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Flipper-Trainer: Tiere töten sich |
| O’Barry stellt gewagte Thesen auf - Zoo wehrt sich gegen Vorwürfe |
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Der frühere «Flipper»-Trainer Richard O’Barry hat im Rahmen eines öffentlichen Gesprächs im Literaturhaus gefordert, die Pläne für den Bau der Delfin-Lagune sofort zu stoppen.
«Es wird nie eine Lagune in Nürnberg geben», sagt Richard O’Barry, «höchstens ein Betonloch, das den Delfinen mehr Platz bietet, als ihr jetziges Becken.» Die hoch sensiblen und intelligenten Tiere litten unter der Haltung in reizarmen Beton-Pools. Die Gefangenschaft sei für Delfine stressiger als für jedes andere Tier. In freier Wildbahn würden sie täglich rund 60 Kilometer weit schwimmen und mehr als 300 Meter tief tauchen.
Der Nürnberger Tiergarten verwies indes darauf, dass «Tiere keinen erwiesenen Freiheitsbegriff besitzen». Belegt seien lediglich ein Sicherheitsbedürfnis sowie soziale und Sinnesbedürfnisse. Auch litten ihre Delfine keineswegs unter Stress, dies habe eine eigene dreijährige Untersuchungen ergeben.
Der frühere Trainer des Fernseh-Delfins «Flipper» kämpft seit über 30 Jahren weltweit gegen die Haltung von Meeressäugern in Gefangenschaft. Das Schlüsselerlebnis für seine Wandlung war der Tod der Flipper-«Darstellerin» Cathy, den O’Barry allen Ernstes als Selbstmord interpretiert. Der Tümmler starb während des Trainings in seinen Armen: «Sie hielt die Luft an und erstickte sich.» Diese Möglichkeit schließe er auch bei den Todesfällen im Nürnberger Delfinarium nicht aus.
Wie berichtet, hält sich der 67-jährige US-Amerikaner derzeit auf Einladung von Tierrechtsorganisationen in Deutschland auf und nahm auch diese Woche an einer Fachtagung der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen zum Thema «Delfintherapie» teil. Er warnt in diesem Zusammenhang vor der Ausbeutung der Delfine, der betroffenen Kinder und vor allem deren Eltern. «Wenn mein Kind autistisch wäre, würde ich auch alles Mögliche anstellen.» Delfintherapie sei zu teuer und zu kurz, um einen anhaltenden Effekt zu erzielen.
Fünf Wildfänge
Der Tierschützer tritt seit vielen Jahren gegen eine «Vermarktung» von Delfinen in Zoos und Delfin-Shows ein. Die Gefangenschaft nennt er neben der Verschmutzung der Meere und den Fangnetzen als dritte Todesursache von Delfinen.
Deutschlandweit existieren noch vier Delfinarien. Außer in Nürnberg werden in den Zoos Duisburg und Münster sowie im Heidepark Soltau die großen Tümmler gehalten. Andere Parks hatten ihre Delfinarien unter anderem wegen Aufzuchtproblemen aufgegeben.
Bei fünf der acht Nürnberger Delfine handelt es sich um Wildfänge, die jetzt zwischen 20 und 47 Jahre alt sind. Drei wurden in Gefangenschaft geboren. «Diese Tiere haben nie die Natur erlebt», kritisiert O’Barry. «Es sind Freaks, die wir zu unserem Vergnügen geschaffen haben und die bei den Shows als Arbeitskräfte missbraucht werden.» Auch wenn einige von ihnen ein hohes Alter erreichen, sage dies nichts über die Qualität ihres Lebens aus.
Thomas Schrollinger, von der Ökologisch-Demokratischen Partei in Nürnberg, räumt ein, dass die Schließung des Delfinariums eine «Katastrophe» für den Tiergarten darstelle. Er betont jedoch: «Wir dürfen diese Tiere nicht für unsere einseitigen Interessen missbrauchen.»
Neben Politikern, Tierschützern und Interessierten waren auch Schüler der Wilhelm-Löhe-Schule anwesend. So meint Silke: «Kinder wollen keine Tiere in Gefangenschaft betrachten. Wäre es da nicht besser, man lässt sie in Freiheit?» Dem pflichtet O’Barry selbstredend bei und ergänzt: «Manche Kinder würden dann zwar nie einen Delfin sehen, aber trotz Zoos bekommen sie auch keine Schneeleoparden zu Gesicht.» Er appelliert: «Wir müssen unsere Wünsche stärker kontrollieren.»
Simone Alberti von «Menschen für Tierrechte», die zu der Veranstaltung eingeladen hatten, hofft, dass die Zucht eingestellt wird und die Tiere einen «ruhigen Lebensabend» verbringen. Sie traf sich vor der Veranstaltung mit Eva Bulling-Schröter (Die Linke), CSU-Stadträtin Ulrike Hölldobler-Schäfer, Thomas Schrollinger (ÖDP), Christine Seer (Die Grünen) und Stephan Grosse-Grollmann (Die Guten) zum Gespräch. Laut Alberti haben sich bis auf die CSU alle gegen den Bau der Lagune ausgesprochen. Nach der Veranstaltung trafen sich O’Barry und Alberti mit dem Bürgermeister Horst Förther. Auf seinem Wunsch wohnten Zoodirektor Dag Encke und Verhaltensforscher Lorenzo von Fersen dem Gespräch bei. Eine Annäherung kam nicht zustande. O’Barrys Schilderungen fehlen eine wissenschaftliche Basis, kritisierte von Fersen. «Unsere Probleme liegen nicht in der Delfin-Haltung an sich, sondern in der Aufzucht der Kälber.»
Claudia Beyer |
| 30.6.2007 |
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