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Messeteilnehmer schläft lieber im Wohnwagen

Wintercamper profitierten von der Nähe zu den Hallen
 Messeteilnehmer schläft lieber im Wohnwagen
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Foto: Eduard Weigert
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NÜRNBERG - Monate im Voraus ein Zimmer buchen, das tägliche Pendeln zur Messe, satte Parkgebühren - all das spart sich eine kleine Schar von Ausstellern und Besuchern: Sie rücken mit dem Wohnwagen oder Reisemobil an und gehen im Knaus Campingpark vor Anker - näher zur Messe geht’s nicht.

So bullig warm kann es in einem Wohnmobil eigentlich nur im Sommer sein, denkt der überraschte Gast. Doch Harald Niemann hat gut vorgesorgt: Die Propangasflaschen reichen bis weit nach der Messe, der Kühlschrank ist gut bestückt, zum Frühstück gibt’s Brötchen aus einer Backröhre. Neben der Spüle flimmert ein Mini-Fernseher, auf dem Esstisch läuft das Laptop. «Ich war früher auch regelmäßig in Hotels«, erzählt der Produktentwickler. Erst seit er sich mit seiner Familie ein Wohnmobil für Urlaubsreisen angeschafft hat, nutzt er es auch für die Reise zur Spielwarenmesse; billiger ist es ohnehin. «Aber im Winter campen wir sonst nie.« Prompt streikte vor dem Start die Batterie, dann geriet die Fahrt durch das Schneechaos in Norddeutschland zur Geduldsprobe.

Mit Kollegen wird am Abend gekocht

Seit mehr als 20 Jahren kommt Niemann im Februar nach Nürnberg, lange Zeit als Angestellter von Firmen, die elektronische Lernspiele entwickeln, inzwischen als Freiberufler. Da ist die Messe für ihn als Kontaktbörse auf der Suche nach Auftraggebern sogar noch wichtiger geworden. Seine Spezialität ist die sogenannte Lokalisierung. Dabei geht es darum, etwa für den US-Markt entworfene Spiele so umzugestalten und anzupassen, dass sie auch Kinder und Erwachsene in Deutschland ansprechen.

Mit simplen Übersetzungen ist es da nicht getan; das Spektrum reicht von unterschiedlich strukturierten Tastaturen bis zur Berücksichtigung kultureller Prägungen. Apropos Gewohnheit und Verwurzelung: Eine Packung Licher Bier hat sich der gebürtige Hesse, den es an die Elbe verschlagen hat, unterwegs schon aus symbolischer Verbundenheit zur alten Heimat besorgt. Und kann damit auch einem Kollegen etwas bieten, der sich für den Abend zum Besuch angemeldet. «Wir haben schon letztes Jahr hier zusammen etwas gekocht und einen lustigen Abend verbracht. Das wollen wir unbedingt wiederholen.«

Besonders abgehärtet

Muss, wer hier übernachtet, besonders abgehärtet sein? Keineswegs, versichern auch Gertrud und Erich Tischlinger. Nur wer WC und Duschen auf dem Platz den engen Sanitäreinrichtungen im eigenen Wagen vorzieht, muss sich für die paar Schritte warm anziehen. Die Großhändler sind’s gewohnt – sie fahren mit ihrem Wohnmobil auch zum Winterurlaub in die Berge. Den Ausschlag gibt für sie, dass sie ihre beiden Hunde mitbringen können. «Und tagsüber können wir so auch schnell mal eine Pause einlegen.« Dabei vermitteln die vielen Bäume und der Schnee ringsum fast die Illusion von Abgeschiedenheit in stiller Natur. Doch aus wenigen Hundert Metern leuchten die gläsernen Messehallen herüber.

Rund ein Drittel ihrer 150 Stellplätze seien während der Spielwarenmesse belegt, berichten Evelyn und Wolfgang Rehn, die den ganzjährig geöffneten Platz seit knapp einem Jahr verwalten. Auch zur «Freizeit, Garten und Touristik« erwarten sie demnächst zahlreiche Wintercamper. Die fest installierten Wohnwagen sind schon ausgebucht. Als Extra-Service bietet das Paar derzeit abends sogar eine warme Mahlzeit in ihrem Bistro an, das sonst nur im Sommer geöffnet ist. Ausgeschöpft wird die Platzkapazität regelmäßig dreimal im Jahr: bei «Rock im Park«, dem Norisringrennen und dem Sommerkongress der Zeugen Jehovas im Stadion.

Wolfgang Heilig-Achneck
8.2.2010
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