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Ist der Chefarzt nur erfunden?

Justiz ermittelt im Fall einer Privatklinik im Nürnberger Land
 Ist der Chefarzt nur erfunden?
NÜRNBERG (dpa/Eig. Ber/egr) — Hat sich der Verwaltungsleiter einer Privatklinik in Schwaig (Kreis Nürnberger Land) als Chefarzt ausgegeben und gar Patienten behandelt? Die Staatsanwaltschaft Nürnberg ermittelt wegen des Verdachts der Körperverletzung.

Justizpressesprecher Bernhard Wankel bestätigte, dass ein solcher Anfangsverdacht bestehe. Der Staatsanwaltschaft seien am Freitag vier eidesstattliche Erklärungen von Angehörigen ehemaliger Patienten übergeben worden. Darin werde der Vorwurf erhoben, der Verwaltungschef habe im Jahr 2003 auch behandelt.

Der Mann ist als Träger der „Intensiv-Pflegeklinik Schwaig“ registriert, die bis Mitte der 90er Jahre dem Bayerischen Roten Kreuz gehörte. Besuchern stellte er sich als Träger, Geschäftsführer und Arzt vor. Gegenüber der Pegnitz Zeitung hatte er geäußerte, er habe seinen medizinischen Abschluss im österreichischen Innsbruck gemacht. Nach Angaben der Klinik nahe dem Pegnitzgrund, in der unter anderem schwerkranke Koma-Patienten behandelt werden, ist der mutmaßliche Hochstapler aber seit Längerem nicht mehr im Dienst.

Zur Geldstrafe verurteilt

Der sportlich wirkende Mann ist vergangenes Jahr vom Amtsgericht Hersbruck wegen Missbrauchs von Titeln zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Er habe zwar keinen Doktortitel, dennoch müsse geklärt werden, ob der Mann eine Approbation, also die staatliche Zulassung als Arzt besitze, sagte Justizsprecher Wankel. Schließlich könnten auch Ärzte ohne Doktortitel ihrem Beruf nachgehen. In der Schwaiger Klinik soll der Mann etwa Patienten Blut genommen haben. Sollte sich der Vorwurf bewahrheiten und der Verwaltungsleiter keine geeignete Ausbildung vorweisen können, käme dies Körperverletzung gleich.

Einen Hinweis auf die — einige Zeit zurückliegenden — Vorfälle in der Schwaiger Privatklinik gab ausgerechnet der Ex-Hochstapler Gert Postel. Er hat in den 1980er Jahren als „Amtsarzt Dr. Dr. Bartholdy“ in Flensburg Patienten wie Behörden genarrt. Später hatte er als Oberarzt in der Psychiatrie im sächsischen Zschadraß sogar Gutachten verfasst. 1999 war er wegen Betrugs, Urkundenfälschung und Titelmissbrauchs zu vier Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Neuerdings macht er mit Veröffentlichungen erneut von sich reden.
30.11.2004
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