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Quelle duldet keinen Widerspruch |
| Mitarbeiter sollen auf rechtliche Überprüfung der Gehaltskürzungen verzichten |
| Quelle duldet keinen Widerspruch |
NÜRNBERG - Mit großer Zurückhaltung und Kritik hat die Gewerkschaft ver.di auf das neue Angebot der Fürther Quelle reagiert. Insbesondere wertet es ver.di als Erpressung, dass das Unternehmen von den Beschäftigten verlangt, auf eine rechtliche Prüfung der Leistungskürzungen zu verzichten.
In der aktuellen Offerte bietet das Versandunternehmen an, für das neu zu errichtende Kundenzentrum im wesentlichen nur noch bei Neueinstellungen auf die Eingruppierungen in die unterste Gehaltsstufe von 1100 € brutto im Monat zu bestehen und 110 der ursprünglich 815 betroffenen Beschäftigten aus dem Sanierungspaket herauszunehmen und anderweitig im Konzern unterzubringen.
Für Donnerstag hat der Betriebsrat eine Versammlung einberufen, auf der das neue Angebot diskutiert werden soll. ver.di-Sekretär Johann Rösch hat in einer ersten Reaktion das Angebot als unzureichend bezeichnet. Zwar sei zu begrüßen, wenn 110 Beschäftigten am Standort jetzt eine Perspektive geboten werde - wenn auch zu schlechteren Konditionen. «Doch ändert dies für die restlichen 80 Prozent der betroffenen Mitarbeiter so gut wie nichts», erklärt Rösch. Denn ob die Gehälter, wie von Quelle jetzt beabsichtigt, von 2300 € brutto im Monat auf 1350 € gekürzt werden oder wie ursprünglich vorgesehen im Minimum auf 1100 € , mache nicht viel Unterschied. Dies insbesondere, wenn diese Vollzeit-Gehälter auch noch auf Teilzeit umgerechnet werden müssten. Rösch sieht in dem Angebot vor allem den Versuch des Arbeitgebers, «die Beschäftigten zu entsolidarisieren».
Pistole auf die Brust gesetzt
Besonders in Rage bringt die Mitarbeitervertreter, dass das Versandunternehmen den Beschäftigten quasi die Pistole auf die Brust setzt. «Entweder die Belegschaft akzeptiert die Bedingungen des Arbeitgebers, oder das Unternehmen will den kompletten Service-Standort irgendwo nach Osten verlagern - das ist Erpressung», schimpft Rösch.
Worum geht es? Im März hatte die Quelle angekündigt, nach dem Vorbild der beiden neuen Call-Center in Berlin und Magdeburg auch in Nürnberg ein neues Kundenservice-Center zu errichten. Dafür sollten bis Jahresende die 815 Beschäftigen der Standorte in der Dieselstraße und in der Schoppershofstraße gekündigt und größtenteils in dem neuen Service-Center wieder eingestellt werden.
Für den Verbleib dieses Servicecenters stellt die Quelle aber tatsächlich drei Bedingungen: Erstens muss ein geeigneter Standort für ein solches Center in der Region gefunden werden. Dies ist offenbar bereits geschehen, wie Quelle-Sprecher Gerd Koslowski bestätigte.
Zweitens müssen die wieder angestellten Mitarbeiter im Extremfall auf die Hälfte ihres Gehalts sowie auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichten, bis zu 42 Stunden die Woche arbeiten und eine Urlaubskürzung von sechs auf vier Wochen hinnehmen. Die Verhandlungen darüber haben noch gar nicht begonnen, doch hat Quelle immerhin schon nachgebessert und die stärksten Gehaltskürzungen im wesentlichen nur auf Neueinstellungen beschränkt.
Mindestens ebenso großer Knackpunkt in den anstehenden Verhandlungen ist die dritte Bedingung der Quelle für den Verbleib des Kundenservice in der Region: Die Mitarbeiter müssen erklären, dass sie darauf verzichten, rechtlich gegen die drastischen Einschnitte bei Gehalt und Sozialleistungen vorzugehen. In einem internen Papier der Quelle heißt es dazu: «Wenn wir diese klare Zusage der beteiligten Parteien»- Arbeitnehmer und Gewerkschaft ver.di - «nicht erhalten, sind wir gezwungen, das neue Kundencenter weit entfernt vom bisherigen Standort einzurichten». Und, so weiter: «Damit würde auch das Ziel unrealistisch, die Arbeitsplätze in der Region zu halten».
Unabhängig davon, ob die Beschäftigten und ver.di zustimmen, steht eines schon fest: 200 Stellen werden auf jeden Fall wegfallen. Von Anfang an stand fest, dass Quelle sich vom «Support-Bereich», das sind Hilfsdienste im Servicebereich ohne direkten Kundenkontakt, trennen wird.
Klaus Wonneberger |
| 19.5.2007 |
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