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09.11.2009
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Seemannsgarn lässt den Totenkopf lächeln

Im Theater Pfütze ist die Kinderoper «Kaimarkan und Pappatatschi oder Piraten fluchen nicht« zu sehen
 Seemannsgarn lässt den Totenkopf lächeln
Foto: Olah
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NÜRNBERG - «Große Oper für kleine Leute« heißt eine Serie im Nürnberger Staatstheater. Jüngste Folge ist «Kaimakan oder Pappatatschi« in Zusammenarbeit mit den Theatern Pfütze und Erlangen.

Bevor sich ungehobelte Piratenkapitäne auf Schiffsreise begeben können, müssen sie erst einmal den Hafen erreichen. Davon weiß nun auch Vasilis Tsanaktsidis ein Lied zu singen: Der Bassist steckte noch im Zug als die Premiere hätte bereits anfangen sollen.

Und so konnte die bühnenfüllende Einmast-Barke «Santa Cecilia« erst kräftig verspätet im Theater Pfütze in See stechen. Auch sonst nahm die an Rossinis «Italienerin in Algier« angelehnte Seeräuber-Story relativ schwer Fahrt auf.

Nette Ideen

Das lag weniger an Ulrich Proschkas Regie, die mit einigen netten Ideen und Späßen aufwartete (etwa wenn am Ende der Totenkopf auf der Flagge lächelt) oder an der genretypischen Ausstattung von Christine Knoll, sondern ist stückimmanent.

Wiebke Hetmanek und Johann Casimir Eule haben sich eine Geschichte von dem zum Fluchen verfluchten Kapitän Funny Bone ausgedacht, der durch zwei Schiffbrüchige, darunter die liebreizende Isabella, zivilisierten Schliff erhalten soll, um so wieder für die weibliche Hälfte der Menschheit interessant zu werden. Dass sich an Bord auch noch Isabellas Geliebter Lindoro als Putzmamsell befindet, verkompliziert die Sache theatergerecht. Aber irgendwie bleibt bei den näckischen Frotzel- und Reibereien doch ein wenig das Fluch-Motiv auf der Strecke, trotz dreifach mit dem Publikum wiederholten Aufsagens des Piratenfluchs. So ganz rund und stimmig ist die in Gelsenkirchen erstmals ausprobierte Kinderoper nicht.

Spielfreude der Sänger

Aber was interessieren dramaturgische Feinheiten, wenn man beobachten kann, wie feminin drapiert der wuchtige Bone morgens aus dem Bett steigt, sein Holzbein anschnallt und den Eisenfinger überzieht. Dass das Ganze mit der sturmgepeitschten «Holländer«-Ouvertüre beginnt ist eine feine Spitze: Rossini und Wagner trennen ästhetisch Welten, aber hier im «Kaimakan« werden sie durch das Erlösungsmotiv verbunden.

Die musikalische Bearbeitung strich mehr bei den Arien als bei den Ensembles und tat gut daran. Ein philharmonisches Quintett ließ die Melodien zünden, aber der Charme, der Drive und die Raffinesse des Originals konnte nur partiell aufblühen. Zumal die Sprechszenen sehr lang gerieten.

Dafür lebten die jungen Sänger Spielfreude und Situationskomik aus: Dae-Young Kim (als Piratengehilfe Haly) und Andrew Finden (Taddeo) sind seit kurzem Mitglieder des Opernstudios am Staatstheater. Mit geschmeidigem Tenor agierte Joska Lehtinen. Etwas zu übertrieben konturierte Mandy Patricia Böhm die Isabella. Dass die einzige Frau der einzige echte Mann an Bord war, zeigte sich gerade beim Verbeugen: alles hörte auf ihr Kommando. . .

Weitere Aufführungen: 6. bis 10. Dezember, 7. bis 16. April 2010. Karten: Tel. 0 18 05 / 23 16 00.

j.v.
9.11.2009
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