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Homöopathie ist gefragte Alternative in Afrika |
| Eine Gruppe fränkischer Homöopathen engagierte sich ehrenamtlich in Kenia |
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NÜRNBERG - Die Praxis zusperren und zur ehrenamtlichen Arbeit auf nach Afrika: Eine Gruppe fränkischer Homöopathen hat dies getan, um in einem entlegenen Zipfel Kenias Einheimische in homöopathischer Akuthilfe auszubilden.
«Wir haben uns immer wieder gefragt: Wollen sie unsere Hilfe wirklich?«, berichtet der Nürnberger Helmut Eichenmüller. «Doch sie haben uns mit offenen Armen empfangen und sich ungeheuer für unsere Arbeit interessiert. Das zerstreute unsere Zweifel.«
Start mit homöopathisch ausgebildete deutsche Hebammen
«Ärzte ohne Grenzen« kennt jeder. Dass sie gebraucht werden gerade von den Elendsten dieser Welt, ist ebenso unbestritten. Aber Kügelchen für Afrika?
Seit einem Dutzend Jahren sind «Homöopathen ohne Grenzen« (HOG) in armen und kriegszerstörten Gegenden der Welt aktiv. Nach Lamu, einer kleinen Insel im nördlichen Kenia, kamen vor fünf Jahren zunächst homöopathisch ausgebildete deutsche Hebammen. Sie waren von den traditionellen Hebammen gerufen worden, um sie über Jahre zu lehren, wie dank Kügelchen (Globuli) zum Beispiel Blutungen nach der Geburt gestillt oder die Atmung des Neugeborenen stabilisiert werden kann.
Traditionelle Heiler wollten von den Homöopathen lernen
Die Sterblichkeit bei Mutter und Kind ist hoch, erzählt Projektleiterin Antje Behr. In der Region Lamu, nahe der somalischen Grenze, ist die ärztliche Versorgung katastrophal. Viele Stunden dauert die Fahrt ins nächst gelegene Krankenhaus, für die meisten sind schon die Fahrtkosten nicht erschwinglich.
Dass dank der deutschen Hilfe die Zahl der schweren Geburtsfolgen in Lamu merklich abnahm, verbreitete sich in der Gegend wie ein Lauffeuer, die Bewohner und Verantwortliche aus dem Gesundheitssektor verlangten mehr davon. Auch die traditionellen Heiler wollten an den Erfolg der Hebammen anknüpfen und ebenfalls von den Homöopathen lernen. Ihr Ziel: Das altüberlieferte Wissen von der Heilkraft der Kräuter zu ergänzen um homöopathische Kenntnisse. Dass zugleich die Verdienstmöglichkeiten erweitert werden, ist für die Heiler ein schöner Nebeneffekt.
«Eine tolle Chance, sich sinnvoll zu engagieren«
Folgerichtig tat der Verein HOG den nächsten Schritt und bietet nun eine homöopathische Grundausbildung an, an der neben Hebammen Krankenschwestern, Pharmazeuten, traditionelle Heiler und auch Medizinstudenten teilnehmen.
Was die Helfer aus dem reichen Deutschland antreibt, beschreibt Eichenmüller für sich so: «Ich bin vor Jahren auf den Verein HOG gestoßen und habe mir gesagt, dies ist eine tolle Chance, sich sinnvoll zu engagieren und eine gute Gelegenheit, etwas von meinem eigenen Glück weiterzugeben.«
Lebensfreude trotz bitterer Armut
Die Heilpraktikerin Behr aus Langensendelbach ist selbst halbe Afrikanerin: Geboren und aufgewachsen in Namibia, fühlt sie sich heute bei ihren Einsätzen in Kenia beinahe wie zuhause. Sie liebt die Lebensfreude trotz bitterer Armut, die Begeisterung und Ernsthaftigkeit der Afrikaner beim Lernen. Deshalb folgte sie vor drei Jahren gern dem Hilferuf an HOG.
Aus Patientensicht bietet die Homöopathie eine günstige Alternative zur Schulmedizin: Die Globuli sind spottbillig, sagt Birgit Atzl. Die Nürnbergerin war schon dreimal im Einsatz in Kenia, hat dort den Studenten Grundkenntnisse vermittelt. Arnica bei Verletzungen, Belladonna bei Fieber, Ledum bei bösen Tierbissen. Und sie hat Kranke behandelt: Durchfall, entzündete Wunden, Bronchitis – man stirbt schnell auf dem «vergessenen Kontinent«. Atzl hat vor Ort erfahren: «Da kommt keiner wegen irgendeiner Lappalie. Die Menschen akzeptieren diese ungewohnte Medizin, weil sie sehen, wie schnell sie wirkt und warten dann stundenlang, wenn es sein muss!«
Ziel ist es, sich vor Ort bald wieder überflüssig zu machen
Ob Behandlung oder Unterricht: Die Bedingungen in Kenia sind alles andere als bequem. Im provisorischen Klassenraum übersetzt eine Dolmetscherin die Lektionen. Bei den praktischen Übungen helfen Kärtchen mit Symbolbildern den Schülern, darunter auch Analphabeten, das passende Mittel zu finden. Außerdem galt es die einheimischen Initiatoren davon zu überzeugen, dass sie selbst einen Obolus beisteuern müssen, organisatorisch wie finanziell.
Eichenmüller sagt: «Hinter uns stehen keine Pharmakonzerne. Wir arbeiten mit Spenden und verfolgen keine ökonomischen Zwecke für uns, sondern unser Ziel ist es, uns vor Ort bald wieder überflüssig zu machen.« Sobald eine Grundstruktur steht, wollen sich die Deutschen zurückziehen. So hat es beim Hebammenprojekt funktioniert, so soll es auch beim jüngsten Projekt laufen.
Spenden an: Homöopathen ohne Grenzen e.V. Kto. 879 030 02 11 BLZ: 251 205 10 Bank für Sozialwirtschaft Verwendungszweck: «Kenia-Hilfe«
Die Homöopathen laden für Mittwoch, 25.November um 19.30 Uhr, ein zu einer Informationsveranstaltung über das Kenia-Projekt. Ort: Praxis Birgit Atzl, Schoppershofstr. 14 a, 90489 Nürnberg. Anmeldung erwünscht unter 0911/5441895.
Angela Giese |
| 24.11.2009 |
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