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Nuernberger Nachrichten aktuell <STRONG>Skandal in Polizeischule</STRONG><BR>Ein Beschuldigter stammt aus Nürnberg nordbayern.de - Informationen und Nachrichten
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Skandal in Polizeischule
Ein Beschuldigter stammt aus Nürnberg

 Skandal in Polizeischule
Ein Beschuldigter stammt aus Nürnberg
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MÜNCHEN - Offensichtlich haben Polizeihundeführer die Vorgänge in der Kantine der Polizeihundeschule Herzogau gefilmt. Ein Insider sagte unserer Zeitung, dass "es Fotos und Videos dieser Abende gibt".

Das Material sei unter den Beamten kursiert und über das Intranet der Polizei verschickt worden. Das Spektrum der Bilder und Filme reiche "von belanglosen Aufnahmen der Ausbildung bis hin zu den abendlichen Veranstaltungen."

Vor allem diese Abschlussabende an der Polizeihundeschule sind durch ein anonymes Schreiben in den bundesweiten Fokus geraten. Sämtliche deutschen und auch einige ausländische Medien, alle Fernseh- und Nachrichtensender berichten über die Schule, die bislang ein unbeachtetes Dasein an der bayerisch-tschechischen Grenze geführt hatte.

Wie berichtet, bezichtigt der anonyme Autor die Ausbilder übler sexueller Erniedrigungen vor allem der Polizeihundeführerinnen. Insbesondere zwei Beamte finden sich namentlich immer wieder in dem Schreiben.

Einer der beiden stammt aus Nürnberg, wird als cholerisch bis "gewalttätig und jähzornig" beschrieben. Ihm sei, heißt es bei der Polizei, der Weggang aus Nürnberg nahegelegt worden, weil seine Kollegen nicht mehr mit ihm zusammenarbeiten wollten.

Nürnberger Beamte bestätigten dies unter der Hand. Der Mann kam als Ausbilder zur Hundeschule nach Herzogau. Intern sei bekannt, heißt es, dass er junge Polizistinnen als "Polizeischlampen" bezeichne und sie regelmäßig massiv beleidige. Insgesamt sei der Ton in Herzogau äußerst rüde.

Dem Vernehmen nach soll der Ausbilder nach Sulzbach-Rosenberg an die dortige Polizeischule versetzt werden. Insider bewerten dies als "skandalös, weil ein solcher Mann nicht den Polizeinachwuchs ausbilden darf. Das wäre untragbar".

Wer sich über junge Beamtinnen in der ihm vorgeworfenen Art äußere, "den kann man doch nicht auf junge Beamte loslassen". Polizeiinterne Quellen berichten, dass Hundeführer aus ganz Bayern die Vorwürfe des anonymen Briefes mehr oder weniger klar bestätigten.

So wird im Schreiben behauptet, dass zum Ende eines Rauschgiftseminars als Höhepunkt der Auftritt einer Stripperin in der Schulkantine stattgefunden habe. "Anschließend verschwand die Dame mit einigen Beamten auf die Zimmer."

Die Leitung des Hauses habe diesen Auftritt nicht missbilligt, heißt es in dem Brief, im Gegenteil. Einer der führenden Beamten sei dabei gewesen. Insider sagen, dass der Auftritt der Stripperin als Abschiedsgeschenk für einen Ausbilder geplant gewesen sei, "mehr ein Gag". Der sei dann aber aus dem Ruder gelaufen, weil sich immer mehr Polizeibeamte in der Kantine eingefunden hätten.

"Das sollte im Kleinen stattfinden", heißt es. "Das ist dann gründlich schiefgegangen" und habe unfreiwillig eine ganz andere Dimension erreicht.

Polizeibeamte bieten ähnliche Erklärungsmodelle für die Übergriffe auf die Polizistinnen an. Probleme gebe es "immer wieder bei den Spezialdienststellen". So sei vor elf Jahren das USK in Nürnberg in die Öffentlichkeit geraten, weil auf einer Feier sich mehrere junge Beamte beim Hitlergruß fotografierten.

Das USK gilt als besondere Einheit, seine Mitglieder werden speziell trainiert auch für harte Einsätze etwa bei gewalttätigen Demonstrationen. Die Polizei ermittelte damals gegen sieben junge USK-Beamte. Sie gaben zu Protokoll, sie seien stark angetrunken gewesen und hätten nur Szenen aus Chaplins "Der große Diktator" nachgespielt. Neonazistische Umtriebe ließen sich ihnen nicht nachweisen; ihren Job beim USK verloren sie dennoch.

Die Spezialeinheiten fühlten sich als eigene Truppe innerhalb der Polizei, sagt ein Insider. "Ihre Mitglieder werden zentral ausgebildet, arbeiten extrem eng zusammen, haben kaum eine Privatsphäre und müssen fest zusammenhalten. Diese Zusammengehörigkeit macht manches verständlich", auch Übergriffe der geschilderten Art.

Das bleibt den Gewerkschaften nicht verborgen. "Ich würde das nicht von der Hand weisen", sagt Rainer Nachtigall, der im Landesvorstand der Deutschen Polizeigewerkschaft sitzt. "Wir wissen aus der Vergangenheit, dass solche Vorkommnisse verstärkt bei den Sonderdienststellen auftreten." Dazu zählen die Polizeihundeführer.

Zwar sind die rund 360 Beamten mit ihren Hunden über ganz Bayern verstreut. Seit 2000 aber werden sie zentral in Herzogau ausgebildet. Polizeibeamte schildern den Zusammenhalt unter den Hundeführern als sehr stark, zumal Frauen in ihrer Riege bislang noch die Ausnahme sind. "Sie verstehen sich als verschworene Truppe", wohl auch deshalb dringe kaum etwas nach außen.

Hundeführer berichten unterdessen, dass an den Abschlussabenden spezielle Riten üblich seien. So müssten die Hundeführer Männchen machen vor ihren Ausbildern, schilderte ein Beamter offen bei RTL. Zur Belohnung habe es Hundekuchen gegeben, die sie hätten essen müssen.

Dies sei aber als harmloser Scherz gemeint und auch verstanden worden. "Die Beamten in den Spezialeinheiten haben eine gewisse Neigung, Dinge zu machen, bei denen sie selbst die Tragweite gar nicht erkennen", sagt ein Polizist. Das könne auch bei den Hundeführern passiert sein.

"Möglicherweise haben sie einfach nicht berücksichtigt, dass es bei Frauen ganz anders ankommt, was sie hier so treiben." Das sei ähnlich bei anderen Spezialeinheiten in der Vergangenheit immer wieder vorgekommen, dann aber abgestellt worden. "Im Übrigen", sagt ein Insider, "auch wenn es so gewesen sein sollte, entschuldigt das nichts."

Roland Englisch
31.10.2007 15:23 MEZ
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