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Der Fußball ist oft am stärksten in seinen Tragödien. Der Sekundentod im Champions-League-Finale 1999 gegen Manchester United gehört zur Geschichte des FC Bayern, und nie in der Neuzeit war Schalke 04 größer als nach der Vier-Minuten-Meisterschaft 2001. Nie sind polarisierende Klubs wie die aus München und Gelsenkirchen so geliebt worden. Es sind die Dramen aus schönstem Glück und jähem Schmerz, die das Spiel so einzigartig machen: Fußball berührt dann sogar Menschen, die dieses gigantisch gewordene Spektakel, dieses Geschäft voller Wichtigtuer und Selbstdarsteller, sonst mit berechtigter Skepsis sehen. Fußball wird in seinen stärksten Momenten trotzdem immer authentisch bleiben: Weil diese Augenblicke die Herzen treffen.
Der 1.FC Nürnberg hat eine schöne, starke Geschichte geschrieben, mit einem Team, das diesen ganzen Club endlich herausgespielt hat aus dem über Jahrzehnte so drückenden Schatten der Vergangenheit, aus dem zum ewigen Grau gewordenen Staub der Schwarzweiß-Fotos alter Meister. Dieses neue Nürnberg ist so voller Leidenschaft wie der unglaubliche Javier Pinola, elegant wie Marek Mintal, stürmisch wie Robert Vittek, quirlig wie Ivan Saenko, mutig wie Dominik Reinhardt, souverän wie Tomas Galasek oder feinsinnig wie der stille Jawhar Mnari. Bunt, voll prallem Leben: So haben sie den DFB-Pokal gewonnen und sich für den Europacup qualifiziert, so ist mit und an Trainer Hans Meyer ein Team gewachsen, das die Menschen in Nürnberg berührte wie kein anderes seit vierzig Jahren.
So sind sie jetzt gescheitert an Benfica Lissabon: Voller Leidenschaft, voller Größe, sogar mit Eleganz – und jäh ins Herz getroffen. Die Tragik dieser Schluss-Sekunden, die plötzliche gespenstische Stille in einem bis unters Dach mit purer Leidenschaft gefüllten Stadion, sie gehören jetzt zur besonderen Geschichte dieser Mannschaft, die nicht einfach ausgeschieden ist. Sie hat ihre fantastische Reise so beendet, dass es niemand vergessen wird, sie hat in ihrem Unglück das berührendste Kapitel der über Jahrzehnte so marginalen Nürnberger Europacup-Historie geschrieben.
Ein bisschen war es das Ende einer kurzen Ära. Und noch mehr die Aufforderung, diese neue Geschichte gegen alle Ängste weiterzuschreiben. Trainer Thomas von Heesen verabschiedete sich mit Stil vom Uefa-Cup; sein Lob für die Klasse seiner Elf war – auch – eine taktvolle, dem Augenblick angemessene Verbeugung vor Hans Meyers Erbe. Mit Ehrgeiz und Elan will von Heesen fortsetzen, was ihm im dritten Spiel seiner kurzen Amtszeit schon gelungen war: diesem in der Liga unsicher gewordenem Team zu helfen, sein Niveau gegen alle Zweifel konstant wiederzufinden. Eine große 2:2-Niederlage hat dafür einigen Mut gemacht.HANS BÖLLER |