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Wanner: Neustart ab dem Herbst |
| Bisheriger Pächter akzeptiert vor Gericht einen Vergleich — Stadt sucht Investor |
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Der Rechtsstreit um die Pachtverträge für das Traditionscafé Wanner am Dutzendteich ist mit einem Vergleich beendet worden. Jetzt kann die Stadt die Regie übernehmen und einen Pächter und Investor für das Gelände suchen.
Am Schluss waren im Landgericht alle Beteiligten froh, dass der Streit vorbei war. Alexander Wiesengrund hatte von seiner verstorbenen Mutter Diana, genannt Dixie, das Café geerbt, dazu die Pachtverträge mit Pino Fusaro. Der Immobilienkaufmann wollte ihm kündigen. Doch der Gastronom berief sich auf einen alten Vertrag: Nur bei einem Abriss des alten Gebäudes müsse er das Gelände räumen. Die Angelegenheit entwickelte sich zum Krimi. Insgesamt tauchten drei Pachtverträge auf, mal mit dem Zusatz Abriss, mal ohne.
Richter Michael Schrotberger ließ Fusaro einen der Verträge begutachten. Doch der Gastronom meinte nur, dass er seine Unterschrift nicht erkenne. Ohnehin hätte der Fall noch einige Rätsel aufgegeben. Vor zehn Jahren, als Fusaro das Wanner übernahm, war zunächst in einem Vertrag von umgerechnet 7000 Euro monatlicher Pacht die Rede. Der Gastronom hatte aber einen guten Draht zu Dixie Wiesengrund. Obendrein war das Gebäude in einem jämmerlichen Zustand. So zahlt Fusaro heute 2668 Euro Monatspacht für eine Goldgrube: Eine Million Euro soll der Umsatz pro Jahr betragen. Fusaro hat das Wanner weiterverpachtet; über die Modalitäten schwiegen die Beteiligten, allerdings wurde bekannt, dass die Pacht nach Hektolitern Bier abgerechnet wird.
Eine Fälschung?
Also war im Landgericht klar, dass Fusaro gegen die Kündigung kämpfen würde. Außerdem brachte er ins Spiel, dass die Firma Wiesengrund Pachtverträge gefälscht haben könnte. Sollte die Angelegenheit in einen Strafprozess um Urkundenfälschung münden? Plötzlich die Wende: Fusaro entschuldigte sich bei Alexander Wiesengrund für die Verdächtigung.
Aber auch der Immobilienhändler war hoch motiviert, den Prozess für sich zu entscheiden. Schließlich hatte er das Grundstück bereits an die Stadt Nürnberg verkauft. Weil die Kommune das Gelände an eine Brauerei verpachten will, um Zins und Tilgung zu zahlen, muss zunächst Fusaro das Gelände räumen. Bei einer Verzögerung entstünden dem Verkäufer zusätzliche Kosten. Er drohte deshalb Fusaro per Anwalt damit, das Café notfalls tatsächlich abreißen zu lassen.
Richter Schrotberger zeichnete den Beteiligten vor, was passieren könnte, wenn sie sich nicht einigen: Ein langwieriges Verfahren, möglicherweise auch in der nächsten Instanz, würde vorerst keine Entscheidung, wohl aber enorme Kosten für beide Parteien bringen. Das Argument überzeugte.
Fusaro betonte, er habe loslassen gelernt und wolle niemandem im Wege stehen. 50 000 Euro kassiert er für diesen Vergleich. Einen Teil davon muss er an seine Pächter abgeben. Bis zum 15. Oktober will er das Wanner räumen. (Siehe Standpunkt Seite 10)
LORENZ BOMHARD |
| 9.7.2005 |
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