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| Neonazi-Ansturm blieb in Gräfenberg aus |
Buntes Fest statt braunem Spuk |
| Bürger behaupteten ihren Marktplatz |
| Buntes Fest statt braunem Spuk |
GRÄFENBERG - Die Bürger blieben Sieger. Sie gaben den Gräfenberger Marktplatz nicht frei, obwohl die NPD dort eine Kundgebung angemeldet hatte. Doch die Polizei konnte nach Auskunft des oberfränkischen Polizeipräsidenten Gerhard Bauer wegen drohender körperlicher Gefahren den Platz nicht räumen - und so gab es dort ein buntes Fest mit rund 800 Teilnehmern statt des braunen Spuks.
Erleichterung im oberfränkischen Ort. Hatten die Bewohner doch befürchtet, dass nach dem Demo-Verbot zum Heß-Todestag in Wunsiedel und München die Rechtsextremisten Gräfenberg zu ihrem zentralen Kundgebungsort machen würden - und es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kommen würde. Doch beides blieb aus.
Nazis mussten aufgeben
Es kamen nur etwa 250 Neonazis, mit dem Nürnberger Stadtrat Ralf Ollert an der Spitze. Ein Zusammenstoß wäre schon möglich gewesen: Das örtliche Bürgerforum, die Ortsvereine aller demokratischen Parteien und Antifaschistischen-Gruppen hatten ebenso wie die NPD für den ganzen Tag eine Demonstration auf dem Markplatz angemeldet. Doch gerichtlich genehmigt wurde ihnen die Kundgebung «Gräfenberg ist bunt" nur bis 16 Uhr - die Neonazis, die sich zunächst auf dem Bahnhofsgelände versammelt hatten, sollten ab 17 Uhr hier aufmarschieren dürfen. Da hätte es zu Konfrontationen kommen können. Doch die Neonazis mussten schließlich aufgeben.
Das Urteil des Verwaltungsgerichtshofs, das die NPD-Demo am Freitag erlaubte, stieß in Gräfenberg auf große Erschütterung - und löste Zweifel am Rechtsstaat aus. Bürgermeister Werner Wolf (Freie Wähler) wunderte sich ebenso wie Bürgerforums-Mitglied Michael Helmbrecht über die Nachsicht, die das Gericht gegenüber der NPD walten ließ
Auch viel Bürger sehen sich als «Bauernopfer", weil man den Gräfenbergern, die ohnehin mindestens einmal im Monat NPD-Aufmärsche hinnehmen müssen, nun auch noch eine «Ersatzveranstaltung" für die rechtsradikale Heß-Kundgebung in Wunsiedel zumute. Lange war in der kleinen oberfränkischen Stadt umstritten, ob man die Aufmärsche einfach mit Schweigen übergehen, oder dagegen demonstrieren sollte.
Applaus für Protest
Mittlerweile engagieren sich immer mehr gegen die Neonazis; viele kamen am Samstag zum ersten Mal zu einer Anti-NPD-Veranstaltung. Vertreter aller demokratischen Parteien sowie die Kabarettisten Bernd Regenauer und Klaus Kerl-Kraus traten auf, und als auf der Kundgebung die Parole ausgegeben wurde, die Gräfenberger sollten von ihren Hausrecht Gebrauch machen und bleiben, gab es donnernden Applaus.
Unterdessen trafen auf dem Bahnhof die Neonazis ein, wurden nach verfassungsfeindlichen Kennzeichen durchsucht. Manche überklebten eintätowierte Runen vorsorglich mit Leukoplast. Um 16 Uhr machten sie sich auf in Richtung Marktplatz. Doch unterwegs mussten sie stoppen. Der zuständige Abteilungsleiter des Landratsamts Forchheim, Frithjof Dier, hatte für die Polizei die Lage erkundet und festgestellt, das es unmöglich sei, den Platz zu räumen. «Denken Sie an die Schwangeren, die Frauen und Kinder", erklärten Polizeivertreter den Neonazis _ die das natürlich nicht akzeptieren. Doch das Fest ging weiter, der Marktplatz blieb in Bürgerhand. HERBERT FUEHR |
| 18.8.2007 20:56 MEZ |
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