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Eine besondere Führung durch die Kirche Sankt Jakob |
| Alte Kunst in der Höh’ - Rundgang für Kunstinteressierte |
| Eine besondere Führung durch die Kirche Sankt Jakob |
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NÜRNBERG - Der demutsvoll gesenkte Blick ist in Gotteshäusern angemessen, Kirchenführerin Ursula Prankel will ihn in Sankt Jakob aber gezielt nach oben richten. «Blicket auf - Kunstwerke in der Höh’« heißt ihr neues Programm. Es lohnt sich, den Kopf zu heben.
Die Gefahr ist groß, schon am Marienaltar vorne im Langhaus achtlos vorbeizulaufen. Zum einen erwartet kaum ein Besucher in einer evangelischen Kirche die Mutter Gottes umgeben von Heiligen an zentraler Stelle, zum anderen hängt das Kunstwerk drei bis vier Meter über dem Boden.
Nette Anekdoten aus den oberen Regionen
Ursula Prankel hatte deshalb die lohnende Idee, Kunstinteressierten die oberen Regionen von Sankt Jakob nahezubringen. Sie tut das kenntnisreich und mit netten Anekdoten. Deren Anzahl ist groß, denn Jakob ist eines der ältesten Gotteshäuser Nürnbergs. Die erste Erwähnung reicht in die Anfänge des 13. Jahrhunderts zurück. Maria blieb also bis zur Reformation genug Zeit, sich auf Dauer zu etablieren.
Das ist unter anderem auch weiter vorne zu sehen. Dort schwebt Anna Selbdritt. Das ist keine fränkische Bürgerin, sondern Beiname für die Darstellung Annas mit ihrer jugendlichen Tochter Maria und dem Jesuskind, also so etwas wie ein Mehrgenerationen-Bild. Die Bibel kennt keine Anna, weil nach Ansicht vieler frommer Leute nicht nur Maria selbst unbefleckt empfangen haben soll, sondern sie möglichst auch selbst unbefleckt empfangen wurde. In den Apokryphen, den später nicht in den biblischen Kanon aufgenommen Schriften, taucht Anna aber sehr wohl auf. Sie soll sogar noch zwei weitere Ehemänner gehabt haben.
Frommer Blick unter den Rock
In diesem Fall ist es sogar sinnvoll, dass das heilige Sippenbild weiter oben an der Sandsteinwand angebracht ist. So erkennt man von unten das runde Mondgesicht, auf das Veit Stoß, der schelmische Meister des Werkes, Anna Selbdritt gestellt hat. Wenn man ihr also fromm unter den Rock schaut, sieht man ein pausbäckiges schmunzelndes Gesicht.
Im Chor gehört der Hochaltar aus dem 14. Jahrhundert zu den augenfälligen Sehenswürdigkeiten. Weniger ins Augen sticht oben an der Seite der Marsch der heiligen drei Könige Richtung Maria mit ihrem Kind. Alle sind aus Sandstein gemeißelt. Die Mutter Gottes hält Jesus mit einem Mäntelchen gekleidet in einer eigenwilligen Stellung in der Hand, so als wolle sie ihn präsentieren.
Vorne ist eine ausgefallene Kreuzigungsgruppe zu bewundern. Maria und Johannes stammen aus der Werkstatt von Veit Stoß, das Kreuz mit seiner modernen Christusfigur kam aus Danzig. Von dort kam es erst 1975 nach Sankt Jakob.
Weitere Führungen «Blicket auf« finden in Sankt Jakob jeweils um 14.30 Uhr am 30. Januar, 27. Februar, 27. März sowie am 10. und 24. April statt.
Michael Kasperowitsch |
| 18.1.2010 |
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