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"Du bist ein Lügner" - Bürgermeister beschimpft

Hinter der Fassade: Brief eines Ex-Stadrates sorgt in Gräfenberg für Wirbel
 "Du bist ein Lügner" - Bürgermeister beschimpft
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GRÄFENBERG - Die Zeit der regelmäßigen Neonazi-Aufmärsche in Gräfenberg ist vorbei. Aber der Ort kommt nicht zur Ruhe: Auf (partei-)politischer Ebene entbrennt ein Streit um die Rechtsextremisten - zum Teil auf niedrigstem Niveau.

«Ich bin erschüttert.» Dem sonst wortgewandten Bürgermeister Werner Wolf bleibt zunächst fast die Sprache weg, wenn man ihn auf einen Brief anspricht, dem ihm Georg Rammensee geschickt hat - jener Kommunalpolitiker, der vor kurzem mit zwei Kollegen der CSU-Fraktion sein Stadtratsmandat niedergelegt hat. Ihr Vorwurf: Wolf habe durch Versäumnisse der Stadt Gräfenberg geschadet.

Nun legt Rammensee nach: In einem Schreiben an den «sehr geehrten Herrn Wolf» heißt es nach etlichen Beschimpfungen unter anderem zum Ende der Aufmärsche: «Du bist doch ein «Lügner», wenn Du behauptest, Du und das Bündnis hätten es geschafft, diese Veranstaltungen der Rechten in Gräfenberg zu beenden. Richtig ist, sie werden Dich und den Herrn/die Dame aus Weißenohe nach wie vor zu gegebener Zeit und zu gegebenen Anlässen in Gräfenberg bzw. Weißenohe besuchen. Das kannst Du schriftlich haben.»

Die Dame und der Herr sind die Sprecherin des Bürgerforums Gräfenberg, Karin Bernhart, und ihr früherer Kollege Michael Helmbrecht, die beide im benachbarten Weißenohe wohnen. Tatsächlich hat Rammensee ein entsprechendes Schreiben der NPD, mit der er offenbar gut kann. Es ist das Ergebnis seiner Verhandlungen mit den Rechtsextremisten, die im letzten Frühherbst begannen.

Neonazis als Gesprächspartner?

Damals suchten die Neonazis noch einmal monatlich Gräfenberg heim, angeblich, um sich freien Zugang zum Kriegerdenkmal zu erzwingen. Aus den Reihen des Bürgerforums und der Bevölkerung kam der Vorschlag, den martialischen Bau zu einem Friedensmahnmal umzugestalten, auch, um ihn für Neonazis unattraktiv zu machen. Rammensee nannte das unserer Zeitung gegenüber einen «kranken Gedanken kranker Hirne».
Er regte an, mit den Rechtsextremisten über ein Ende der Aufmärsche zu verhandeln. Bürgermeister Wolf, andere Parteien und das Bürgerforum lehnten es ab, Neonazis als Gesprächspartner zu akzeptieren.

Daraufhin wurde Rammensee aktiv. Einmal habe er sich mit vier, dann mit fünf maßgeblichen Vertretern der regionalen Rechtsextremisten-Szene zusammengesetzt. Er bezeichnet sie als «vernünftige Gesprächspartner". Bei dieser Gelegenheit, aber auch bei ihrem letzten Aufmarsch Ende September in Gräfenberg und auf ihren Internet-Seiten, kündigten die Neonazis zugleich an, das sei kein Ende der Kampfansage. Sie würden vielmehr gezielt «zu gegebenen Anlässen» die Wortführer ihrer Gegner heimsuchen.

Erneut bedroht

Durch das jüngste Schreiben sehen sich Wolf, Bernhart und Helmbrecht erneut bedroht und haben bereits Anzeige erstattet. Sie können zudem für sich in Anspruch nehmen, dass es dem permanenten und fantasievollen Widerstand - der bundesweit und international als beispielhaft galt und mehrfach ausgezeichnet wurde - zu verdanken ist, dass die Neonazis zermürbt wurden und Wege suchten, sich ohne Gesichtsverlust zurückzuziehen. Das habe ihnen schließlich Rammensee durch seine eigenwillige Initiative möglich gemacht.

Bürgermeister Wolf nimmt es Rammensee besonders übel, dass er erst jetzt, nachdem er sein Mandat niedergelegt hatte, an die Öffentlichkeit geht. Und ihm wird mulmig, wenn er daran denkt, dass es in den Reihen des Stadtrats möglicherweise einen «Maulwurf» gegeben habe.

Rammensee wollte seine Stellungnahme auch als Anzeige im Amtsblatt veröffentlichen. Das wurde wegen des diffamierenden Inhalts abgelehnt. Der Ex-Stadtrat will es dafür als Postwurfsendung in Gräfenberg verteilen. Für diesen Fall droht der Bürgermeister mit einer erneuten Anzeige.

Herbert Fuehr
10.2.2010 12:06 MEZ
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