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| Kommentar: |
Verzerrte Wirklichkeit |
| Die CSU, Edmund Stoiber und Gabriele Pauli in Passau |
| Verzerrte Wirklichkeit |
Der politische Aschermittwoch in Passau war nie Spiegelbild der aktuellen Stimmung in der CSU. Denn es ist nicht die Basis, die jedes Jahr um diese Zeit nach Niederbayern pilgert. Es ist eine bestimmte Spezies, die mit konkreten Erwartungen in die Drei-Länder-Halle kommt. Entsprechend verwirrend sind mitunter die Signale, die von Passau ausgehen.
Auf den ersten Blick kann Edmund Stoiber zufrieden sein mit seinem letzten Auftritt. Es gab anhaltenden Applaus, freundliche Transparente («Wir sind Stoiber») und Pfiffe für seine Widersacherin aus Fürth, die nach Meinung vieler Besucher daran schuld ist, dass Stoiber im Herbst des Jahres seine beiden Ämter aufgibt. Auf den zweiten Blick mag es irritierend sein, dass der Parteichef jetzt, wo klar ist, dass er endlich geht und mit ihm das System Stoiber verschwindet, deutlich mehr Beifall erhielt als vor einem Jahr.
Damals hatte er allerdings ein massives Problem. Er musste dem konsternierten Parteivolk erklären, warum er die Verantwortung für Deutschland gescheut und die Flucht nach München angetreten hatte. Er wollte erklären, warum er glaubte, ein bayerischer Ministerpräsident könne mehr Einfluss auf die Politik der großen Koalition in Berlin nehmen als ein Bundesminister Stoiber im Kabinett Merkel. Da ihm das nicht gelingen konnte, ließ die Begeisterung 2006 zu wünschen übrig. Aber das nur am Rande.
Wären die Sinne der Besucher von der bierdunstschwangeren Atmosphäre nicht schon vernebelt, könnten sie sich über die unfreiwillige Komik in Stoibers Rede amüsieren. Ausgerechnet der CSU-Chef, der Fahnenflüchtige von 2005, schwört seine Nachfolger darauf ein, die Bedeutung der CSU zu wahren; ausgerechnet er, der sich in die bayerische Provinz zurückzog, erinnert daran, dass es Auftrag der CSU sei, Politik für Deutschland und Europa zu machen. Hier erreichte Stoiber Büttenreife.
Das nimmt sich freilich harmlos aus im Vergleich zu dem, was noch folgen sollte: Dass die CSU-Landrätin Gabriele Pauli von Bodyguards geschützt werden musste, als sie die Halle verlassen wollte, zeigt, wie weit die Christsozialen noch davon entfernt sind, eine normale Partei zu sein.
Wolfgang Schmieg |
| 22.2.2007 |
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