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Nazi-OB empfahl dem Führer Nürnberg als Bühne |
| Willy Liebel wurde ohne die damals übliche Qualifikation ins Amt gehoben |
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NÜRNBERG - Den wenig schmeichelhaften Beinamen «Hitlers liebster Oberbürgermeister» handelte sich Willy Liebel in den Jahren 1933 bis 1945 als Stadtoberhaupt von Nürnberg ein. Mit ihm und seiner Amtsführung beschäftigt sich Matthias Klaus Braun gerade für seine Doktorarbeit am Institut für Neuere Geschichte der Uni Erlangen-Nürnberg. Erste Ergebnisse stellte er einer ungewöhnlich großen Schar von Interessenten beim «Verein für Geschichte der Stadt Nürnberg» vor.
«Ohne ihn wäre die Stadt heute eine andere», stellt Braun zusammenfassend fest. Zum problematischen Erbe gehört, dass Liebel Nürnberg besonders als Schauplatz der Reichsparteitage empfohlen hatte, was die Stadt weit über Deutschland hinaus bekanntmachte. Vielleicht wäre sie sonst auch nicht dem Erdboden gleichgemacht worden. «Liebel hat erreicht, dass Nürnberg im Dritten Reich eine exponierte Stellung hatte - deshalb stand es später auch bei den Bombenangriffen der Alliierten besonders im Fokus», sagt Braun. Das Stigma trägt die Stadt bis heute.
Kein Schulabschluss
Liebel hatte die Schule ohne Abschluss verlassen; Zeitzeugen sagen ihm eine «von Haus aus brutale Natur» nach. «Unter normalen Umständen wäre er wohl nie Oberbürgermeister geworden», betont Braun. Schon weil Liebel die juristische Ausbildung fehlte, die damals als Voraussetzung für den Posten noch üblich war. «Die Nationalsozialisten haben ihn bei seiner Karriere maßgeblich unterstützt», stellte die Hauptspruchkammer München 1951 bei der Aufarbeitung des Zweiten Weltkrieges fest. Insbesondere als Liebel schon auf dem OB-Stuhl saß, soll er «unter dem Schutz Hitlers gestanden haben».
Dass er aus einer «gutbürgerlichen Nürnberger Familie» stammte, habe ihm, so Braun, den Weg an die Stadtspitze erleichtert: Sein Großvater Friedrich Monninger hatte die Nürnberger Stadtzeitung gegründet, sein Vater Stefan Liebel führte den Zeitungsverlag mit Buchdruckerei weiter. Mitte der 20er Jahre begann das Unternehmen bereits rechtsradikale und antisemitische Flugblätter zu drucken. Willy Liebel verbrachte seine Lehrzeit in der väterlichen Druckerei und übernahm sie 1926.
In Hitlers Sinn gehandelt
Ein Jahr zuvor war Liebel Mitglied der NSDAP geworden, 1929 zog er als Mandatsträger für diese in den Stadtrat ein. Unterstützung seitens der Nazi-Partei erfuhr Liebel damals, weil die Funktionäre hofften, dass er «als Besitzer eines alteingesessenen Betriebes die mittelständischen Wähler ansprechen würde», erklärt Braun.
Nach der Machtergreifung Hitlers 1933 enthob die NSDAP den demokratisch gewählten Oberbürgermeister Hermann Luppe seines Amtes und setzte Willy Liebel an dessen Stelle. Mit seinen organisatorischen Fähigkeiten lenkte Liebel die Geschicke der Stadt von nun an in Hitlers Sinn, geriet dabei allerdings immer wieder mit NS–Gauleiter Julius Streicher in heftigen Disput - bis er sogar dessen Absetzung erreichte. Fraglos beteiligte sich Liebel an der systematischen Ausgrenzung und Ermordung jüdischer Mitbürger; als Mitglied im Beirat der Deutschen Reichsbahn dürfte er auch «genaueste Kenntnisse über die Deportationen» gehabt haben, denkt Braun.
Christkindlesmarkt auf den Hauptmarkt verlegt
Dem Ausbau des Parteitagsgeländes opferte Liebel bereitwillig den früheren Tierpark; dafür brachte ihm das gigantische Projekt auf Dauer einen kurzen Draht zu Hitler ein. Damit die Reichsparteitage vor großartiger Kulisse stattfinden konnten, trieb Liebel die Altstadtsanierung voran. Um das Erscheinungsbild als Hort deutscher Tradition zu stärken, ließ er unter anderem auch den Christkindlesmarkt auf den Hauptmarkt verlegen.
Weniger beliebt machte sich Liebel bei strammen Ideologen mit seinem pragmatischen Festhalten an zahlreichen städtischen Angestellten, die vor 1933 auf der Seite der Demokraten gestanden hatten. Auf deren Fachkompetenz und Erfahrung konnte und wollte er indes nicht verzichten (soweit sie nicht jüdischer Abstammung oder Mitglied der Kommunistischen Partei waren). Allerdings mussten sie wenigstens pro forma der NSDAP beitreten. So setzte Liebel zum Beispiel einen ehemaligen sozialdemokratischen Baureferenten wieder auf seinen Posten, damit die Bauten am Reichsparteitagsgelände rascher vorangingen.
Von Intrigen zermürbt
1942 wurde Willy Liebel als Leiter des Zentralamtes im Rüstungsministerium nach Berlin berufen, behielt aber sein OB-Amt offiziell bei. Von Intrigen zermürbt, kehrte er 1945 ins bereits zu großen Teilen zerbombte Nürnberg zurück. Die These, er sei im Palmenbunker in den letzten Kriegstagen ermordet worden, hält Braun für nicht belegbar; wahrscheinlicher sei ein Freitod aus Verzweiflung über sein Schicksal und das künftige Los der Stadt.
Daniela Ramsauer |
| 6.3.2010 |
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