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NÜRNBERG – Eines wollte Thomas von Heesen einmal klargestellt haben. «Ich rechtfertige mich für gar nichts«, sagte der Trainer des 1.FC Nürnberg, nachdem zwanzig Minuten der offiziellen Pressekonferenz schon vorüber waren. Zwanzig Minuten, in denen sich von Heesen so vehement wie unaufgefordert gerechtfertigt hatte – dafür, dass er am Samstag beim 2:2 gegen Arminia Bielefeld auf jedwede Auswechslung verzichtet hatte.
Es hatte gestern zwar keiner mehr danach gefragt. Aber Thomas von Heesen, gebürtiger Ostwestfale und gelernter Hamburger, der im Prinzip die hanseatische Gelassenheit schätzt, wollte seinen Zorn vielleicht über das jüngste Remis, offiziell aber über dessen Bewertung noch einmal loswerden. «Wenn man sonst nichts Negatives findet, fragt man nach Wechseln«, bemerkte er, und: «Das ist eine Bankrott-Erklärung für diejenigen, die diese Frage gestellt haben.«
«Populistisches Raushauen«, monierte von Heesen, attestierte, einmal in Rage, nicht genannten Beobachtern «die hohe Kunst des Nichtwissens« und stellte selbst eine Frage: «Wie schwachsinnig muss man dafür sein?« Diesbezüglich war der Trainer an einer Aufklärung nicht wirklich interessiert; im Rückblick auf den vergangenen Samstag analysierte er es gerne noch einmal so: «Die Mannschaft hat gut funktioniert, sie hat zwei Fehler gemacht, aber doch nicht herumgegurkt – sie hat sich Rhythmus und Sicherheit doch wiedergeholt.«
Aber eben kein Tor mehr geschossen, weshalb jetzt von drei Spielen innerhalb von neun Tagen – am Freitag bei Borussia Dortmund (20.30 Uhr), am Mittwoch gegen Duisburg, am Samstag bei Hertha BSC in Berlin – eigentlich keines mehr verloren gehen darf. Nürnbergs Chancen auf den Liga-Verbleib sind in der Theorie noch ohne höhere Mathematik nachweisbar, viele Fehler allerdings darf sich der Club nicht mehr erlauben; Zeit zur Wiedergutmachung gibt es ab jetzt nicht mehr. Irgendwann ist die Zahl der Punktverluste, die man sich rechnerisch noch erlauben kann, verbraucht; der Zeitpunkt steht ziemlich unmittelbar bevor.
Misimovic oder Mintal?
«Wir müssen bis zur letzten Sekunde das Maximum probieren«, formuliert es Marek Mintal. «Wenn wir gewinnen, haben wir noch eine Chance«, sagt Jan Koller, der in fünf Jahren bei Borussia Dortmund 59 Liga-Tore für den BVB erzielte. Ob er am Freitag gemeinsam mit Mintal stürmt, ist offiziell noch offen, weil auch Zvjezdan Misimovic zumindest wieder schmerzfrei mittrainiert. Für Nachfragen in Sachen Misimovic und/oder Mintal war der Zeitpunkt gestern indes eher ungünstig. «Das hängt nicht von den Wünschen der Reporter ab«, beschied von Heesen offenbar in Anspielung auf einige journalistische Dank-Adressen an Mintal, «das interessiert mich herzlich wenig, ich allein entscheide, wer spielt.«
Über solchen Detailfragen steht «ein klarer Auftrag«, wie von Heesen es ausdrückt: «Drei Punkte in Dortmund« – kein völlig utopisches Ziel angesichts einer BVB-Elf, die von zuletzt neun Liga-Spielen nur eines gewann. Richtig friedlich ging es trotz der (über das Pokalfinale) geglückten Qualifikation für den Uefa-Cup-Wettbewerb auch in Dortmund zuletzt nicht zu; Trainer Thomas Doll fiel mit einer kleinen Brandrede über undankbare Medien auf, für die ihm der Boulevard zu gerne einen noch auszulobenden Giovanni-Trapattoni-Gedenkpreis verliehen hätte – allerdings zu Unrecht, denn Maestro Trap hatte ja nicht Journalisten gerügt, sondern seine Fußballer.
Davon ist Thomas von Heesen, bisher aufgefallen als angenehmer Gresprächspartner, weit entfernt; sein kleiner innerer Vulkanausbruch war vermutlich auch ein bisschen der Versuch, seinem Team voranzugehen. Wer niemanden auswechselt, ist mit keinem unzufrieden – so ließ sich aus von Heesens Ausführungen immerhin herauslesen, dass Nürnberg im Westfalenstadion mit unveränderter Startformation beginnen könnte. «Vittek war immer gefährlich, Mintal ist immer für ein Tor gut«, erklärte von Heesen noch einmal im Rückblick auf den Samstag; sein Verweis auf die nötige Fitness dürfte ein Signal für Mintal gewesen sein; Misimovic könnte den Joker geben. Sagte von Heesen selbst – in lockerer Runde nach dem offiziellen Teil. Es war eigentlich alles erledigt. Nach dem Zeitpunkt eines möglichen Wechsels wollte trotzdem keiner mehr fragen.
Hans Böller |