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Kommentar:

Zum Wohle der Ämter

Psychiatrie statt Pädagogik für 15-Jährige
 Zum Wohle der Ämter
Die Eltern der 15-jährigen Amina haben in der langen Auseinandersetzung mit den Behörden sicher nicht alles richtig gemacht. Aus den Gerichtsakten spricht eine gehörige Portion wachsender Verbitterung, die in den Amtsstuben im Laufe der Zeit auf zunehmende Sturheit traf. Kooperation war nicht mehr möglich. Und die Ämter befinden sich auch schnell in einer Zwickmühle. Handeln sie in Fragen des Kindeswohls zu spät, müssen sie sich danach unter Umständen schwere Vorwürfe anhören, treffen sie ihre Entscheidungen gegen den Willen der Eltern eilig, heißt es: Warum diese Überreaktion? Bei Amina handelt es sich aber eindeutig nicht darum, eine Jugendliche vor sozialer Verwahrlosung und schädlicher emotionaler Kälte zu schützen. Im Kern handelt es sich um Schulprobleme eines offenbar intelligenten Mädchens, das nach einem Auslandsaufenthalt der Eltern mit den Bedingungen an den Schulen hier zu Lande nicht zurechtkam. Statt geeigneter und auf diese sehr individuelle Situation zugeschnittener

Hilfsangebote gab es rigorose Entscheidungen: Fort damit aus dem Gymnasium und ab in die Hauptschule. Sollen die sich weiter mit dem Kind plagen. Hinzu kommt die im Freistaat reflexhafte Abwehr gegen das so genannte Home-Schooling, also den Unterricht zu Hause, das in anderen europäischen Ländern längst zu einem festen Bestandteil des Bildungssystems geworden ist.

Mit der Einweisung von Amina in die Psychiatrie haben die Ämter alles getan, um einem verstaubten Begriff von Schulpflicht Nachdruck zu verleihen, zum Wohle des Kindes ist das in diesem Fall bestimmt nicht.

Michael Kasperowitsch
8.2.2007
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