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Impfvorräte für Kinder teilweise aufgebraucht |
| Kinderärzte müssen improvisieren - Mediziner warnen vor Panikmache |
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NÜRNBERG - Wer sein Kind in der Praxis von Ingrid Hiller gegen die Schweinegrippe impfen lassen will, hat gute Karten. «Von dem Impfstoff haben wir genug eingelagert», sagt sie. Nur dass danach kaum jemand fragt, wie die Medizinerin erklärt und damit gleich noch ein Dilemma beschreibt, das in diesen Tagen Kinderärzte im ganzen Land umtreibt.
Mit Blick auf die Pandemiegefahr hat der Pharmakonzern GlaxoSmithKline (GSK) in den letzten Monaten offenbar der Produktion des Schweinegrippe-Impfstoffs den Vorrang gegeben, weshalb es jetzt zu einem Engpass bei der Lieferung eines wichtigen Vierfachimpfstoffs gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken kommt. Gleichzeitig fehlt in den Praxen ein Sechsfachimpfstoff des Unternehmens gegen Diphtherie, Wundstarrkrampf, Kinderlähmung, Keuchhusten, HiB-Infektion und Hepatitis B. Nach Konzernangaben haben hier Qualitätsprobleme die Auslieferung verzögert. Dieser Impfstoff wird Babys ab der achten Lebenswoche verabreicht. Alternativprodukte anderer Hersteller gibt es zwar, wobei die beliebten Vierfach- und Sechsfach-Vakzine nach eigenen Angaben nur von GSK auf dem Markt sind.
Frühzeitig eingedeckt
Während Hiller noch ein paar Dosen übrig hat, weil sie sich frühzeitig bei mehreren Apotheken eingedeckt hat, sind in anderen Praxen die Vorräte bereits aufgebraucht. «Bei uns ist der Sechsfachimpfstoff nicht mehr verfügbar, und wir wissen auch noch nicht genau, wann wir ihn wieder bekommen», so die Nürnberger Kinderärztin Ulrike Kreuels. Dasselbe Bild auch bei Denis Gebhard: «Bei uns sind die Vorräte auch aufgebraucht.» Einen Grund zur übertriebenen Aufregung sieht aber dennoch niemand. Stattdessen würde aktuell auf einen Fünffach-Impfstoff zurückgegriffen und die Immunisierung gegen Hepatitis B auf Wunsch zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt. Das sei dann eben «ein Piks» mehr. «Wir besprechen das mit den Eltern, und in der Regel ist das kein Problem», so Kreuels. «Die Eltern sind entspannt», bestätigt Gebhard.
Entschärft sich die Situation?
Auch der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek, warnte in einer Erklärung vor Panik: «Es besteht bei dem derzeitigen Lieferengpass eines Herstellers kein Grund zur Besorgnis. Informationen zur Verfügbarkeit einiger Alternativprodukte werden auf der Homepage des Bundesinstituts fortlaufend aktualisiert. Die Bundesregierung setzt nach diesen Angaben darauf, dass die Unannehmlichkeiten für Ärzte, Eltern und Kinder rasch entschärft werden. Tatsächlich sollen laut GSK zumindest 200.000 Dosen des Sechsfachimpfstoffs ab kommender Woche ausgeliefert werden, was in etwa einem Monatsbedarf entspricht.
Die Deutsche Kinderhilfe fordert angesichts der Situation dennoch Reformen von der Bundesregierung. «Die Prioritäten in diesem Bereich wurden falsch gesetzt. Die Regierung hat dafür zu sorgen, dass die Produktion der Impfstoffe auf Vorrat von den Herstellern garantiert wird. Ferner ist es Aufgabe der Regierung, die Öffentlichkeit hinsichtlich dieser lebensrettenden präventiven Maßnahme zu sensibilisieren», erklärte die Vorstandssprecherin der Organisation, Julia Gliszewska.
Recht auf bestmögliche Versorgung
Auch der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Wolfram Hartmann, sieht die Politik in der Pflicht, um eine flächendeckende Versorgung sicherzustellen: «Kinder haben ein Recht auf bestmögliche Gesundheitsversorgung, und dazu zählen alle wichtigen Impfungen.» Das müsse die Politik sicherstellen, statt der Pharmaindustrie das Feld allein zu überlassen.
Glaxo habe sich zugunsten des wirtschaftlichen Profits für die Produktion des Schweinegrippe-Impfstoffes Pandemrix entschieden und dabei wohl die Kinder vergessen, kritisiert Hartmann. 2009 hatte er sich allerdings selber noch für die schnelle Produktion von ausreichend Impfstoff eingesetzt.
Arno Stoffels |
| 9.2.2010 |
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