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«Eine wachsende Bewegung von Unzufriedenen» |
| 500 Teilnehmer demonstrieren gegen Sozialabbau und Kapitalismus |
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NÜRNBERG - Rund 500 Demonstranten haben bei einer Kundgebung vor der Lorenzkirche und mit einem Zug durch die Innenstadt gegen Sozialabbau und den Kapitalismus protestiert. Zum Abschluss «umzingelten» sie mit einer Menschenkette das Rathaus.
Das Wetter am Samstagnachmittag war so garstig, als hätten es die Veranstalter von den Sozialforen aus Nürnberg und Fürth und der «Organisierten Autonomie» (OA) bestellt, um die von ihnen angeprangerte soziale Kälte zu untermauern. Dennoch haben sich 500 Teilnehmer, unter ihnen viele schwarz gekleidete Jugendliche, aufgemacht, um gegen das (Wirtschafts-)System zu demonstrieren. «Die Krise beenden: Kapitalismus abschaffen», forderten die Autonomen. «Zeit für eine Wende, Zeit für eine andere Welt» fanden die Mitstreiter um Elisabeth Ramthun vom Sozialforum Nürnberg.
Überstunden bei geringem Gehalt
Gewerkschafter und Linke, Schüler und Arbeitslose, Migranten und Sozialinitiativen wollten «für die Interessen der Mehrheit» auf die Straße gehen. FDP-Chef Guido Westerwelle hatte da mit seinen populistischen Anmerkungen über Hartz IV noch Öl ins Feuer gegossen. «Ich habe für eine Zeitarbeitsfirma teilweise zehn Stunden am Tag gearbeitet und am Monatsende 600 bis 700 Euro rausbekommen», sagte eine 40-Jährige. Mit anderen Teilnehmern vom «Nordbayerischen Erwerbslosenvernetzungstreffen» hatte sie sich in einen weißen Anzug gezwängt, am Fuß hing symbolisch eine Eisenkugel mit der Aufschrift «Hartz IV» und um den Hals ein Schild mit der Aufschrift «1-Euro-Sklave». «Ich lebe jetzt schon seit fünf Jahren von Hartz IV. Je länger das dauert, desto schwerer wird es für mich, wieder Arbeit zu finden», klagt die Frau. Sie wünscht Westerwelle zwei Jahre Hartz IV, um zu erleben, was dies bedeute.
Zug zum Rathaus
Bei ihrem Zug durch die Fußgängerzone zum Rathaus forderten die Autonomen und die «Revolutionär Organisierte Jugendaktion», «Profitinteressen einer Minderheit» abzuschaffen und die Bedürfnisse aller Menschen zu befriedigen. Die Umzingelung des Rathauses für eine Viertelstunde, so OA-Sprecher Julius Schöberl, sei Ausdruck einer «wachsenden Bewegung von Unzufriedenen». Linke-Stadtrat Hans-Joachim Patzelt warnte davor, «Krisenlasten auf die kleinen Leute abzuwälzen».
Andreas Franke |
| 8.3.2010 |
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