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Spezialist für Beleuchtung: Diehl Aerospace

Fluggesellschaften setzen auf ausgefeilte Lichtpsychologie
 Spezialist für Beleuchtung: Diehl Aerospace
Foto: Ilona Hörath
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NÜRNBERG - Beim Fliegen entspannen: Geht es um den Komfort in Flugzeugkabinen, setzen Fluggesellschaften auf ausgefeilte Lichtpsychologie. Ein wichtiger Lieferant ist dabei die Firma Diehl Aerospace in der Donaustraße.

«Die ideale Flugkabine ist vielleicht diejenige, bei der der Fluggast sagt: Ich bin entspannt geflogen und weiß nicht warum«, sagt Dirk-Achim Schevardo. Der Ingenieur in der Abteilung Technisches Marketing bei Diehl Aerospace in Nürnberg kennt die Bedürfnisse der Kunden genau. Die Kunden: das sind die Airlines aus aller Welt. Und diese haben ein Ziel: Die Passagiere an Bord sollen sich während des Fluges wohlfühlen.

«Beim Boarding sollte das Licht angenehm hell sein«

Mit gutem Catering, sauberen Sitzplätzen, einer funktionierenden Klimaanlage oder einer freundlichen Servicecrew ist es dabei längst nicht mehr getan. Eine immer wichtigere Rolle spielt die Kabinenbeleuchtung, denn sie wirkt sich auf die Stimmung des Fluggastes aus. «Der Wettbewerb unter den Herstellern wird in der Kabine entschieden«, sagt Dieter Ebersbach, Standortleiter von Diehl Aerospace Nürnberg. Im Klartext: Fluggäste kaufen bei einer bestimmten Airline ihr Ticket zum Beispiel nicht deshalb, weil die Triebwerke der eingesetzten Maschinen besonders leistungsfähig sind, sondern vor allem weil das Ambiente stimmt.

Das beginnt schon beim Boarding, wenn die Passagiere in den Flieger einsteigen und Eile geboten ist, weil die Airlines die Passagiere möglichst schnell vom Gate zum Sitz bringen wollen. Ist die Kabinenbeleuchtung zum Beispiel zu dunkel, sucht man zu lange nach seinem Sitzplatz. Dies wiederum verursacht einen Stau, der den nachfolgenen Passagieren gehörig auf die Nerven geht und wiederum Stress erzeugt. «Beim Boarding sollte das Licht angenehm hell sein«, sagt Schevardo. «Als Hersteller bieten wir den Airlines an, die Sitzplatzsektionen farbig zu beleuchten«, ergänzt Standortleiter Dieter Ebersbach. So könne jeder Fluggast auf Anhieb erkennen, bis zu welcher «Sektion« er durchlaufen muss.

In der Noris gelten strenge Sicherheitsvorschriften

Diehl Aerospace in Nürnberg ist auf Licht und Beleuchtungssysteme für Flugzeuge spezialisiert. «Wir sind stolz darauf, dass alle großen Flugzeughersteller weltweit mit unserer Beleuchtung ausgestattet sind«, sagt Dieter Ebersbach. Ob Boeing, Fokker, Fairchild Dornier oder Bombardier, ob der nagelneue Airbus A 380, der A 340, die B 787 oder kleine Maschinen: «Wenn Sie in einen Flieger mit über 100 Sitzen einsteigen, kommt die Beleuchtung aus Nürnberg.«

In der Donaustraße produzieren rund 350 Mitarbeiter, davon 30 Prozent Entwickler, zum Beispiel die Systeme für die Notbeleuchtung in Fliegern, so dass Fluggäste im Fall der Fälle wissen, wohin sie laufen müssen. «Wenn die Notbeleuchtung nicht funktioniert, darf der Flieger nicht starten«, erklärt Ebersbach die strengen Sicherheitsvorschriften, nach denen man in der Noris produziert. Die Notbeleuchtungssysteme betragen jedoch nur zehn Prozent der in Nürnberg hergestellten Lichtsysteme. Daneben stellen die Nürnberger auch die Elektronik für Energieversorgungssysteme her, damit sich bei einem Elektronikausfall zum Beispiel trotzdem alle Türen des A380 öffnen.

«Die Farbe blau erzeugt Tiefe und Entfernung«

Den Hauptteil der Aktivitäten stellt aber die Innenbeleuchtung dar, das «Cabin und Moodlighting«. Dazu gehören etwa die Decken- und Seitenbeleuchtung sowie Leseleuchten. Eine Besonderheit ist das Moodlighting, eine bunte Beleuchtung, die der Stimmungsaufhellung dienen soll. Vor allem bei arabischen Fluglinien funkelt dank Moodlighting an der Kabinendecke der First Class und der Business Class ein blauer Sternenhimmel. Auf Wunsch lassen sich dabei auch Sternbilder oder vorbeiziehende Wolken simulieren. Darauf farblich abgestimmt ist die Seitenbeleuchtung. «Die Farbe blau erzeugt Tiefe und Entfernung«, weiß Dirk-Achim Schevardo - die Kabine wirkt dadurch größer.

Die Lichttechnik aus Nürnberg soll aber auch einen 18-Stunden-Flug von New York nach Kuala Lumpur erträglicher machen und den Jetlag ein wenig überlisten. Ebersbach: «Wenn wir Passagiere auf eine neue Zeitzone einstellen, setzen wir in bestimmten Flugphasen bestimmtes Licht ein.« Zum Beispiel zum Essen eine Kerzenlichtstimmung, und nach mehreren Stunden Flug simuliert das Kabinenlicht einen Sonnenaufgang. Ganz überlisten lässt sich der Jetlag allerdings nicht. Aber vielleicht kommt man ein wenig ausgeschlafener an.

In den Produktionhallen an der Donaustraße setzt man auf LED-Systeme: Jedes einzelne Lämpchen kann später im Flieger einzeln angesteuert, überwacht und nachgeregelt werden. Möglichst «gleichförmig« müssten die LED-Lämpchen arbeiten. Die Diehl-LEDs bieten den Kunden dabei die Möglichkeit, alle möglichen Farben und Nuancen einzustellen und zu dimmen. Damit sich der Passagier rundum wohlfühlen kann.

Seit rund 25 Jahren stattet Diehl Aerospace die Airlines aus

Licht als Designelement ist heute ein integraler Bestandteil der Kabinenausstattung. Diehl Aerospace arbeitet deshalb eng mit den Lichtdesignern seiner Kunden zusammen. Wie eine Kabine ausgeleuchtet wird, bestimmt die Kabinenausstattung mit: «Das Licht hängt auch von der Farbe der Sitzstoffe und des Teppichbodens ab«, so Ebersbach. Und von den Vorlieben der Nationen: «Wir Europäer bevorzugen eher wärmere Töne, die Asiaten mögen ein eher bläuliches Licht«, sagt Dirk-Achim Schevardo.

Seit rund 25 Jahren stattet Diehl Aerospace die Airlines aus. «Unser Erfolg hat mit dem Erfolg von Airbus Mitte der achtziger Jahre begonnen«, sagt Ebersbach. Das Beleuchtungsgeschäft löste immer stärker das mit dem Instandsetzen von Elektronikgeräten ab, auf das man sich seit den 70er Jahren konzentriert hatte. Ende der 90er Jahre wurde im Airbus A340-500 etwa das erste farbige Licht installiert. «Der Markt war im Jahr 2009 gigantisch, wird sich jedoch 2011/12 schwächer entwickeln«, sagt Ebersbach voraus. Gegen die starke Konkurrenz – «nur eine Handvoll anderer Hersteller« – fühle man sich gewappnet. «Wir können auf unsere Historie verweisen und sind in Sachen Liefertreue ganz vorn«, betont er.

Ilona Hörath
28.1.2010
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