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Viele gute Spieler, aber keine gute Mannschaft

Beim 1. FC Nürnberg sucht man Erklärungen für die ernüchternde 0:2-Heimniederlage gegen Karlsruhe
 Viele gute Spieler, aber keine gute Mannschaft
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Das 0:2 gegen Karlsruhe tut weh, wird den Club aber nicht umwerfen. Was Hoffnung macht: Die beste Elf hat noch gar nicht gespielt.

NÜRNBERG - Die anderen waren längst weg, als Ivan Saenko, Angelos Charisteas und Marek Mintal gestern Vormittag noch fleißig an ihrer Chancenverwertung arbeiteten. Direktabnahmen mit rechts, mit links, mit dem Kopf - und mit ähnlichem Erfolg wie tags zuvor. Die Bälle flogen überall hin, doch nur selten ins Tor - und es lag bestimmt nicht an den gefühlvollen Hereingaben von Jaouhar Mnari.

Allerdings lässt sich das 0:2 (0:1) gegen den Karlsruher SC zum Bundesliga-Auftakt nicht nur auf fehlende Effizienz reduzieren, auch wenn Zvjezdan Misimovic wie sein Trainer diesen Ansatz wählte. «Ein dummes Gegentor, und wir lassen die besten Möglichkeiten aus», meinte der aus Bochum gekommene Kreativspieler, «so einfach lässt sich manchmal eine Niederlage erklären.» Aber nicht diese. Die Ursachen liegen tiefer. Siehe Misimovic.

Nur in zwei, maximal drei Szenen blitzte sein Können auf, ansonsten suchte der kleine Bosnier häufig vergebens nach möglichen Passempfängern. Dass Hans Meyer aber lediglich auf Ivan Saenko herumhackte, überraschte doch etwas. «Der Junge fordert sich nicht», schimpfte der Coach, so jedenfalls komme der Russe «nicht voran».

Wie manch anderer auch, denn selbst eine fast siebenwöchige Vorbereitung war für den 1. FC Nürnberg noch zu kurz. Die zum Teil prominenten Zugänge suchen entweder ihren Platz im System, haben ihre Nerven nicht im Griff (Jaromir Blazek) oder sind, wie Angelos Charisteas, nicht 100-prozentig fit - worunter Abstimmung und Harmonie leiden. Die ohne Zweifel begabten Individualisten ergeben nach wie vor kein funktionierendes Team, keine Einheit. Es wird derzeit einfach kein durchdachter Fußball gespielt beim Club. «Bei uns», sagt der Trainer, «stimmt die Balance nicht.»

Und welche Folgen das haben kann, hat man am Sonntag gesehen. Etwas Glück, Disziplin und große Einsatzbereitschaft genügten den Badenern letztlich, um drei Punkte mitzunehmen aus dem Frankenstadion. Was schon mal passieren kann. Nur sollte den Pokalsiegern zu denken geben, dass sie gegen einen Abstiegskandidaten verloren haben.

Die Karlsruher sind bestimmt keine Überflieger, hatten aber besonders im zweiten Durchgang wenig Mühe, die häufig planlos anrennenden Gastgeber unter Kontrolle zu halten. Dass Karlsruhes Taktgeber Tamas Hajnal von Michael Beauchamp in Manndeckung genommen wurde, passte ins Bild des wackligen Favoriten. Die Häme ließ nicht lange auf sich warten. «Ich bin aus der Zweiten Liga einiges gewohnt», sagte der zweifache Torschütze, «aber ich war schon ein bisschen überrascht, dass man in der Ersten Liga nicht mehr im Raum spielt.»

Echte Alternativen

Wahrscheinlich hätte sein ausgelaugt wirkender Widersacher auch gar nicht antreten müssen, wenn Glauber fit gewesen wäre. Schon am Samstag in Rostock könnte der Südamerikaner endlich zurückkehren, und auch Jaouhar Mnari darf im Ostseestadion auf sein Comeback hoffen, wie Meyer gestern ankündigte.

Da außerdem die nach ihren Einwechslungen auffälligen Marek Mintal und Joshua Kennedy in die Startformation drängen, hat der Chef ein paar Alternativen mehr. Nur wird es eben noch einige Zeit dauern, bis er seine beste Elf ermittelt hat.

Die nächsten vier bis sechs Spiele, so Meyer, seien «dazu da, dass wir uns finden». Zumal auch der argentinische Nationalspieler Javier Pinola vielleicht schon übernächsten Samstag gegen Bremen wieder mitmachen kann.

Bis dahin heißt es insbesondere, ruhig zu bleiben. Dass bis zum Ende der Transferperiode am 31. August der neunte Neue kommen könnte, sei trotz der rund 3,5 Millionen Euro aus dem Verkauf von Jan Polak nicht geplant, versicherte Sportdirektor Martin Bader. «Wir haben genug gute Spieler», pflichtete ihm Meyer bei - aber noch keine gute Mannschaft.


WOLFGANG LAASS
13.8.2007 10:08 MEZ
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