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Schüler genötigt? Staatsanwalt ermittelt gegen Polizisten

Vier Jungs im Alter von 16 und 17 Jahren betroffen
 Schüler genötigt? Staatsanwalt ermittelt gegen Polizisten
Polizitin erschossen
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NÜRNBERG - Eine Zivilstreife der Polizei soll rabiat mit vier Gymnasiasten umgesprungen sein und sie regelrecht provoziert haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Nötigung.

Die vier Jungs im Alter von 16 und 17 Jahren waren mit ihren Rädern in Mögeldorf unterwegs, als sie von einem schwarzen Auto eingeholt wurden. Der Wagen bremste und stieß mit hoher Geschwindigkeit zurück. Der Beifahrer habe die Tür aufgerissen und unvermittelt gebrüllt: «Hey, willst ’n paar aufs Maul?« So schildern das die Schüler.

Schüler ergriffen die Flucht

Was die Gymnasiasten bis dahin nicht ahnten: Im Wagen saßen Beamte der Zivilen Einsatzgruppe der Polizei. Doch die Schüler gingen davon aus, dass es sich um Männer handelte, die Streit suchten. «Ich habe gedacht, das sind Leute, die uns schlagen wollen«, sagt ein 16-Jähriger.

Sie ergriffen die Flucht, um einer Auseinandersetzung aus dem Weg zu gehen. Doch der Wagen blieb an ihnen dran. Es muss zu einer regelrechten Verfolgungsjagd durch die Siedlung gekommen sein. «Die fuhren im Auto hinter mir, im ersten oder zweiten Gang.« Sie hätten den Motor aufheulen lassen, meint der 16-Jährige. «Plötzlich sah ich Blaulicht. Aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass das Polizisten sein sollen. Ich hatte eher Angst vor ihnen.«

Mit Blaulicht und Martinshorn

Nach Aussagen der Schüler starteten die Polizisten schließlich das ganze Programm. Sie hielten eine Polizeikelle aus dem Fahrzeug, setzten das Blaulicht aufs Auto und schalteten das Martinshorn an. Sie holten die Jungs ein und beschuldigten den 16-Jährigen der Beamtenbeleidigung. Sie hätten ihm vorgeworfen, ihnen den Mittelfinger gezeigt zu haben. Doch das habe er nicht, beteuert dieser. Er habe nur eine genervte, abwehrende Handbewegung gemacht.

Personalien notiert

Die Polizisten notierten die Personalien der Schüler, fragten nach, woher sie ihre Fahrräder hätten, ob sie Drogen besäßen und drohten mit einer Anzeige. Die Schüler fühlten sich regelrecht provoziert. Einer der Polizisten meinte, so erinnert sich der 16-Jährige: «Schauen Sie, was ich in der Hand habe. Das ist eine Maglite (eine Taschenlampe, Anmerkung der Redaktion). Wenn ich die in die Speichen halte, fliegen Sie 100 Meter weit - aber das mach’ ich nicht, um sie nicht zu verletzen.«

«Sollte es sich bei den beiden männlichen Pkw-Insassen tatsächlich um Polizeibeamte handeln, so ist die beschriebene Handlungsweise, mit der Schüler beleidigt und kriminalisiert werden, völlig unangemessen«, zürnt Dietmar Fischer, der Vater eines der vier Jungen. Er reichte bei der Staatsanwaltschaft eine Dienstaufsichtsbeschwerde ein und erstattete Anzeige gegen die Beamten in Zivil.

Fassungslose Eltern

Auch die Mutter des der Beamtenbeleidigung beschuldigten Schülers reagierte fassungslos. Sie könne sich überhaupt keinen Reim darauf machen, wie die Polizei dazu käme, die Schüler so derb anzureden. «Wo sind da die Vorbilder? Vom Freund und Helfer ganz zu schweigen!«

Es gibt keinen Zweifel daran, dass es sich bei den Männern im Pkw tatsächlich um Polizisten handelte. Die Jungen hatten sich das Kennzeichen gemerkt. Nach einer Halterabfrage bestätigt Polizeisprecherin Elke Schönwald, dass der beschriebene Wagen auf die Polizei zugelassen sei. Beschwerden über das Verhalten von Polizisten würden generell an die Personalabteilung weitergegeben, sagt sie. Dort müssen die Polizisten dann ihre Version des Vorfalls schildern. Mehr will die Polizei bislang nicht zu den Vorwürfen sagen.

Die Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wegen des Verdachts der Nötigung. Jetzt müsse geklärt werden, was wirklich passiert sei, sagt Justizsprecher Andreas Quentin auf Anfrage. Der Staatsanwalt ermittelt noch gegen Unbekannt, weil erst die Identität der Polizisten geklärt werden muss.

Sabine Stoll
19.6.2008
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