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Kommt ein Melderegister für Samtpfoten? |
| Ein neues Verfahren soll die Kastrationspflicht überprüfen |
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NÜRNBERG - Katzen kennen kein Demografie-Problem: Zweimal im Jahr gibt es Nachwuchs, und zwar nicht zu knapp. Viele Kätzchen werden dann einfach ausgesetzt oder landen im bereits überfüllten Tierheim. Kann eine Kastrationspflicht für freilaufende Kater Abhilfe bringen? Mit dieser Frage müssen sich nächste Woche die Mitglieder des Umweltausschusses befassen.
Den Stein ins Rollen gebracht hat die Tierrechtsorganisation Peta. Unter der Überschrift «Wir suchen die katzenfreundlichste Fraktion« hat der Verein in bundesweit 120 Kommunen sämtliche Fraktionen angeschrieben und um die Verabschiedung eines Kastrationsgebots für Katzen gebeten.
Klare Antwort
In Nürnberg hat die Ausschussgemeinschaft «Die Bunten« mit FDP, Freien Wählern und ÖDP die Idee aufgegriffen und als Anfrage an die Verwaltung gerichtet. Als Beispiel wird Paderborn angeführt, wo 2009 eine entsprechende Verordnung erlassen wurde.
Die Antwort der Verwaltung fällt knapp und eindeutig aus: In der Stadt gebe es keine nennenswerte Population wilder Katzen. Von diesen «Streunern« ginge keine Gesundheitsgefahr aus, im Stadtgebiet sei seit geraumer Zeit kein einziger Fall von Wildtollwut aufgetreten. Eine Kastrationspflicht für Kater hält das Umweltamt deshalb fachlich für nicht erforderlich. Zudem bestehen rechtliche Bedenken gegen die Regelung der Stadt Paderborn.
Bislang gingen Katzenbesitzer straffrei aus
Diese juristischen Vorbehalte lassen Karl-Heinz Borchmeier vom Ordnungsamt Paderborn schmunzeln. «Wir meinen, dass unsere Regelung rechtlich fundiert ist. Aber wir hatten uns auch auf eine Welle der Empörung eingestellt und damit gerechnet, dass Tierhalter sich juristisch wehren«, berichtet er. Aber das Gegenteil sei eingetreten. «Wir haben überall Zustimmung bekommen und sind von den Bürgern gelobt worden, dass dieses Thema endlich angepackt wird.«
Wenn Mitarbeiter des Ordnungsamtes Hinweise auf freilaufende Katzen bekommen, würden sie die Halter besuchen. Und mit dem Hinweis auf die Kastrationspflicht meist auf Verständnis stoßen. «Die Leute sagen uns, dass sie über den ungewollten Katzennachwuchs noch gar nicht richtig nachgedacht haben«, erklärt Borchmeier. Strafen wurden bisher nicht verhängt, Paderborn setzt zunächst auf Aufklärung.
Chip gibt Aufschluss
Auch Marcus König, Geschäftsführer des Tierschutzvereins und CSU-Stadtrat, befürwortet eine Kastrationspflicht und möchte sie auch umgesetzt wissen, «wenn es machbar ist«. Das Tierheim an der Stadenstraße - dort werden alle Katzen-Neuankömmlinge sofort kastriert - hatte wegen Überfüllung schon mehrfach einen Aufnahmestopp für Miezen verhängen müssen. König kann sich eine Registrierung aller Katzen in der Stadt ähnlich wie bei der Hundehaltung vorstellen. «In einem implantierten Chip könnten der Tierhalter und die erfolgte Kastration vermerkt sein«, meint König.
Gerald Raschke von der SPD hält solche Forderungen dagegen für «weit überzogen«. Von Amts wegen sei eine Kastrationspflicht nicht nötig, also müsse nicht zusätzlicher bürokratischer Aufwand betrieben werden.
100 Euro für ein entspanntes Katzenleben
Tierärzte haben Zweifel an einer praktikablen Umsetzung, lehnen aber eine Kastrationspflicht nicht ab. «Ohne Not sollte man einem Tier kein Leid zufügen, und eine Kastration ist natürlich ein Eingriff, der mit Risiko verbunden ist«, meint Peter Schieber, Vorsitzender des Tierärztlichen Bezirksverbandes Mittelfranken. Aber um dem ungewollten Katzennachwuchs Herr zu werden, hält er eine solche Verpflichtung für sinnvoll. Allerdings sei das Problem auf dem Land weit größer als in der Stadt.
Gudrun Hagmayer, Tierärztin in Nürnberg, kennt aus eigener Erfahrung keine großen Probleme mit verwilderten Katzen im Stadtgebiet. Aber sie weist darauf hin, dass ein Kater kilometerweit läuft, wenn er paarungsbereiten Katzendamen auf der Spur ist. Dabei sorgt er nicht nur für jede Menge Nachwuchs, er kann auch verunglücken oder nicht mehr zurückfinden. «Diese weiten Revierausflüge lässt er bleiben, wenn er kastriert ist«, meint Hagmayer. Kastration und Chip schlagen mit etwa 100 Euro pro Kater zu Buche.
Karin Winkler |
| 18.2.2010 |
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