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Die Macht der negativen Gedanken |
| Psychotherapeuten beschäftigten sich mit meditativen Konzepten und religiöser Praxis |
| Die Macht der negativen Gedanken |
Es ist eine Rückkehr zu den Wurzeln, wenn die moderne Verhaltenstherapie neue Anstöße in Meditationstechniken und dem Wissen alter Kulturen sucht. Sie findet - so die Essenz der Psychotherapeuten-Tagung des IVS in Fürth - den Menschen, der seine Gedanken und Gefühle bewusst lenken kann und nutzt dies auch in der Therapie.
FÜRTH - Wer kennt das nicht? Man ärgert sich, die Gedanken kreisen und kreisen und nehmen einen schließlich ganz gefangen. So mancher wird krank dabei. «Toxine des Geistes» nennt Thomas Moesler, Neurologe und Mitglied im Leitungsgremium des Instituts für Verhaltenstherapie, -medizin und Sexologie, diese negativen Störgefühle. «Ärger, Gier, Eifersucht oder Stolz blockieren unser elementarstes Streben, nämlich Glück zu erlangen und Leid zu vermeiden.»
Über 700 Teilnehmer - neben Psychotherapeuten auch Gäste von Universitäten und Hospizen, Kirche und Justizvollzugsanstalten - lauschten in der Stadthalle den internationalen Referenten. Mit ihren Vorträgen loteten sie den Grenzbereich aus, in dem sich Psychotherapie und religiöse beziehungsweise meditative Praxis überschneiden - und gegenseitig befruchten können.
Lene Handberg etwa, eine Dänin, die das Lebenswerk des tibetanischen Weisen Tarab Rinpoche fortführt, spricht über Gewohnheitsmuster und die Grenzen der menschlichen Wahrnehmung. Längst hören ja unsere Ohren nicht alle Töne, erfassen die Augen nicht alle Farben des Spektrums, setzt sich das Körpergefühl aus 18 verschiedenen Empfindungen zusammen, beeinflussen Gefühle unsere Wahrnehmung der Umwelt. «Realität ist trügerisch», sagt Handberg. Die Buddhistin spricht von der großen Chance, die darin liegt: Weil das Gehirn, der Mensch selbst diese Realität konstruiert, kann er sie auch verändern. Der erste Schritt: «Come back to the senses», fordert Handberg. Wieder bei Sinnen sein, zu sich kommen.
«Ärger kocht einen selber»
Die Achtsamkeit für das eigene Befinden stellt der Amerikaner Jon Kabat-Zinn in den Mittelpunkt. Mit seinem Ansatz erreicht er die Reduktion von Stress und Ängsten, kann Schmerzen lindern. «Ärger kocht einen selber», sagt er. Was schon die Veränderung des Blickwinkels bringt, wird bei der Vorstellung von «Naikan» deutlich. Bei dieser Methode wird nicht nach Verletzungen im Leben gefragt, sondern die Anwender denken umgekehrt über drei Fragen nach: «Was haben andere Menschen für mich getan? Was habe ich für sie getan? Welche Probleme habe ich ihnen bereitet?» Resultat: Statt mit dem eigenen Schicksal zu hadern, versöhnen sich die Betroffenen damit und erlangen eine positive Einstellung zum Leben. Das wirkt: In Gefängnissen etwa wird Naikan mit Erfolg eingesetzt.
Therapeuten geben - was könnte anderes gesagt werden bei einer Fachtagung? - bei all diesen Prozessen wichtige Hilfestellung. Sie lenken die Aufmerksamkeit ihrer Klienten auf die Gegenwart, regen an, die eigene Beschränkung zu erkennen und hinter sich zu lassen. Dazu müssen sie Mitgefühl für das Gegenüber entwickeln, den Ängstlichen und Deprimierten in Ruhe gegenübertreten. Schon dies habe eine beruhigende Wirkung auf die Patienten, trage zur Heilung der seelischen Verletzungen bei.
Ein Hauch Esoterik schwebt durch die Stadthalle, der Glaube ans vollkommene Einssein mit dem Kosmos und sich selbst. Aber warum nicht? Die Teilnehmer schätzen den Blick über den Tellerrand, Veranstalter Thomas Moesler lobt, «schön, dass alte, hochwirksame Methoden Eingang in die Psychotherapie finden.» Und letztlich zählt, was wirksam ist.
Gabi Pfeiffer |
| 27.6.2007 |
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