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Wählerwanderung: OB stürmt CSU-Hochburgen |
| Maly gewinnt massiv Stimmen in Vierteln der Konkurrenz - Besser mobilisiert |
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Der Oberbürgermeister und Wahlsieger Ulrich Maly (SPD) hat es wie kein anderer OB-Kandidat jemals zuvor geschafft, über alle Parteigrenzen und Gesellschaftsgruppen hinweg (vom Arbeiter bis zum Manager) sowie in unterschiedlichsten Wohnvierteln so große Zustimmung zu gewinnen. Zugleich ist es dem Amtsinhaber auch viel besser gelungen als seinem Herausforderer Klemens Gsell (CSU), die Wähler zu mobilisieren.
Dies geht aus einer ersten Analyse des städtischen Wahlamts hervor. «Noch nie in der Geschichte der Oberbürgermeisterwahlen in Nürnberg war die Zustimmung zum gewählten Bewerber über alle Parteigrenzen hinweg so eindeutig wie bei dieser Wahl», fassen die Experten in ihrem traditionellen «Nachtheft» (in der Nacht zum Montag erstellt) zusammen. Über alle sozialen, ökonomischen und wohnortspezifischen Unterschiede hinweg sei die Zustimmung einhellig.
Mit 75,3 bzw. 71,1 Prozent habe Maly in den eigenen Hochburgen und den Gebieten mit traditioneller SPD-Vorherrschaft «natürlich» das beste Ergebnis erzielt. Auch in Hochburgen der Grünen und der FDP bekam Maly Zustimmungen von 70,3 bzw. 63,1 Prozent. Die Schlussfolgerung: Anhänger der beiden Parteien haben dem SPD-Kandidaten ihre Stimme gegeben.
Hochburg gestürmt
Und selbst in Bezirken mit ausgeprägter CSU-Klientel konnte – besonders schmerzlich für die Christsozialen – der Sozialdemokrat Maly noch fast das gesamtstädtische Ergebnis von 64,3 Prozent erreichen. Sogar in CSU-Hochburgen räumte der OB ab und liegt mit 59 Prozent weit vor Gsell, der hier nur 34,4 und gesamtstädtisch lediglich 27,4 Prozent erzielen konnte.
In über der Hälfte aller Stimmbezirke erzielte Maly eine Zwei-Drittel-Mehrheit, während Gsell sich in 70 Prozent aller Bezirke mit einem Anteil von unter 30 Prozent begnügen musste. Den stärksten Rückhalt erfuhr Maly in den «verdichteten Wohngebieten der Innenstadt», wo viele Singlehaushalte leben, aber auch häufig überdurchschnittlich viele Migranten. Der Oberbürgermeister hat – im Gegensatz zu seinem konservativen Herausforderer – eine liberale Position zum Zusammenleben verschiedener Kulturen in der Stadt.
Rolle als "Papa" betont
Die Nürnberger Wahlforscher heben als Besonderheit auch das «schwache Abschneiden» Gsells in «den eher jungen und durch Familien mit Kindern gekennzeichneten Wohnquartieren in zum Teil guter Lage» hervor. Im Vergleich zu 2002 musste hier der CSU-Kandidat, der im Wahlkampf so stark seine Rolle als «begeisterter Papa» herausgestellt hatte, Einbußen von über 22 Prozent hinnehmen.
Lediglich in Vierteln mit hohem Anteil an Ein- und Zweifamilienhäusern mit überwiegend deutschen Bewohnern konnte Gsell höher punkten als im Gesamtstadtergebnis. «Aber auch hier betragen die Zuwächse von OB Maly um die 15 Prozent gegenüber der Erstwahl 2002.»
Wähler auf Wanderschaft
Auch laut Wahlforscher Andreas J. Kohlsche, der die Wählerwanderungen analysiert hat, hat die CSU massiv Stimmen an die SPD, aber auch an andere bei der OB-Wahl verloren. Insgesamt sind es 41 780 Wähler (minus 11,59 Prozent). Davon gehen an die Sozialdemokraten allein 16 640 Personen, an die Nichtwähler sogar mit 22 230 noch mehr. 1110 Wähler mussten die Christsozialen an die FDP abgeben, 1010 an die Rechten. (Siehe nebenstehende Grafiken)
Der «Mobilisierungsgrad» war (im Vergleich zur Oberbürgermeister-Wahl 2002) bei den Sozialdemokraten und OB Maly deutlich höher als bei der CSU, stellen die Fachleute fest. Danach konnte die CSU 53 statt 78 Prozent auf die Beine bringen, während die SPD auf 81 Prozent (63) kam. Die Grünen konnten mit 55 Prozent (58) nur etwa die Hälfte ihrer potenziellen Wähler mobilisieren, die Linke dagegen immerhin 68 (72, PDS), die FDP 27 Prozent (33).
Rückschritt für die Konservativen
Wahlforscher Andreas J. Kohlsche attestiert der CSU in Bayern, dass sie bei der Mobilisierung ihrer Wähler wieder «in den fünfziger und sechziger Jahren angelangt» sei.
Bei jungen Frauen gepunktet
Beim Blick der Fachleute aus dem Nürnberger Wahlamt auf Alter und Geschlecht der Wähler sticht hervor, dass der Amtsinhaber erneut vor allem bei den Frauen punkten konnte. «Drei von vier jüngeren Wählerinnen unter 35 Jahren haben ihre Stimme dem SPD-Kandidaten gegeben», heißt es.
Das ist umso bemerkenswerter, als 2002 dieser Trend noch mit dem deutlich älteren CSU-Kandidaten Ludwig Scholz erklärt worden war. Diesmal hatte es Maly mit dem fast gleichaltrigen Gsell zu tun. Auch bei den Männern unter 25 Jahren erzielte er ein ähnlich gutes Ergebnis.
"Eine herbe Schlappe"
Gsell dagegen erleidet bei den jungen Wählern «eine herbe Schlappe». Die Stimmenanteile liegen bei unter 20 Prozent. Bei Frauen und Männern zwischen 25 und 35 Jahren liegt der Anteil nur bei 15 bis 16 Prozent. Den größten Zuspruch, wie schon Scholz 2002, erfuhr Gsell bei den über 60-jährigen Männern. Doch selbst hier erhielt Maly noch 55,6 Prozent.
www.wahlen.nuernberg.de
Andreas Franke |
| 4.3.2008 |
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