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Songs über die wesentlichen Dinge des Lebens

Dan Reeder ist mit «This New Century» ein echtes Meisterwerk gelungen
 Songs über die wesentlichen Dinge des Lebens
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NÜRNBERG - Aller guten Dinge sind drei: Der in Nürnberg lebende Künstler Dan Reeder (55) hat sein drittes Album veröffentlicht: «This New Century» ist wieder ein wunderbarer Volltreffer. Jede Stadt hat ihre geheimen Seiten. Dan Reeder ist eines der am besten gehüteten Geheimnisse in Nürnberg. Bei einer weltweit verstreuten Fangemeinde aber erfreut sich der spätberufene Singer/Songwriter wachsender Beliebtheit. Kein Wunder, denn seine Songs machen glücklich.

Der Mann mit der Baseball-Kappe verkörpert so ziemlich das Gegenteil der heute so erfolgreich geklonten Popstars und hätte bei «Deutschland sucht den Superstar« nicht die geringste Chance. Er ist nicht mehr der Jüngste, aber ein Original. Seine Songs berühren, weil sie echt und ehrlich sind. Von ihnen kann man lernen, dass Musik mehr sein kann als ein Hintergrundgeräusch, nämlich Seelentrost und Lebensmittel.

Vom Metzger zum erfolgreichen Musiker

Dan Reeder ist ein Selfmademan im wahrsten Sinne: Der scheue Pfarrerssohn, der in Kalifornien aufwuchs, arbeitete zunächst als Metzger und Anstreicher, bevor er die Bildende Kunst für sich entdeckte. In Nürnberg landete er vor Jahren der Liebe wegen und fand im Umfeld der Künstlerkneipe «Gregor Samsa» seine zweite Heimat. Seine humorvollen Gedankenbilder, die oft an Cartoons erinnern und kleine Geschichten erzählen, haben ihn in der Szene etabliert.

Die Musik war lange ein Privatvergnügen von Dan Reeder, der schon als Kind mit seinen Geschwistern mehrstimmig sang. Dass er mit seinen eigenen Songs einmal auf offene Ohren stoßen würde, hat er nie geglaubt. Alles machte er am Anfang selbst: Er bastelte Verstärker aus Keksdosen, baute skurrile Instrumente, schrieb Texte und Melodien, nahm alles im eigenen Atelier auf und gestaltet sogar das CD-Cover selbst.

Dan Reeder war ein musikalischer Spätzünder

Sein Debütalbum schickte er 2004 an den verehrten Nashville-Musiker und Produzenten John Prine – und der war auf Anhieb begeistert. Er bot dem musikalischen Spätzünder aus Germany einen Plattenvertrag mit seinem Label «Oh Boy Records» an und nahm ihn sogar mit auf USA-Tournee. Im April folgt die Fortsetzung. Für den schüchternen Studiobastler Dan Reeder, der nicht gerne vor größerem Publikum auftritt, ein echtes Problem.

Das dritte Album, gesteht er, war ein schwerer Brocken für ihn. Nach der Unbeschwertheit des Debüts und dem Erwartungsdruck bei der zweiten CD bedeutete «This New Century» eine künstlerische Reifeprüfung. Reeder hat sie mit Bravour bestanden. Er spielt nicht länger den Kasper, sondern beschäftigt sich auf hintersinnige, heiter-gelassene Art mit dem Leben, der Liebe und dem Tod.

In der Tradition verwurzelt

Es sind 20 genial einfache Songs zur Gitarre, die er wieder ganz allein aufgenommen hat. Sie sind tief in der amerikanischen Tradition, in Folk, Blues und Bluegrass verwurzelt und wirken wie aus einer anderen Zeit. Sie klingen wahrhaftig und authentisch, wie man es kaum noch gewöhnt ist. So simpel wie Kinderlieder, so trostreich wie Kirchenmusik. Wer von dieser warmen, brüchigen Stimme, der man die Lebenserfahrung anhört, nicht berührt wird, muss einen Stein in der Brust haben.

Zum Glück wird der ruhige Rufer in der Klangwüste hier und da erhört: Auch das dritte Album erntet bei der Musikkritik vom New Yorker bis zur Süddeutschen Zeitung einhellige Zustimmung. In der Tat ist Dan Reeder ein kleines, unprätentiöses Meisterwerk gelungen. Wer es entdeckt hat, wird es nicht mehr missen wollen.

Steffen Radlmaier
20.2.2010
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