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08.02.2007
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Tochter landete in der Psychiatrie

Vorläufig tragischer Endpunkt eines Streits um Probleme in der Schule
 Tochter landete in der Psychiatrie
Foto: Kasperowitsch
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Die achtköpfige Familie Busekros ist am Ende. Seit einer Woche ist die älteste Tochter Amina zwangsweise in der geschlossenen Abteilung der Jugendpsychiatrie des Klinikums Nord eingesperrt. Das zuständige Jugendamt hatte das nach einem langen Streit durchgesetzt. Bei einem Besuch der Eltern mit ihren fünf anderen Kindern spielten sich gestern erschütternde Szenen ab.

Amina ist blass. Ihr Vater Hubert Busekros hat sie gerade aus dem Patientenzimmer im zweiten Stock des Hauses 48 im Nordklinikum zu einer Sitzecke auf dem Flur geholt. Das 15-Jährige Mädchen bewegt sich langsam und geht gebückt. «Ich will endlich wieder nach Hause», sagt sie, «es ist hier so langweilig.» Ein Mädchen auf der Station kannte sie zufällig schon vom Sehen. Es ist wegen eines Selbstmordversuches in der geschlossenen Einrichtung.

Erst als Aminas Geschwister mit ihr ein Quiz spielen, das sie von zu Hause mitgebracht haben, taut sie auf und lächelt schüchtern, obwohl es binnen Minuten hektisch um die spielenden Kinder wird. Eine Pflegekraft weist Hubert Busekros und seine Frau Gudrun scharf darauf hin, dass eigentlich nur eine kurze Begegnung vereinbart war, um der Tochter ein paar Schulsachen vorbeizubringen. «Warten Sie bitte draußen, bis der Arzt Zeit hat.» Eine Stunde am Tag ist die übliche Besuchszeit, und die ist heute erst für abends verabredet.

Die Begegnung mit dem Arzt kurz darauf dauert nur Sekunden. Der Mediziner schickt die Familie sofort weg, als er merkt, dass kein Gespräch möglich ist. Der Vater besteht darauf, bei seiner Tochter zu bleiben. Er hat sieben Tage ohne Schlaf hinter sich, und die Strapazen zerren spürbar an seinen Nerven. Nach einem entsprechenden Beschluss des Amtsgerichts Erlangen, wo die Familie seit rund zehn Jahren lebt, hatte am 1. Februar ein starkes Polizeiaufgebot in Zivil das Haus des Siemens-Technikers umstellt und die 15-jährige Amina mitgenommen.

Gewaltanwendung der «polizeilichen Vollzugsorgane» hatte die Justiz ausdrücklich zugelassen. Bei dieser Aktion war auch eine Vertreterin des Jugendamtes dabei, dem das Gericht das Aufenthaltsbestimmungsrecht und die Gesundheitsfürsorge für Amina übertragen hat. Über eine Beschwerde der Eltern will das Oberlandesgericht noch in dieser Woche entscheiden.

Kampf seit zwei Jahren

Die Einweisung in die Psychiatrie ist vorerst der tragische Endpunkt eines seit über zwei Jahren dauernden Kampfes zwischen Eltern und Behörden um die Schulprobleme Aminas. Die jüngeren Geschwister der 15-Jährigen besuchen Gymnasien oder Grundschulen. Auch Amina war im Erlanger Christian-Ernst-Gymnasium. Am Ende des Schuljahres 2003/2004 sollte sie dort die 7. Klasse wiederholen. Die Eltern schickten sie daraufhin laut Gericht «nur noch sehr selektiv» in die Schule und unterrichteten sie stattdessen zu Hause. Der Schulleiter meldete sie daraufhin von Amts wegen ganz ab, mit der Folge, dass Amina eine Hauptschule besuchen sollte.

Das wollten die Eltern aber nicht. Sie wollten ihrem Kind den Stoff fürs erste selbst beibringen. Zweitweise war Amina im Ausland bei Bekannten. Das sagten die Eltern auch den Behörden. Als Aminas Foto aber in einem ganz anderen Zusammenhang in der Lokalzeitung erschienen war - es ging um Großfamilien in der Vorweihnachtszeit - griff das Jugendamt mit Hilfe der Polizei Anfang des Monats zu. Seither steht die ganze Familie unter starkem Druck. Aminas 14-jährige Schwester kann nach dem Treffen im Klinikum nur mühsam die Tränen zurückhalten. Die Kleineren verstehen die Welt nicht mehr, die Eltern leben in einem Zustand andauernder Verzweiflung.

«Wir haben gar keine Zeit mehr gehabt, in aller Ruhe zu überlegen, wie es mit Amina schulisch weitergehen soll», sagt Gudrun Busekros. Sie ist keineswegs vollkommen abgeneigt, ihr Sorgenkind auch wieder in eine staatliche Schule zu schicken. Mit ihren anderen Kindern tut sie das schließlich auch. «Denen geht es dort gut.»

Nur Amina hatte große Probleme. Sie begann ihr Schulleben in Nordafrika, erzählt Gudrun Busekros. Ihr Mann hatte dort beruflich zu tun. Das Kind ging dort in eine britische Schule. Die besuchte sie mit Begeisterung. Es herrschte gegenüber den Kindern immer eine «respektvolle Freundlichkeit», sagt die Mutter.

Unterricht zu Hause

Das habe sich geändert, als das Kind nach Rückkehr der Eltern in eine deutsche Grundschule gehen musste. Amina wurde immer langsamer, sie kam immer öfter bedrückt von der Schule nach Hause. Die Eltern suchten auch Rat bei Fachleuten, die dem Kind damals eine «überdurchschnittliche Intelligenz» bescheinigten, so Gudrun Busekros. «Unser Kind fällt jetzt einfach durch die Maschen des Schulsystems.»

Als die Schulprobleme im Gymnasium nicht kleiner wurden, begannen die Eltern zunächst, mit Amina zu Hause zu pauken. Das brachte das Kind auf behördlichen Druck nun in die Psychiatrie. Als der Arzt gestern ihre Eltern und die kleineren Geschwister sichtlich genervt aus der Station im Klinikum wies, winkte sie ihrer Familie durch eine große Glasscheibe im Flur noch zu, bis diese auf der Treppe im Haus 48 außer Sichtweite war.

(StandPunkt auf Seite 10)

Michael Kasperowitsch
8.2.2007
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