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Günter Grass wird gefeiert, macht es aber den Gratulanten schwer

 Günter Grass wird gefeiert, macht es aber den Gratulanten schwer
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Leicht gemacht hat er es niemandem - weder seinen Gegnern noch seinen Verehrern, aber auch sich selbst nicht: Der Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass taugt nicht zum deutschen Nationalhelden und ist immer ein eigensinniger Mensch gewesen. Doch jetzt, so scheint es, ist auch eine Portion Altersstarrsinn dazugekommen.

Wie eine Bombe schlug letztes Jahr das späte Bekenntnis seiner Waffen-SS-Mitgliedschaft ein. Eine kurze Stelle in der Autobiographie «Beim Häuten der Zwiebel« und ein FAZ-Interview lösten eine monatelange Diskussion über deutsche Verantwortung und Vergangenheitsbewältigung aus.

Inszenierter Skandal

Noch mehr als dieses Bekenntnis irritierte Grass die Öffentlichkeit mit seiner Reaktion auf den selbst inszenierten Skandal: Tief verletzt, beleidigt und rechthaberisch zog er gegen die angebliche Medienhetze zu Felde, vergriff sich mitunter im Ton und fühlte sich überhaupt in Deutschland nicht genügend gewürdigt. Der große alte Mann der deutschen Literatur spielte «Dummer August«, trat von einem Fettnäpfchen ins andere und bekleckerte sich dabei nicht gerade mit Ruhm. Darunter litt weniger sein literarischer Ruf als sein moralisches Ansehen.

Eine ziemlich tragische Angelegenheit, die den Blick auf ein gewaltiges Lebenswerk nicht verstellen sollte. Denn zweifellos ist Günter Grass, der morgen 80 Jahre alt wird, einer der prägenden deutschsprachigen Autoren der Gegenwart. Darüberhinaus ist er auch ein bildender Künstler und politischer Kopf, der sich bis heute einmischt in aktuelle Debatten. Sein Wort hat Gewicht.

Mit der "Blechtrommel" zu Weltruhm

Weltruhm verschaffte dem gebürtigen Danziger gleich sein Romandebüt: «Die Blechtrommel« war 1959 eine literarische Sensation, sowohl was Form als auch Inhalt betrifft. Die kritische Auseinandersetzung mit dem deutschen Nationalsozialismus ist ein zentrales Thema im Werk von Günter Grass geblieben. Nicht immer fanden seine späteren Romane - darunter «Der Butt« (1977) und «Die Rättin« (1986) - die Zustimmung der Kritiker. Aber fast immer lösten seine Bücher breite Diskussionen aus, wie zum Beispiel die Novelle «Im Krebsgang« (2002) über die Vertreibung der Deutschen aus dem Osten.

Grass wird gefeiert

Günter Grass steht für eine Generation deutscher Schriftsteller, die nach dem Zusammenbruch der Hitler-Diktatur und dem Ende des Zweiten Weltkrieges den Anschluss an die Weltliteratur erst wieder finden musste. Dass dies gelang, dazu hat der Mann mit dem Schnauzbart das Seine beigetragen. Und diese Tatsache würdigte auch die schwedische Akademie, als sie Günter Grass 1999 den Literatur-Nobelpreis verlieh.

Doch jetzt wird erst einmal gefeiert: Die Festivitäten in der Geburtsstadt Danzig waren erst der Auftakt. Am 18.Oktober wird in Hamburg eine Ausstellung von Grass-Bildern mit einer prominent besetzten Lesung eröffnet. Am 20.Oktober steigt in Göttingen, dem Sitz des Steidl-Verlags, eine Geburtstagsparty mit 2500 Gästen. Und am 27.Oktober folgt der offizielle Festakt mit Bundespräsident Köhler in Lübeck, wo Grass seit vielen Jahren wohnt. Und auch eine Familienfeier wird es geben: Wie immer bei runden Geburtstagen will der Jubilar einen Kopfstand machen. Viel Glück!

STEFFEN RADLMAIER
14.10.2007 16:19 MEZ
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