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Nach dem Tsunami schlägt die Wirtschaftskrise zu

Fünf Jahre nach der Todeswelle steht Sri Lanka vor neuen Problemen
 Nach dem Tsunami schlägt die Wirtschaftskrise zu
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NÜRNBERG - Am 26.12.2004 kam der Tod auf Sri Lanka. Allein auf der Tropeninsel starben durch den Tsunami mindestens 31 000 Menschen, in ganz Südostasien mussten fast 230 000 ihr Leben lassen. Weltweit löste die Katastrophe große Hilfsbereitschaft aus, warmer Spendenregen ergoss sich auf die Konten der Hilfsorganisationen. Doch die Tsunami-Opfer geraten in Vergessenheit, zu viel ist seither passiert. Erdbeben weltweit, Überschwemmungen, Dürren.

Wenn Susanne Loos-Jayawickreme gefragt wird, was auf Sri Lanka von den Tsunami-Folgen noch zu sehen ist, muss sie kurz überlegen: «Die Auswirkungen sind für uns zum alltäglichen Bild geworden«, sagt die 54-jährige Deutsche, die seit 16 Jahren auf Sri Lanka lebt. Doch dann beginnt sie doch zu erzählen: von gras-überwucherten Ruinen. Von Menschen, die ihre Familie verloren haben.

Beschäftigte stehen auf der Straße

Loos-Jayawickreme hat auf Sri Lanka gemeinsam mit ihrem Mann Sujith eine Hilfsorganisation aufgebaut, die von Zirndorf (Landkreis Fürth) aus durch den von ihrer Schwester Sabine Spittler gegründeten «Förderverein Sri Lanka Hilfe« unterstützt wird. Und die Arbeit geht der Hilfsorganisation nicht aus. Denn als wären die Tsunami-Folgen nicht schlimm genug, wurde Sri Lanka auch noch von der Weltwirtschaftskrise hart getroffen.

Internationale Konzerne, die auf der Insel produzieren lassen, schlossen ihre Fertigungsstätten. «Die Beschäftigten stehen nun auf der Straße«, erzählt Loos-Jayawickreme. Zusätzlich kommen viele, die sich als Fremdarbeiter im Nahen Osten verdingt hatten, vorzeitig in die Heimat zurück: «Dabei hatten wir schon vorher eine Arbeitslosenquote von 80 Prozent.«

Auch der Tourismus liegt danieder. Hoteliers, die nach dem Tsunami ihre Unterkünfte moderner wiederaufgebaut haben, können wegen ausbleibender Gäste ihre Kredite kaum mehr bedienen. Ihr Personal haben sie auf ein Mindestmaß zurückgefahren, die Zwangsversteigerung droht.

Susanne Loos-Jayawickreme wird trotzdem nicht müde, von ihrer Wahl-Heimat zu schwärmen: von der bezaubernden Natur, den klimatischen Gegensätzen. Vor allem aber von den Menschen. Wenn die gebürtige Sauerländerin von «unseren Kindern« spricht, kehrt ihr strahlendes Lächeln zurück. «Unsere Kinder«, das sind 650 an der Zahl, die die drei Ausbildungszentren der Jayawickreme Stiftung besuchen, hier in den Kindergarten gehen, Englisch büffeln.

Bildung als Weg aus der Armut

Bildung, das ist im ländlichen Weligama im Süden von Sri Lanka, wo die 54-Jährige lebt und arbeitet, ein erster Schritt aus dem Kreislauf von Armut und Tagelöhnerjobs. Eine abgeschlossene Schulausbildung eröffnet den Weg in Unternehmen, Banken und - bei entsprechenden Noten - mit einem Stipendium auch an die Universität. Doch viele können es sich nicht leisten, ihre Kinder bis zum Schluss in der Schule zu lassen. «Auf dem Land verlassen mehr als 60 Prozent zwischen elf und 13 Jahren die Schule.«

Dem versuchen die Jayawickremes mit den drei Bildungszentren gegenzusteuern - mit Erfolg, wie sich zeigt. Beispiel gefällig? Auf Sri Lanka darf ein Kind nur in die Schule, wenn es vorher einen Kindergarten besucht hat. Und wenn es nun gerade ein Zertikat des Jayawickreme-Kindergartens vorweisen kann, muss es nicht in die Dorfschule, sondern darf die bessere im nächstgrößeren Ort besuchen.

Doch die Jayawickreme-Stiftung nimmt sich nicht nur der Kinder an: In einer speziellen Tagesstätte kümmert sie sich um Senioren, sie unterstützt Existenzgründer und hilft Familien (die bislang in Lehmhütten lebten) beim Bau von kleinen Armutshäusern. Bis jetzt konnten 48 umziehen, weitere 600 warten noch.

Mit dem Überleben beschäftigt

Fürchten sich die Menschen auf Sri Lanka heute eigentlich mehr als früher vor den Unbilden der Natur? «Dazu sind sie alle viel zu sehr mit dem täglichen Überleben beschäftigt. Die hören deshalb nicht auf, aufs Meer hinauszufahren oder auf ihre Felder zu gehen«, erzählt die gelernte Journalistin.

Wer überhaupt das Glück hat, noch auf sein Feld gehen zu können. Denn der Klimawandel ist auch auf Sri Lanka bereits deutlich zu spüren: «Es regnet mittlerweile zu Zeiten, in denen sonst die Felder bestellt werden konnten«, sagt Loos-Jayawickreme. Nun schwemmt der Regen das Saatgut davon - Saatgut, für das sich viele Kleinbauern erst von Kredithaien Geld leihen mussten. Immer mehr Plantagen machen deshalb zu.

Es sieht nicht wirklich gut aus, doch Susanne Loos-Jayawickreme sieht das Positive. Die dankbaren alten Menschen, die Kinder, die zum Schuljahresende mit strahlenden Augen singen, tanzen und Theaterstücke aufführen. All das bestärkt sie in ihrem Tun: Denn «die ganze Welt können wir nicht ändern. Aber zumindest hier in Weligama den Menschen helfen«.

Spenden für den Förderverein «Sri Lanka Hilfe - Jayawickreme Foundation« auf das Konto 1809110, bei der Commerzbank Zirndorf, BLZ 76240011.

Katrin Merkel
16.12.2009 19:28 MEZ
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