen, sind Beteiligungsgesellschaften. Die Nürnberger Bär Industrie-Elektronik GmbH - Spezialistin für Kommunikations- und Messtechnik bei Energieversorgern - ist diesen Weg gegangen.
500.000 Euro sind für einen kleinen Mittelständler viel Holz. Mit dieser Summe ist die Bayerische Beteiligungsgesellschaft (BayBG) vor rund einem Jahr in die Firma von Volker Bär eingestiegen, das Engagement ist auf sieben Jahre ausgelegt. Der Ingenieur, der sich 1987 selbstständig gemacht hat, ist zufrieden mit seinem Minderheitsgesellschafter auf Zeit: «Die BayBG mischt sich bei uns nicht ein, wir können das Geld einsetzen, wie wir wollen. Hauptsache, die Zahlen stimmen«, erklärt der Unternehmer.
Minderheitsbeteiligungen an mittelständischen Firmen sind das klassische Geschäft der BayBG, deren Hauptgesellschafterin die LfA Förderbank Bayern ist. Der Unternehmer bleibt immer «Herr im Haus« – ein Punkt der Mittelständlern extrem wichtig ist.
«Wir suchen Leute«
Auch Volker Bär. Er ist über einen Firmenberater, den ihm seine Bank empfohlen hatte, zur BayBG gekommen. «Wir haben auch andere Beteiligungsgesellschaften geprüft, aber die BayBG hat sich am flexibelsten gezeigt.« Das zusätzliche Kapital steckte Bär in Entwicklungsprojekte, darunter eine neue Software zur Hochpräzisionsmessung von Zählerdaten für die Netzleittechnik bei Versorgern. «Wir können diese Daten nicht nur genau ermitteln, sondern auch schnell für die Lastführung und Abrechnung der Energie bereitstellen«, erklärt Mit-Geschäftsführer Gerhard Dinkel das Besondere an dem System.
Im vergangenen Jahr hat die Nürnberger Firma, die 37 Mitarbeiter beschäftigt, knapp fünf Mio. € Umsatz erzielt. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt, sagt Volker Bär, der früher bei Siemens gearbeitet hat. Der Personalstand soll weiter wachsen: «Wir suchen Ingenieure, die gerne auch im Ausland arbeiten«, erläutert der Firmenchef. Denn 60 Prozent seines Umsatzes erwirtschaftet das Unternehmen außerhalb Deutschlands, unter anderem in Abu Dhabi und den Arabischen Emiraten. «Auch in Indien haben wir einige Anlagen verkauft«, erzählt Bär. Der fränkische Elektronik-Spezialist arbeitet dabei mit Konzernen zusammen, ergänzt deren Anlagen mit seinen Produkten und Lösungen.
Seine Firma sieht der 60-Jährige auf einem guten Weg. «Wir sind auf Expansion ausgerichtet«, unterstreicht der Ingenieur, der sich vorstellen kann, dass sein Unternehmen in zehn Jahren 150 Beschäftigte zählt.
Bei 532 Firmen engagiert
Vielleicht ist dann auch die BayBG noch mit an Bord. Denn die Beteiligungsgesellschaft verlängert auch Engagements. Aktuell hat sie insgesamt 309 Mio. € in 532 Unternehmen investiert, darunter 55 mittelfränkische Firmen und fünf außerhalb Bayerns. Das eingesetzte Kapital pro Unternehmen reicht von 250.000 € bis maximal fünf Mio. €.
Die Wirtschaftskrise spürt auch die BayBG. Laut Geschäftsführer Peter Pauli sind die Anfragen «schon etwas weniger geworden«. Unter dem Strich ist Beteiligungskapital aber gefragt, gerade weil «Banken Forschungs- und Entwicklungsprojekte nicht so gerne finanzieren«. Solche Vorhaben, die ja einen ungewissen Ausgang haben, seien «typische Eigenkapital-Fälle«. Und dieses Eigenkapital bieten Beteiligungsgesellschaften.
In der eigenen Bilanz hat der Konjunktureinbruch Spuren hinterlassen. «Wir werden für das im September abgelaufene Geschäftsjahr viel weniger Gewinn ausweisen«, sagt Pauli und verweist auf «mehr problematische Fälle«. Allein durch Pleiten «sind uns 14 Mio. € ausgefallen« - in normalen Jahren liege diese Summe bei fünf bis sechs Mio. €. «Aber wir sind nun einmal ein Risikokapitalgeber, da bekommen wir eben auch die Risiken ab«, erklärt Pauli.
Volker Bär baut dagegen voll auf neue Geschäftschancen. Auch von der schwarz-gelben Bundesregierung erwartet er sich einiges - zum Beispiel, «dass wieder mehr für den Mittelstand getan wird«, etwa bei der Steuergesetzgebung. Eine Hoffnung von ihm wird allerdings ein Wunschtraum bleiben: «Vielleicht schaffen sie ja die Erbschaftsteuer ab.«
Verena Litz |
| 4.11.2009 |
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