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Neu im Kino: Hitchcock für widerspenstige Teenager |
| Mehr Theaterdonner als Suspense: D.J. Carusos «Fenster zum Hof«-Version «Disturbia« |
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Seit dem Tod seines geliebten Vaters ist der junge Kale (Shia LaBeouf aus «Transformers«) äußerst leicht reizbar - zu spüren bekommt das unter anderem sein Spanischlehrer, als er von Kale eine gesemmelt kriegt. Die Strafe: Drei Monate Hausarrest - und zwar in der Paris-Hilton-Version mit elektronischer Fußfessel, die verhindert, dass Kale sich weiter als 30 Meter von einem bestimmten Punkt entfernt.
In der Praxis reicht sein «Auslauf« nicht mal bis zum Gartenzaun. Zu allem Unglück dreht ihm die angesäuerte Mutter (Carrie-Anne Moss) auch noch den Strom für TV und X-Box ab. Was also tun? Statt in die Röhre guckt Kale aus dem Fenster. Per Fernglas und Video beobachtet er die Nachbarn. Besonders seine Traumfrau, die hübsche Ashley (Sarah Roemer), und den merkwürdigen Herrn Turner, der verdächtig oft fremde Frauen zu sich einlädt und später dicke Säcke in die Garage schleift - ein irrer Killer?
Wen diese Geschichte an etwas erinnert, braucht sich nicht zu wundern: D. J. Carusos «Disturbia« ist in vielem eine aufgefrischte Version des klassischen Fensterguckerfilms von Alfred Hitchcock aus dem Jahr 1954. David Morse sieht als verdächtiger Mr. Turner sogar ein bisschen aus wie einst Raymond Burr und Shia LaBeouf ist als Durchschnittstyp von nebenan wirklich ein legitimer Erbe von James Stewart, der ja damals als Fotograf im Rollstuhl aus dem Fenster spähte.
Und da das - tatsächlich?! - schon 53 Jahre her ist, ist die Frage berechtigt, warum man die gute Geschichte nicht noch mal in frischer Optik und mit jungen Darstellern neu erzählen sollte. Mit Videokameras und Handys statt Fotoapparaten und mit einem sympathischen Ensemble.
Das funktioniert, solange «Disturbia« nahe an den Personen und seinen eigenen Ideen ist: Bei Kales Streit mit der Mutter oder den Nachbarsbuben, bei seinen Versuchen, mit der schrecklichen Fußfessel klarzukommen, oder bei der zarten Liebesgeschichte zwischen ihm und Ashley. Schwächen zeigt der Film dagegen immer dann, wenn’s gruselig und dramatisch werden soll: Da rummst der Theaterdonner, Blitze flackern und Skelettpuppen purzeln durcheinander. Schwach, konventionell, überlang.
So bleibt am Ende ein durchwachsener Eindruck - und eine Antwort auf die Frage, warum all diese modernen Versuche, Hitchcock neu zu erzählen, letztlich doch scheitern: Der Meister des Suspense wusste einfach genau, was er tat. Bei «Disturbia« hat man stets das Gefühl, die bessere, die definitive Version der Geschichte schon gesehen zu haben. Durch das Fenster zum Hof. (Cinecittà, Admiral, Nürnberg; CineStar, Erlangen)
Regie: D.J. Caruso. Darsteller: Shia LaBeouf, Sara Roemer, Carrie-Anne Moss, David Morse. (USA/104 Min.)
PETER ROMIR |
| 20.9.2007 0:03 MEZ |
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