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19.04.2008
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Club: Abbruch, Einbruch – jetzt ein Aufbruch?

Der 1.FC Nürnberg will gegen Wolfsburg zeigen, dass von zwei Trends der positive am Ende doch überwiegt
 Club: Abbruch, Einbruch – jetzt ein Aufbruch?
Mintal und Koller
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NÜRNBERG - Sonntag, 15 Uhr: Zu ungewohnter Zeit unternehmen der 1.FC Nürnberg und der VfL Wolfsburg den Versuch, 90 Minuten miteinander Fußball zu spielen. Unter erschwerten Bedingungen für Nürnberg: Denn dem Spielabbruch vom vergangenen Freitag folgte der Einbruch beim 0:3 in Stuttgart.

Der im Training auffälligste Mann darf am Sonntag beim zweiten Versuch gegen den VfL Wolfsburg dummerweise nicht mitspielen – es handelte sich um Thomas von Heesen. Beim Üben hatte Nürnbergs Trainer ein bisschen Lust auf Fußball. «Der Lauteste auf dem Platz«, berichtete von Heesen hinterher, «war dann ich.«

Die Spieler trollten sich leise – nur Daniel Klewer, der anstelle des verletzten Jaromir Blazek wieder das Tor bewacht, hatte ein paar Sätze für Radio- und Fernseh-Mirkrofone übrig. Schlimm war das diesmal aber nicht, es gab ohnehin nicht viel zu sagen nach dem Debakel von Stuttgart, wo man 45 Minuten lang eine Nürnberger Mannschaft sah, die in dieser Verfassung noch nicht einmal in der Zweiten Liga mithalten könnte.

«Eine Mentalitätsfrage«

Hier ein Trainer voller Ideen und Tatendrang, der auch in misslicher Lage einen selbstsicheren Auftritt vorlebt – einer, der als Aktiver ein Fußballer war, die man heute cool nennen würde. Selbstbewusst, angriffslustig, Deutscher Meister, Europacupsieger der Landesmeister. Dort ein Nürnberger Team, das in manchen Spielen aussieht wie eine Selbsthilfegruppe der Minderwertigkeitskomplexgeplagten kurz vor der Auflösung wegen Mutlosigkeit – das provoziert natürlich auch die üblichen, chronisch platten Fragen, die ein Abstiegskampf mit sich bringt.

Die zum Beispiel, ob der Trainer die Mannschaft noch «erreiche«, wie es im Fußballdeutsch dann heißt – als sie gestellt wurde, sah von Heesen am Freitag ausnahmsweise etwas genervt aus. So einfach sind Wahrheiten selten; ein Trainer/Mannschaft-Problem hatte dieser Club nie – nicht mit Hans Meyer, nicht mit Thomas von Heesen. «Eine Mentalitätsfrage in Bezug auf die ganze Mannschaft« sieht von Heesen – «begleitet«, so formulierte er es treffend, habe sein Team am Mittwoch den VfB beim Fußballspielen.

"Beweisen, dass Stuttgart die Ausnahme war

Genau diese fatale Neigung zur (Selbst-)Aufgabe sollte der neue Trainer diesen Fußballern austreiben; «eine neue Ansprache«, so hatte es Manager Martin Bader zur Amtseinführung von Heesens gesagt, solle «die vielleicht entscheidenden Prozente« aktivieren. Bader glaubt fest daran, dass die Rechnung noch aufgeht – es bleibt ihnen allen auch gar nichts anderes übrig. Die Lage ist höchst unbequem geworden, aber noch steht vor dem «aussichtslos« das Wort «fast«. Und von sechs verbleibenden Spielen finden vier in Nürnberg statt – darunter die gegen Bielefeld und Duisburg. «Beweisen, dass Stuttgart die Ausnahme war«, solle das Team jetzt, sagt der Manager und verweist nicht zu Unrecht auf einen zuvor positiven Trend: Je 90 Minuten gegen Bayern und Frankfurt, 45 bis zum Spielabbruch gegen Wolfsburg – erstmals in dieser Saison blieb Nürnberg dreimal hintereinander unbesiegt. Oder wäre es geblieben, hätte der Wolkenbruch die Hoffnungen nicht weggespült.

Erst höhere Mächte, dann ein rätselhaftes sportliches Tief haben von Heesen die Zwischenbilanz leicht verhagelt – in einem Moment, als er sich erstmals richtig verstanden fühlen durfte. Dem verlorenen 1:0-Vorsprung gegen Wolfsburg folgten die 45 fatalen Minuten von Stuttgart – man beginnt im Grunde am Sonntag so nicht wieder bei null, sondern etwas darunter. Es gibt in Nürnberg irgendwie zwei Trends: Einen phasenweise ermutigenden, dem aber regelmäßige Rückfälle in die Resignation gegenüberstehen.

Verletzungen schwächen das Team

Und wie Vorgänger Meyer plagen von Heesen regelmäßige Absenzen von Leistungsträgern: Ivan Saenko, den Torschützen vom ersten Versuch gegen Wolfsburg, schmerzt der Oberschenkel. Zvjezdan Misimovic plagen weiter die Adduktoren, wahrscheinlich wird am Sonntag deshalb Marek Mintal wieder einmal von Beginn an spielen – wohl gemeinsam mit Jan Koller, dem von Heesen «nach einem kleinen Tief« einen Aufwärtstrend bescheinigt.

«Jan Koller ist absolut wieder da«, sagt der Trainer, «er brennt, und Marek Mintal brennt auch.« Thomas von Heesen sowieso. «Für mich«, sagt er, «sind solche Situationen Herausforderungen.« Nur schade, dass er nicht mitspielen darf.

Nürnberg: Klewer; Kristiansen (Jacobsen), Wolf, Abardonado, Pinola – Mnari, Galasek – Mintal – Vittek, Koller, Saenko.
19.4.2008
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