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NÜRNBERG - Für Breno ist die Saison beendet, in der Abwehr des 1. FC Nürnberg wird ihn Dominic Maroh ersetzen. Linksverteidiger Javier Pinola setzt darauf, dass es gelingt: Weil die Mannschaft wieder eine Ordnung hat.
Einer fehlte, als es gestern wieder losging: Der Spieler, den man selbst im Training ob seiner enormen physischen Präsenz nicht übersehen konnte. Aber der Brasilianer Breno wird nie mehr für den 1. FC Nürnberg spielen – für das Foul, das diese schöne Liaison so jäh und schmerzlich beendete, entschuldigte sich der Leverkusener Stefan Reinartz gestern in einer ungewöhnliche Geste per offenem Brief. »Es ist im Eifer des Gefechts passiert und tut mir sehr leid», schrieb der Ex-Nürnberger.
»Breno ist ein Super-Freund»
Nach seiner Knie-OP kehrt Breno nach München zurück – und hinterlässt Spielkameraden, bei denen er nicht nur wegen seiner fußballerischen Klasse beliebt war. »Breno ist ein Super-Freund», sagt Javier Pinola, »und wir werden ihn jetzt alle unterstützen.» Beide telefonieren jeden Tag, »gestern», berichtete Nürnbergs Publikumsliebling, »ging es ihm ein bisschen besser», und bei allem Unglück, das Brenos Ausfall für Nürnbergs Fußballclub bedeutet, ist, meint Javier Pinola, etwas anderes noch wichtiger: »Er muss den Kopf hochhalten für die Reha und gesund werden.» Pinola war nicht nur Brenos Nebenmann, er war sein Freund, Dolmetscher und ein bisschen auch sein Betreuer. Jetzt hofft der Argentinier, dass man sich im Mai noch einmal wiedersieht im Frankenstadion. Sollte Nürnberg der Klassenverbleib gelingen, wird Breno – das ist ausgemacht – zur Feier eingeladen.
Der Glaube kehrt zurück
Der Glaube daran ist seit der Winterpause gewachsen. Man fühlt sich erinnert an die Situation vor einem Jahr. Damals hatte man Nürnberg nach einer verkorksten Zweitliga-Hinrunde fast abgeschrieben. Dann kamen Reinartz, Dennis Diekmeier, Marcel Risse und Albert Bunjaku – mit verlässlichen Neuzugängen fand sich ein Team und stieg am Ende doch noch auf.
Breno, Andreas Ottl und Mickael Tavares (dem beim 3:2 gegen Leverkusen das erste Bundesliga-Tor seiner Karriere glückte): Nach wieder verkorkster Vorrunde hat jetzt erneut eine personelle Auffrischung mitgeholfen, dass »die Mannschaft wieder als Mannschaft auftritt», wie Javier Pinola sagt. Unter dem neuen Trainer Dieter Hecking hat dabei die neben Breno zweite Münchner Leihgabe, Andreas Ottl, vom ersten Tag an eine Führungsrolle übernommen. Und neben Keeper Raphael Schäfer, mit dem Ottl im Team-Hotel das Zimmer teilt, gibt es einen zweiten richtigen Chef; »einen, der Anweisungen gibt, der Erfahrung hat und für unsere Ordnung steht», wie Vorarbeiter Pinola sagt. »Wir trainieren gut, wir reden viel miteinander, der Trainer gibt klare Anweisungen», erklärt Pinola, »und damit sind alle ruhiger und sicherer, gerade die Jüngeren, die noch wenig Erfahrung in der ersten Liga haben.»
Gespür für Team-Balance
Das Gespür für eine solche Team-Balance hatte Heckings Vorgänger Michael Oenning am Ende verloren; unter den Zerfallserscheinungen litten besonders junge Spieler – wie Dominic Maroh, der Breno nun ab Samstag, wenn es zur Hertha nach Berlin geht, ersetzen soll. Der von Oenning entdeckte Innenverteidiger brachte es schon bis ins Aufgebot von WM-Teilnehmer Slowenien, verlor aber in der Nürnberger Krise mitunter auch etwas den Halt.
Jetzt ruht einige Hoffnung auf dem begabten Deutsch-Slowenen. »Wir vertrauen ihm vollkommen, Dominic bringt alles mit für diese Position, und er kommt in eine Mannschaft, die ihm hilft – er wird genau wissen, was er zu tun hat», sagt Pinola, der mit dem Klassenverbleib natürlich auch seine persönliche Zukunft bei seinem Herzens-Club sichern möchte. Er hat es Breno versprochen – »und ich bin ja da, um Nürnberg zu helfen».
Hans Böller |